| 00.00 Uhr

Krefeld
Riesiger Sanierungsstau in alten Rathäusern

Krefeld: Riesiger Sanierungsstau in alten Rathäusern
Der Bau des Hülser Rathaus begann im Jahr 1846. Das Gebäude ist 1107 Quadratmeter groß. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Die historischen Rathäuser in den Stadtteilen rufen bei zahlreichen Krefeldern nostalgische und sentimentale Gefühle und Gedanken hervor. Eine Diskussion über die Zukunft der Immobilien ist ohne Emotion kaum zu führen. Die Grünen legten der Bauverwaltung einen Fragenkatalog vor, um Beratung auf eine sachliche Ebene zu heben. Von Norbert Stirken

Die Besucherfrequenz in den Krefelder Bezirksverwaltungsstellen schwankt erheblich: von 2,5 bis fast 120 Kunden pro Tag. Ganz genaue Zahlen kann die Stadtverwaltung nicht liefern. Rückschlüsse auf die Intensität der Nutzung der Verwaltungseinheiten in den Stadtteilen können die Erhebungen über Melde-, Pass- und Ausweisangelegenheiten liefern, heißt es in den Unterlagen für die Sitzung des Bauausschusses, der heute ab 17 Uhr im Rathaus am Von-der-Leyen-Platz tagt. Darüber hinaus gehende Nutzung werde statistisch nicht erfasst.

Die Fraktion der Grünen hat einen Fragenkatalog aufgestellt, um sachliche Informationen zu diversen Fragestellungen im Zusammenhang mit den historischen Rathäusern zu erhalten. Im Mittel werden die so genannten Bezirksverwaltungsstellen von 15 bis 30 Kunden täglich besucht. Die meisten nutzen das Angebot im Seidenweberhaus. Fast 30.000 Kundenkontakte im Jahr machen einen Anteil von knapp 40 Prozent aus. Im Hinblick auf die Einwohnerzahl in Krefeld-Mitte beträgt die Besucherquote sogar nahezu 70 Prozent. Die Zahlen, so die Stadtverwaltung, seien mit denen beispielsweise aus Bockum, Fischeln oder Uerdingen nicht zu vergleichen. Wegen der zentralen Lage und des umfangreichen Angebots werde die Verwaltungsstelle überdurchschnittlich stark frequentiert.

Das Rathaus in Bockum stammt aus dem Jahr 1904 und ist 2276 Quadratmeter groß. FOTO: Thomas Lammertz

Andere Bezirksverwaltungsstellen hat die Stadt Krefeld inzwischen geschlossen. Der Vertrag für die gemieteten Räumlichkeiten in Forstwald lief zum 31. Dezember 2015 aus. Auch die kaum genutzte Außenstelle Linn an der Rheinbabenstraße ist geschlossen. Derzeit steht der Stadtbezirk Krefeld-West mit 36.547 Einwohnern ohne eigene Bezirksverwaltungsstelle da. Das soll wohl auch so bleiben. Es sei geplant, so die Stadt, für West und Nord im denkmalgeschützten Stadthaus am Konrad Adenauer-Platz eine gemeinsame Verwaltungsstelle für dann 55.162 Bewohner einzurichten. Wann der von Architekt Egon Eiermann geplante Komplex generalüberholt sein wird, steht allerdings noch in den Sternen. Die Sanierungskosten werden derzeit in einer Größenordnung von 50 Millionen Euro gesehen. Genaueres soll eine Untersuchung des Architekturbüros RKW (Rhode Kellermann Wawrosky GmbH & Co KG) liefern (wir berichteten exklusiv).

Die Stadt nutzt für ihre Bezirksverwaltungsstellen zum einen die sich in ihrem Eigentum befindenden - allesamt unter Denkmalschutz stehenden und nicht barrierefreien - alten Stadtteilrathäuser in Uerdingen, Hüls, Fischeln, Traar und Bockum und zum anderen gemietete Objekte in Oppum (Hochfelder Straße), Nord (Moritzplatz) und Süd (Fabrik Heeder). Für die so genannte bauliche Unterhaltung in den Rathäusern sind in den vergangenen vier Jahren 32.000 Euro in Hüls, 128.000 Euro in Fischeln, 128.000 Euro in Uerdingen, 176.000 Euro in Bockum und 18.400 Euro in Traar angefallen.

Besonders nachgefragt im Verhältnis zur Einwohnerzahl sind die Bezirksverwaltungsstellen in der Fabrik Heeder (40,6 Prozent), in Traar (40 Prozent), in Uerdingen (38,1 Prozent) und am Moritzplatz (33,9 Prozent). Schlusslicht ist Oppum-Linn mit 16,5 Prozent. Über die Bausubstanz der historischen Rathäuser informiert die Stadtverwaltung: In Traar fehle ein Aufzug. Die technischen Anlagen im 102 Jahre alten Gemäuer seien erneuerungsbedürftig. In Hüls gebe es Planung für einen Aufzug. Eine vorhandenen Rampe sei nicht in Gänze praktikabel. Auch dort müssten die technischen Anlagen sowie Dach, Fassade und Fenster erneuert werden. In Bockum sei eine Brandmeldeanlage seit 2012 vorhanden. Vom Hof aus könnte ein Aufzug angebaut werden. An der Außenhülle bestehe umfassender Sanierungsbedarf an Dach, Fassade und Fenstern. Die reguläre Nutzungsdauer der technischen Anlage sei abgelaufen. In Uerdingen sei das zweite Obergeschoss ungenutzt. Es gebe einen umfassenden Nachholbedarf hinsichtlich der Grundinstandhaltung. Wie andernorts auch sei die Haustechnik veraltet. Das gelte auch fürs Rathaus in Fischeln, das demnächst barrierefrei hergerichtet werden soll.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld: Riesiger Sanierungsstau in alten Rathäusern


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.