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Krefeld
Renaissance einer vergessenen Rübe

Krefeld: Renaissance einer vergessenen Rübe
Elisabeth Schneider mit Steckrüben auf dem Westwallmarkt - das Gemüse wird wieder stärker nachgefragt. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Die Steckrübe erlebt eine neue Ära der Wertschätzung: Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) hat die gute alte Rübe zum "Gemüse der Jahre 2017/2018" erklärt.  Von Julika Holz und Sophia Rohan

Ernährungsexperten schwärmen, wie gesund das Gemüse ist, das früher ein Arme-Leute-Essen war - in der Tat: Auf den Märkten wird es immer häufiger verkauft. Da sind sich auch die Gemüsehändler auf dem Wochenmarkt am Westwall einig. "Alles kommt wieder in Mode", so die Einschätzung von Adelheid Salewski vom Gemüsehof Stefan Treichel.

Seit dem 17. Jahrhundert wird die Steckrübe in Deutschland angebaut; ursprünglich kommt sie aus Schweden und wird daher auch "schwedische Rübe" genannt. Die früher unbeliebte Kriegs- und Nachkriegsspeise wurde allerdings lange gemieden. Der "Steckrübenwinter" von 1916/1917 blieb dabei der Bevölkerung lange im Gedächtnis. Hier ersetzte die Steckrübe sowohl Kartoffeln als auch Gemüse, Fleisch und Obst.

Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel Kalium, ist die Steckrübe heute allerdings auf den Gemüsemärkten wieder zunehmend beliebt. Seit den letzten zwei, drei Jahren fragen immer mehr Kunden explizit nach der Rübe, berichtet Kim Morawa, Gemüsehändlerin auf dem Westwall-Markt. Ein Großteil der Kunden, der zum Teil den Krieg miterlebte, kennt die Rübe noch von früher. "Viele von ihnen wollen es noch einmal mit der Rübe versuchen; junge Leute dagegen sehen das Potenzial der Steckrübe nicht", meint Gemüsehändlerin Elisabeth Schneider. Die Kunden sind größtenteils deren Eltern und Großeltern.

Die Steckrübe steht für eine "wunderbar sättigende und leichte Küche", meint auch Thomas Seidel, zuständiger Fachmann bei der Kaufmännischen Krankenkasse Krefeld. Die Rübe ist nahezu fettfrei und hat einen hohen Wassergehalt. Das macht die Knolle kalorienarm. Die Rübe, die in Norddeutschland auch Vrucken genannt wird, ist reich an Kalium, Eiweiß, Magnesium, Beta-Karotin sowie den Vitaminen B1, B2 und B6.

Angebaut wird die vitaminreiche Knolle von Juli bis Oktober. Die Rüben müssen vor dem ersten Frost geerntet werden - gleich danach beginnt die Verkaufssaison. Bis April wird sie verkauft.

Auf dem Wochenmarkt kostet das Kilo zwischen einem und 1,20 Euro. Gekühlt halten sich Steckrüben sehr lange, jedoch besteht das Risiko, dass das süßliche Aroma sowie die wertvollen Inhaltsstoffe nach zehn Tagen im Kühlschrank verlorengehen.

Rezeptidee für Einsteiger: 
Für 6 Portionen braucht man: 500 g Steckrüben, 800 g fest kochende Kartoffeln, 4 Zwiebeln, 400 g durchwachsenen Bauchspeck, 25 g Butter, 1,25 l Kalbsfond oder Hühnerbrühe, 4 bis 6 Kochwürste, 1 Bund glatte Petersilie. 150 g Crème fraîche, Salz, Pfeffer, 1 Msp. gemahlenen Kümmel.
Zubereitet wird das Gericht wie folgt: Das Gemüse schälen. Die Steckrüben, Kartoffeln, Zwiebeln und Speck kleinschneiden. Die Butter in einem Topf erhitzen. Alle Zutaten nacheinander unter Rühren hinzufügen. Das Gemüse und den Speck kurz anschwitzen und mit der Brühe auffüllen. Zum Kochen bringen, die Kochwürste dazugeben und bei mittlerer Hitze 30 Minuten sanft kochen lassen. Inzwischen die Petersilie waschen und fein schneiden. Crème fraîche mit etwas Salz, Pfeffer und gemahlenem Kümmel glatt rühren. Den Eintopf würzen und die Petersilie untermischen. Mit der Crème fraîche servieren.

Rezeptidee für Fortgeschrittene: 
Für 6 Personen: 600 g Bandnudeln, 50 g Bacon Würfel, 600 g Hokkaido-Kürbis, 3 Zehen Knoblauch, 3 Töpfchen Würzbouillon Mediterranes Gemüse, 6 EL Parmesan, 400 ml Schlagsahne, 600 g Steckrüben, 3 EL Raps & Sonnenblumenöl, 300 ml Wasser, 150 ml Weißwein und 3 Zwiebeln.
Steckrüben, Knoblauchzehen und Zwiebel schälen und fein würfeln. Hokkaido-Kürbis halbieren, Kerne entfernen und in Würfel schneiden. In einer Pfanne Raps & Sonnenblumenöl heiß werden lassen. Bacon-Würfel kross anbraten. Zwiebel, Knoblauch, Steckrüben und Kürbis nacheinander zugeben und mitdünsten. Wasser, Weißwein und Sahne zugießen und zum Kochen bringen. Würzbouillon darin auflösen. Bei geringer Wärmezufuhr zugedeckt etwa zehn Minuten köcheln lassen, bis das Gemüse gar ist.
Inzwischen Bandnudeln zubereiten. Nudeln mit der Steckrüben-Kürbis-Sauce auf Tellern anrichten, mit Parmesan bestreuen, servieren.

 

Quelle: RP
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