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Krefeld
Rekorde bei Siempelkamp

Zeitraffer: Die stärkste Presse der Welt von Siempelkamp
Zeitraffer: Die stärkste Presse der Welt von Siempelkamp FOTO: Siempelkamp
Krefeld. Das Krefelder Familienunternehmen überschreitet dieses Jahr beim Umsatz erstmals die 700-Millionen-Euro Grenze. Von Norbert Stirken

Die Geschäftszahlen für die Siempelkamp-Gruppe mit einem Umsatzrückgang für 2015 sind nur bedingt aussagekräftig: Das liege an der Bilanzierung nach Handelsgesetzbuch. In allen Bereichen seien nämlich "schwarze Zahlen" geschrieben worden. "Genaueres sagen wir grundsätzlich nicht", erklärte Hans W. Fechner, Sprecher der Geschäftsführung, gestern im Düsseldorfer Industrie-Club. Fakt sei auch, so Fechner, dass dieses Jahr erstmals in der Geschichte des mittelständischen Familienunternehmens mit Firmenzentrale in Krefeld beim Umsatz die Grenze von 700 Millionen Euro überschritten werde. Bei einem Auftragsbestand von 821,5 Millionen Euro sei dies eine sichere Prognose.

Der Maschinen- und Anlagenbau lag 2015 mit einem Umsatz von knapp 571 Millionen Euro in der Gruppe vorn. Engineering und Service (vormals Nuklear) folgte mit 143,5 Millionen. Die Gießerei vervollständigte das Umsatzergebnis mit etwa 90 Millionen Euro. Mehr noch als auf das zurückliegende Jahr blickte Fechner auf 2016 und die nähere Zukunft. "Wir sehen die nicht unbedingt in Deutschland", betonte er und präzisierte den Kurs der Internationalisierung. "Wir müssen dort mitspielen, wo die Zukunft ist", sagte er und meinte vor allem China.

In Quingdao hat Siempelkamp auf eigener Fläche bereits zwei Produktionshallen gebaut und wird eine weitere erstellen. Auch der gemietete Standort Wuxi wird entgegen bereits verkündeter Absicht weitergeführt. "Das kleinere Werk ist so gut ausgelastet, dass wir derzeit nicht an eine Aufgabe des Standorts denken", sagte Fechner.

Der geplante Stellenabbau in Deutschland gehe derweil voran. 290 Beschäftigte hätten die Gruppe bereits verlassen. Die meisten sozialverträglich. Doch es seien auch betriebsbedingte Kündigungen erfolgt. Wie viele, das wollte der Sprecher der Geschäftsführung nicht sagen. Die Stimmung in der Belegschaft sei gut. Schließlich dienten die Veränderungen der Sicherheit der Arbeitsplätze auch in Krefeld.

"Das Gehirn von Siempelkamp wird auf Dauer in Deutschland bleiben", verspricht Fechner. Hydraulik, Automatisierung sowie Produktionsintelligenz und Big Data sei das Know how, das es zu schützen und weiterzuentwickeln gelte. "Es geht immer nur um eines, die Nase vorn zu behalten", sagte Fechner salopp. Um dieses Ziel zu erreichen, investiert Siempelkamp in Infrastruktur in Bad Kreuznach, Quingdao und Blatnice in Tschechien, übernimmt Firmen wie Pallmann komplett, um Lösungen von A bis Z aus einer Hand bieten zu können.

Pallmann sei nicht nur in der Lage, Holz in Faserstoffe und Schnipsel zu zerkleinern, sondern sei zum Beispiel auch fähig, Maschinen zu bauen, die Autoreifen sortenrein in hochwertigen Stahl und Gummipulver trennen.

Andere Projekte beschäftigen sich mit den Werkstoffen der Zukunft für Automobil und Luftfahrtindustrie. Dabei geht es um faserverstärkte Kunststoffe und - ganz modern - PEEK. Das sind so genannte Hochleistungspolymere für die Flugzeughersteller. "Viermal stärker als Stahl und viermal leichter als Stahl", erklärte Fechner. Schon heute sind in 60 Prozent aller Flugzeuge Böden von Siempelkamp verbaut. Diese Sandwich-Panels sind leicht und robust.

Prognosen gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren 20.000 bis 30.000 neue, leichte Flugzeuge produziert werden, die weniger Schadstoffe in die Stratosphäre ausstoßen. Um beispielsweise die hochlegierten Stähle für die Schaufeln der Turbinen der Hersteller Airbus und Boeing zu produzieren, hat Siempelkamp die stärkste je in Deutschland gebaute Presse nach Nanshan geliefert und aufgebaut. Die Gesenkschmiedepresse formt das Material extrem langsam und schonend mit einer Kraft von 50.000 Tonnen. Das ist der Druck, den 1250 Lastwagen der 40-Tonner-Kategorie aufeinandergestapelt ausüben. In dieser Presse ist übrigens das Weltrekordteil aus der Krefelder Gießerei verbaut. Ein 320 Tonnen schweres Gussstück.

Hauptabnehmer ist nach wie vor aber die Holzindustrie. Die so genannte ContiRoll liefert Faserplatten rund um die Uhr. Der Prozess wird ständig mit Sensoren überwacht und in Computerprogrammen begleitet. Das führt zu wenig Ausschuss, optimalen Rohstoff- und Leimeinsatz und somit zu mehr Effizienz. "Wir nennen das die sich selbst optimierende Produktionsanlage", sagte Fechner.

Siempelkamps Kunden kämen seltenen aus dem Euro-Raum. In Australien, Indien, Japan, Polen, Türkei, Russland sei die Kundschaft ansässig. Ungewiss seien die Folgen der politischen Entwicklung für die Wirtschaft speziell in der Türkei und in Russland sowie Großbritannien - Stichwort Brexit.

Quelle: RP
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