| 00.00 Uhr

Krefeld
"Reinigungsskandal trifft Krefeld doppelt"

Krefeld. Ratsherr Stephan Hagemes (Die Linke) kritisiert das Verhalten der Malta Clean Service und deren Gesellschafter. Vor allem bemängelt er den angeblichen Versuch, den Krefelder Gewerkschafter Mahir Sahin mit juristischen Mitteln mundtot zu machen. Von Norbert Stirken

Der in Duisburg aufgedeckte Skandal um die Reinigungsfirma MCS (Malta Clean Service) - die Staatsanwaltschaft ermittelt - strahlt nach Krefeld: Er habe für die Stadt Krefeld sogar eine doppelte Bedeutung, erklärte Ratsherr Stephan Hagemes (Die Linke). Die MCS gehöre nämlich nur zu 51 Prozent dem Malteserorden. 49 Prozent halte die "gepe Gebäudedienste Peterhoff GmbH", und die putze auch in Krefelder Schulen. Bis Sommer 2017 stehe Peterhoff für die Reinigung eines Viertels aller Krefelder Schulen und Kindertagesstätten unter Vertrag. "Für uns trägt Peterhoff Mitverantwortung für das Vorgehen der MCS", sagt Hagemes, Mitglied des Verwaltungsausschusses der Stadt Krefeld.

Im St. Anna-Hospital in Duisburg betreibe MCS gegenüber den Reinigungskräften mit Migrationshintergrund nach Angaben mehrer Beschäftigter Lohnraub, die Frauen würden schikaniert, zu unbezahlter Mehrarbeit gezwungen, ihnen würde Urlaub vorenthalten. Die geschilderten Arbeitsbedingungen wirkten sittenwidrig, so Hagemes weiter. In Uerdingen reinigten Beschäftigte der Firma das Krankenhaus.

Nachdem die Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt (IG BAU)die brutale Ausbeutung bulgarischer Putzfrauen durch die MCS angeprangert habe, erwirkte die Firma eine einstweilige Verfügung, sprich einen Maulkorb gegen den IG BAU-Gewerkschaftssekretär Mahir Sahin vom Inrath (wir berichteten).

"Wir haben die Vorwürfe sehr sorgfältig untersucht und geprüft", sagt Marina Dörmann, Unternehmenssprecherin von MCS und der Gepe Gebäudedienste Peterhoff GmbH. Die beschuldigten Vorarbeiterinnen hätten eidesstattliche Erklärungen abgegeben, die die Vorwürfe widerlegten. Für sie bestehe auch deshalb erheblicher Zweifel an der Richtigkeit der erhobenen Vorwürfe, die bislang nicht erwiesen seien. "Bei anderen Vorwürfen können wir als Unternehmen nicht weiter ermitteln: Hier warten wir auf die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft", sagt Dörmann. Für die Mitarbeiter gelte wie in einem Rechtsstaat üblich, die Unschuldsvermutung. Aus genau diesem Grunde sei die Einstweilige Verfügung erwirkt worden; es gehe dabei um drei konkrete Behauptungen, ja öffentliche Vorverurteilungen. "Wir wollen der IG BAU damit keinesfalls den Mund verbieten oder sie gar einschüchtern. Wir werden uns aber im Sinne unserer Belegschaft auch künftig gegen weitere Behauptungen wehren", betonte Dörmann.

Dieses Mittel sei im Übrigen ein im demokratischen Rechtsstaat verankertes, akzeptiertes Instrument - es werde durchaus auch von Gewerkschaften genutzt. "Mir ist völlig unverständlich, wieso eine Einstweilige Verfügung undemokratisch sein soll - sie dient dem Schutz von Personen und Unternehmen vor Vorverurteilungen", so Bernd Müsch, Geschäftsführer der MCS.

Die Linke sieht das anders: Mit einer Strafandrohung über 250.000 Euro wolle die MCS die IG BAU daran hindern, weiter die Öffentlichkeit über die himmelschreienden Zustände zu informieren. Dies sei in einer Demokratie völlig inakzeptabel. Die Solidarität mit dem Krefelder Mahir Sahin wachse täglich.

Hagemes bemängelt nicht nur den angeblichen Umgang mit den Beschäftigten, sondern auch die unzureichende Reinigungsleistung. Mit dieser Kritik weiß er die anderen Ratsfraktionen hinter sich. Auch Oberbürgermeister Frank Meyer hat einen Nachbesserungsbedarf erkannt und nachträglich zusätzliche 300.000 Euro in den Haushaltsentwurf eingestellt, um die Reinigungsmängel beheben zu können.

"Die vier Firmen, welche die Gebäude der Stadt Krefeld reinigen sollen, stehen seit Monaten in der Kritik, weil sie auf Kosten der beschäftigten Frauen und der Sauberkeit mit Dumpingangeboten die Aufträge der Stadt erhalten haben", erklärt Hagemes. Noch seien in Krefeld keine so extrem menschenverachtenden Handlungen der Firmen bekanntgeworden wie in Duisburg. Doch auch die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in Krefeld seien inakzeptabel. Die Linke fordert weiterhin, die Verträge mit den Firmen zu den Sommerferien zu kündigen. Zum Schuljahr 2016/17 müsse eine Neuausschreibung erfolgen, diesmal in Kooperation mit der IG Bau und der Gebäudereiniger-Innung. Peterhoff solle die Beteiligung an der MCS dafür nutzen, dass die Einstweilige Verfügung und die Unterlassungsklage gegen die IG BAU zurückgenommen und die berechtigten Forderungen der Reinigungskräfte erfüllt werden. "Sonst hat sich Peterhoff für die Reinigung Krefelder Schulen und Kitas endgültig disqualifiziert", meint der Ratsherr.

"Wir arbeiten einwandfrei. Das Verhältnis zur Stadt Krefeld ist sehr gut. Es gibt keinerlei Beschwerden über Arbeitsbedingungen oder Qualität der Arbeit", entgegnet Dörmann.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld: "Reinigungsskandal trifft Krefeld doppelt"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.