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Reichel huldigt seinem Krefelder Freund

Krefeld. Der Sänger und Songschreiber mit Hamburger Starclub-Vergangenheit gastiert am Montag, 23. November, im Seidenweberhaus.

Sie haben vor fünf Jahren ein Konzert in Krefeld gegeben. Erinnern Sie sich noch daran?

Achim Reichel Ja klar, das war in einer ganz tollen Kirche (Friedenskirche, die Redaktion) mit einer super Atmosphäre. Krefeld ist klasse.

Gibt es die Stadt Krefeld sonst noch auf Ihrer persönlichen Landkarte?

Reichel Ganz dick markiert gibt es darauf meinen Freund und Musikerkollegen Peter Franken. Der ist vor kurzem gestorben und war ein gebürtiger Krefelder. Ich vermisse ihn sehr. Er hat auf vielen meiner Platten Schlagzeug gespielt, hat mir bei der Produktion von Songs und Bands geholfen. Unter anderem trommelte er bei meinem Hit "Der Spieler".

Wie haben Sie Peter Franken kennengelernt?

Reichel Er ist in meine Geburtsstadt Hamburg gekommen und hat dort bei den Rivets am Schlagzeug gesessen. Er war ein toller Drummer und ein guter Kopf. Das habe ich im Gespräch sofort gemerkt. Es gibt ja in der Branche so viele Spinner. Alles andere hat sich ergeben.

Sie sind sehr lange im Geschäft. Wie hat sich die Branche verändert?

Reichel Was sich heute Musikgeschäft nennt, liegt eigentlich am Boden. Die Industrie will an Konzerten und Merchandise mitverdienen. Die Aufwendungen für Promotion werden mit dem Künstler verrechnet. Die Musikplattformen im Internet tun ein Übriges. Statt die Verkaufszahlen wie früher, ist es heute in viel stärkerem Maße das Publikum, das dem Künstler bei Konzerten die Anerkennung verleiht. Ich habe noch die anderen Zeiten miterlebt.

Sie gehörten in den 1960er Jahren zu den Rattles, der ersten populären deutschen Beatband, und haben den berühmten Starclub in Hamburg als Betreiber übernommen?

Reichel Und sind dann damit in die Insolvenz gegangen. Aber das war eine spannende Zeit. Es haben ja viele dort gespielt, die später Karriere gemacht haben wie die Beatles. Das war damals so, dass sie noch ansprechbar waren. Man setzt sich nebenan zu einem Kaffee zusammen und redete miteinander. Die waren ja in meinem Alter. Mit den Rattles hatten wir viele Hits, und wir haben gut verdient.

Sie waren als Musiker sowohl mit den Beatles als auch mit den Rolling Stones auf Tournee und im Vorprogramm aktiv. Wen schätzen Sie mehr? Beatles oder Rolling Stones?

Reichel Ich kann beiden etwas abgewinnen. Die Songs der Beatles sind in ihrer kompositorischen Qualität sicher höher anzusiedeln. Die Stones waren immer dem Rhythm'n'Blues verhaftet und sind es heute noch.

Sie selbst haben musikalisch eine riesige Bandbreite in Ihrem bisherigen Musikerleben abgedeckt. Wie kam's dazu?

Reichel Mir wurde klar, dass es wie eine Urkundenfälschung ist, Lieder nicht in der deutschen Muttersprache, sondern in Englisch zu singen. Andere Nationen sind stolz auf ihre kulturellen Wurzeln, aber wir Deutsche haben unsere Probleme mit der eigenen Kultur. Auf der Insel gibt es schon lange Folkrock. Bei uns fehlte Vergleichbares. Ich habe dann Shantys aufgenommen, Volkslieder in ein modernes Gewand gepackt und sogar Gedichte vertont. Als ich Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland aufnahm, fragten einige, darf ich sowas unseren Dichtern antun.

Sie haben sich aber nicht beirren lassen und weitergemacht?

Reichel Ich will als Musiker etwas hinterlassen, was dauerhaft Substanz hat. Ich bin meinen eigenen Weg gegangen. Als 71-Jähriger bin ich zufrieden mit den Marktlücken, Nischen und Ideen, die ich entdeckt und realisiert habe.

Wie stehen Sie als Norddeutscher, der gerne schon mal Sprachbilder wie steife Brise und Wind in den Segeln zeichnet, zur bayerischen Kultur?

Reichel Ich persönlich finde es imponierend, was die Bayern aus ihrer Kultur machen, und wie sie sie pflegen mit Trachtenkapelle und Weißwurst.

Sie haben 1973 die erste Platte der Band Ougenweide produziert. War Ihnen klar, dass Sie mit dem Stil ein neues Genre begründen?

Reichel Das haben wir uns damals nicht träumen lassen, dass Mittelalterrock einmal eine solche Popularität bekommt. Heute locken Festivals mit auf historischen Instrumenten gespielter Musik riesige Fangemeinden an. Zahlreiche Bands und Musiker sind auf diesem Ticket unterwegs.

Wie fällt Ihr Resümee nach Jahrzehnten als Musiker aus?

reichel Es stellt sich die Frage, bist du ein Unterhaltungsfuzzi oder doch ein bisschen mehr. Ich will mit mir selbst einverstanden sein. Einige meiner Alben sind Dauerbrenner, Aloha Heja He fehlt bei keiner Party, Der Spieler ist kein intellektueller Quatsch. Es ist ein herrliches Erleben mit 71 Jahren eine Tournee zu machen, zu der die Leute kommen. Ich habe allen Grund, meinen Fans dankbar zu sein.

NORBERT STIRKEN FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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