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Krefeld
Riesenverluste: SWK steigen aus der Beteiligung am Kraftwerk in Hamm aus

Krefeld. Als Fass ohne Boden drohte für die Stadtwerke Krefeld die Beteiligung am Steinkohlekraftwerk in Hamm zu werden. Zum Jahresende zog die zu 100 Prozent städtische Tochter die Notbremse und vollzog den Ausstieg aus dem defizitären Invest. Von Norbert Stirken

Als sichere Investition mit respektabler Rendite war die Beteiligung der Stadtwerke Krefeld am Steinkohlekraftwerk in Hamm gedacht. Nach Jahren des Hoffens und Bangens stehen nun unter dem Strich für die Krefelder und die 22 anderen am Projekt beteiligten Stadtwerke Millionenverluste. Über die Höhe machen die SWK Krefeld keine Angaben. Vorstand Carsten Liedtke sprach zuletzt von sieben Millionen Euro jährlich.

Der Konzern hatte dafür in weiser Voraussicht so genannte Drohverlustrückstellungen gebildet. Die Grünen sprachen in der Vergangenheit von jährlichen Verlusten in doppelter Höhe - 14 bis 16 Millionen Euro.

Schon vor vier Jahren sollte das gemeinsam mit den Rheinischen Westfälischen Elektrizitätswerken (RWE) unter dem Namen Gekko forcierte und finanzierte Projekt den Betrieb aufnehmen. Doch dazu kam es nicht. Die Geschichte des zweiten Kraftwerksblocks ist begleitet von Pleiten, Pech und Pannen. Es gab immer wieder neue Probleme beim Bau durch den französischen Konzern Alstom.

Nun stiegen die kommunalen Energieversorger aus dem Projekt mit den RWE aus. Nach Berichten des Nachrichtenmagazins Spiegel soll RWE den Stadtwerken für ihre Beteiligungen jeweils einen Euro geboten haben. Nach bislang unwidersprochenen Schätzungen haben allein die Stadtwerke Krefeld rund 30 Millionen für ihre 1,63-Prozent-Scheibe am Kraftwerk aufgebracht. Zu welchem Preis sie ihre Beteiligung nun abgegeben haben und sich ihren vertraglichen Pflichten, eine bestimmte Strommenge zu einem festgelegten Preis für einen Zeitraum von 20 Jahren abzunehmen, entledigen konnten, ist unklar. Die Partner haben zu den Details Stillsschweigen vereinbart. Klar ist jedoch, dass der angeschlagene Riese RWE nur das Notwendigste aufzubringen bereit gewesen sein dürfte.

"Wir können bestätigen, dass die Verhandlungen der Gekko-Partner (23 Stadtwerke und RWE) nunmehr abgeschlossen sind und ein Ergebnis vorliegt. Der Ausstieg der SWK Energie aus dem Kraftwerksprojekt ist damit zum 31. Dezember 2015 vollzogen. Die Belastungen aus dem Ausstieg entsprechen den in der Vergangenheit gebildeten Rückstellungen sowie dem für 2015 erwarteten Verlust. Im Ergebnis ist das bisher prognostizierte Jahresergebnis der SWK für 2015 dadurch nicht negativ beeinflusst. Zu den Details können wir - auch vor dem Hintergrund der vereinbarten Vertraulichkeit - keinerlei konkrete Aussagen machen", erklärte SWK-Sprecherin Dorothee Winkmann auf Anfrage unserer Redaktion.

Sämtliche Gremien (SWK-Aufsichtsrat, Rat der Stadt Krefeld, Bezirksregierung Düsseldorf) hätten dem Ausstieg bereits zugestimmt. "Der Ausstieg hat positive Auswirkung auf die Jahresergebnisse der SWK AG in der Zukunft gegenüber der bisherigen Planung", betonte die Konzernsprecherin.

Zum Hintergrund: Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte beim ersten Spatenstich für das Steinkohlekraftwerk von einer zukunftsweisenden Investition gesprochen. "Darauf haben wir uns verlassen", sagte Liedtke. Doch dann habe die Bundesregierung nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima eine energiepolitische Kehrtwende vollzogen und damit "billigend in Kauf genommen, dass die Betreiber fossiler Kraftwerke notleidend werden und womöglich in die Insolvenz gehen", erklärte Liedtke schon vor Monaten.

Die Angaben über die Kosten, die das unglückliche Engagement der Stadtwerke am Gekko-Kraftwerk in Hamm bei den SWK bis zum jetzigen Ausscheiden verursacht hat, sind nicht verlässlich. Den Grünen zufolge könnten sie enorm sein: für fünf Jahre jeweils 14 bis 16 Millionen Euro. "Die Zahlen sind für uns nicht nachvollziehbar", sagt die SWK-Sprecherin.

Die Verantwortlichen in Krefeld und anderswo handelten jetzt nach der Devise, besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Unter den veränderten Marktbedingungen nach der Energiewende mit gesunkenen Preisen an der Strombörse ließ sich unter den vertraglich eingegangenen Bedingungen über Abnahmemengen und Abnahmekonditionen offensichtlich kein Geschäft mehr machen. Die einst versprochenen Renditen von 6,5 Prozent gehörten spätesten seit dem Reaktorunfall in Fukushima und den daraus resultierenden energiepolitischen Konsequenzen ins Reich der Fabel.

Quelle: RP
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