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Krefeld
Rheinlandtaler für Künstler Caco und Mundart-Dichter Wilbers

Krefeld. Zwei bekannten Krefeldern wird im kommenden Jahr der Rheinlandtaler verliehen: Eine Ehrung geht an Karl-Heinz Ramacher, besser bekannt als Caco, die andere an den Mundartsammler und Publizisten Hans Wilbers. Dies geht aus Unterlagen für den Kulturausschuss des Landschaftsverbandes Rheinland hervor, der unserer Redaktion vorliegt. Für beide ist die Ehrung wie ein Oscar für ihr Lebenswerk.

Man darf es so sagen, weil er selbst sehr offen damit umgeht: Für Caco wird es hohe Zeit, denn er kämpft mit einer Krebserkrankung um sein Leben. In Caco wird ein Künstler geehrt, der zuletzt immer wieder als unermüdlicher Trommler für die Pflanzung von Bäumen in Krefeld in Erscheinung getreten ist. Anlass war der Orkan "Kyrill" im Januar 2007, als allein in Krefeld über 12 000 Bäume entwurzelt worden waren. Caco startete damals die Aktion "3333 Bäume" für Krefeld. Für ihn ist das nicht nur ein ökologisches Projekt, sondern auch ein ästhetisch-künstlerisches in der Tradition von Joseph Beuys, der bekanntlich für die "documenta 7" im Jahr 1982 sein Landschaftskunstwerk "7000 Eichen" schuf. Die Kunst ist für Caco auch in einem existenziellen Sinne Lebenselixier: Er hat sich über seine schöpferische Energie aus der Drogenabhängigkeit herausgekämpft. Insofern schwang sein ganzes Sinnen und Trachten, Kämpfen und Denken berührend mit, als er einmal gesagt hat: "Bäume sind kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Sie stehen für Umweltschutz und Hoffnung." Hans Wilbers, Jahrgang 1933, ist unseren Lesern als "Köeb uut Oeding" bekannt, der in unserer Zeitung schon mehr als 500 Geschichten auf Uerdinger Platt erzählt hat. Wilbers ist nicht nur Glossenschreiber, er hat seinem Oedingsch Platt längst ein kleines Sprachdenkmal gesetzt. Denn er hat ja mit seinen Geschichten nicht nur zum Weiterleben dieser Mundart beigetragen; er hat 2000 Redensarten gesammelt, er hat ein Lexikon zusammengetragen, das mittlerweile 3000 Wörter umfasst, und mit all dem hat er für Sprachforscher eine Schatzkiste gefüllt. Ihr Wert wird sich dann ganz neu erweisen, wenn das Uerdinger Platt wie so manche Mundart von immer weniger Sprechern gesprochen wird. Denn leider gehört es zu den Phänomenen in der Sprachgeschichte, dass ein Dialekt in dem Maße verschriftlicht wird, in dem seine Verbreitung schwindet. So weit ist es aber in Uerdingen noch nicht. Es klingt wie ein Klischee, ist es aber nicht. Wilbers' Geschichten sind voller Humor; der Dialekt gibt seinen Anekdoten eine Wärme, wie es eben nur ein Dialekt vermag: eine Entwarnung, ein Wort gewordenes Augenzwinkern.

Vielleicht erschließt sich diese Lebenswärme sogar besonders dem, der Oedingsch nicht beherrscht: Unwillkürlich liest man Wilbers' "Vertällekes" laut, man rätselt über das eine oder andere Wort, man freut sich, wenn man den Sinn entschlüsselt und sich mit dem Wortsinn auch der Humor erschließt.

Eine schöne Mischung: Bäume, Kunst, Mundart, Hoffnung und Humor. So kann sich Krefeld auf zwei würdige Träger des Rheinlandtalers freuen.

(vo)
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