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Krefeld
Rentner wird in seiner Wohnung Opfer eines Raubmordes

Krefeld: Rentner wird in seiner Wohnung Opfer eines Raubmordes
Der ältere Mann wurde tot in einer Wohnung an der Drießendorfer Straße gefunden. Die Polizei geht davon aus, dass er gewaltsam zu Tode gekommen ist. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Freunde hatten sich Sorgen gemacht, weil er sich tagelang nicht gemeldet hatte: Der 79-jährige Werner Landscheidt ist in seiner Wohnung an der Drießendorfer Straße tot aufgefunden worden. Er wurde erstickt.  Von Joachim Niessen und Jens Voss

Fassungslosigkeit herrschte gestern bei den Bewohnern in dem rotgeklinkerten dreigeschossigen Bau an der Drießendorfer Straße 67 im Nordbezirk. Einer ihrer Nachbarn, der 79-jährige Werner Landscheidt, ist Opfer eines Raubmordes geworden. Die Obduktion ergab als Todesursache ein gewaltsames Ersticken des Opfers. Der Mann ist am Abend des 26. Oktober tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Er war an Armen und Beinen gefesselt sowie geknebelt. Viel dürften die Täter nicht erbeutet haben: Nach ersten Erkenntnissen fehlte sein Portemonnaie. Der Mann lebte von einer kleinen Rente.

Eine zentrale Rolle bei der Aufklärung spielen möglicherweise zwei unbekannte Frauen: Zeugen berichten, Landscheidt habe kurz vor seinem Tod von dem bevorstehenden Besuch zweier Frauen berichtet. Dass es sich um Prostituierte gehandelt hat, gilt als ausgeschlossen. Über den Hintergrund des Besuchs verlautete gestern nichts.

Acht Parteien wohnen in dem gepflegten Innenstadthaus, die meisten schon seit vielen Jahren. "Wir haben eine gute Hausgemeinschaft, sitzen uns aber nicht permanent auf der Pelle", beschreibt ein Mieter die Situation. Vor rund zwei Jahren ist Werner Landscheidt in eine Wohnung in der zweiten Etage gezogen. Ein alleinstehender, sehr zurückgezogen lebender Mann, der aber immer für ein höfliches Wort oder einen kleinen Plausch im Treppenhaus zu haben war.

Aus seiner großen Liebe machte er keinen Hehl: Der 79-Jährige sammelte antike Gegenstände. Immer wieder war er auf Trödelmärkten unterwegs, kaufte Möbel, Vasen, Kannen, Pokale. Seine Schätze zeigte er gern: Ein Blick von der Straße genügt, um die Gegenstände auf den vollgestellten Fensterbänken zu bestaunen. Else Esser, die in der Nachbarschaft wohnt, erinnert sich genau: "Diese antiken Stücke, die waren sein Leben." Ob sie wirklich wertvoll waren, ist unklar – wahrscheinlicher ist, dass es eher wertlose Liebhaberstücke waren.

Neben seinem Hobby zeigte Landscheidt aber auch Pflichtbewusstsein und Hilfsbereitschaft. Regelmäßig holte er das Kind einer Bekannten aus der nahegelegenen Schule ab, stets pünktlich und gewissenhaft. Dies hatte letztendlich die Polizei auf eine erste Spur gesetzt und zum Auffinden der Leiche geführt. Seit Tagen schon hatte diese Bekannte nichts mehr von Werner Landscheidt gesehen und gehört. Das war ungewöhnlich, sie schaltete den Vermieter ein. Gemeinsam gingen sie am Mittwochabend zur Wohnung an der Drießendorfer Straße. Ein Nachbar riet, die Polizei zu informieren. Das taten sie schließlich; um 19.55 Uhr ging der Anruf bei der Polizeizentrale ein.

Die Beamten reagierten sofort und beauftragten einen Schlüsseldienst – und fanden den grausam getöteten 79-Jährigen. Anders als sonst üblich, soll das mit dem Abtransport beauftragte Bestattungsunternehmen die Leiche von der Polizei in einem geschlossenen und versiegelten Sarg auf der Straße übergeben bekommen haben. Die Wohnung durften die Männer nicht betreten. Weitere Einzelheiten zur Tat wollen Polizei und Staatsanwaltschaft heute bekanntgeben.

Die Polizei hat den Namen des Opfers bewusst und mit richterlichem Beschluss veröffentlicht, sagte Polizeisprecherin Karin Kretzer auf Anfrage. Auch die Veröffentlichung eines Bildes des Mannes soll zur Aufklärung beitragen. Die Polizei bittet Anwohner und andere Zeugen dringend um Hinweise zu Personen und verdächtigen Beobachtungen im Zusammenhang mit Werner Landscheidt. Hinweise werden unter der Telefonnummer 02151/6340 oder per E-Mail an hinweise.krefeld@polizei.nrw.de entgegengenommen. Laut Polizei könnten "alle Hinweise wichtig sein".

Immer wieder werden Rentner in ihrer Wohnung Opfer von Verbrechen – oft gehen die Täter kaltblütig und brutal vor. Eine Chronik des Schreckens:

Mai 2012 Eine 82-jährige Rentnerin aus Traar wird von drei Männern und einer Frau in ihrem Haus überfallen. Die Einbrecher reißen die Frau aus dem Schlaf, bedrohen sie mit einer Pistole und erpressen von ihr die PIN-Nummer ihrer EC-Karte. Mit der Karte heben die Täter 2000 Euro ab. Anderthalb Stunden bleiben sie im Haus der 82-Jährigen, dann schließen sie die Rentnerin im Keller ein. Die Täter werden gefasst; im Prozess berichtet die Frau, dass sie Todesängste ausgestanden habe.

Juli 2012 Zwei Männer überfallen eine 88-jährige Frau in ihrem Haus in Forstwald. Sie fesseln und knebeln sie, rauben das Haus aus und verschwinden, ohne sich weiter um ihr Opfer zu kümmern.

August 2012 Eine 72-jährige Frau wird gegen 15 Uhr in ihrer Wohnung an der Hülser Straße von zwei Männern überfallen. Sie öffnet die Wohnungstür, weil es geklingelt hat. Einer der Täter stößt die Frau brutal in ihre Wohnung zurück. Als sie laut um Hilfe ruft, fliehen die Täter. Die Rentnerin bleibt unverletzt.

März 2016 Eine 65-jährige Frau wird gegen zehn Uhr in ihrer Wohnung an der Blumentalstraße von zwei Männern überfallen. Die Täter klingeln und fragen nach einer freien Wohnung im Haus. Als die Frau antworten will, stoßen die Täter sie in die Wohnung, fesseln und knebeln sie. Die Täter durchwühlen das Schlafzimmer und flüchten mit Geld. Die 65-Jährige kommt mit leichten Verletzungen davon.

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