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Krefeld
Rollt ein Käfer in den Garten . . .

Krefeld. Das Gerhard-Tersteegen-Haus hat einen VW-Käfer als Gartenattraktion angeschafft - eine Anfahrt mit Hindernissen. Von Carola Puvogel

Er ist rot, riecht nach Öl und Sprit und Gummi - und ist ein richtiges "Männerding": Ein alter VW-Käfer ist die neue Attraktion im Garten des Gerhard-Tersteegen Seniorenheims an der Virchowstraße. Etwas erhöht auf einem Flachdach steht das Kult-Auto, weithin sichtbar zwischen den anderen Attraktionen des hübschen Innenhofs, an denen sich, wie Einrichtungsleiter Andreas Blinzler erzählt, aber vor allem weibliche Bewohner erfreuen. "Jetzt haben auch unsere Männer endlich eine echte Aufgabe", sagt Blinzler und lacht. Denn der Käfer soll keinesfalls ein Ausstellungsstück sein. Anfassen und reinsetzen sind ausdrücklich erlaubt. Und waschen und polieren auch. Materialen, mit denen der Käfer gepflegt werden kann, sind extra gekauft worden, eine Rampe sowie eine kleine Treppe zu dem erhöhten Standort sind im Bau.

Blinzler selber hatte die Idee, für das Seniorenheim einen Käfer anzuschaffen. "Es war immer mein Traum, einen Käfer im Seniorenheim zu haben", sagt er. "Die älteren Männer und Frauen hier erzählen oft und gern ihre Lebensgeschichten. Fast immer war ein Käfer das erste Auto und daran hängen unzählige Erinnerungen." Eine Fahrt nach Italien mit fünf Leuten im Käfer, ein Käfer, der im Winter nicht anspringen wollte und unter dem der Besitzer dann ein Feuer entzündete, um das Öl flüssiger zu machen, sind nur zwei der Anekdoten aus dem Tersteegen-Haus. "Jeder von unseren Männern hat so Geschichten, und der Käfer ist ein toller Anlass, sich an die gute alte Zeit zu erinnern."

Rund 20 Männer, Mitarbeiter und Bewohner, waren wochenlang damit beschäftigt, zu planen, wie der Käfer in den Garten kommen sollte. Das ganze Heim sei in Bewegung gewesen. "Gekauft habe ich den Wagen beim Käferfachhandel in Düsseldorf. Der Besitzer, selber 76 Jahre alt, hat mir einen guten Preis gemacht und angeboten, den Wagen umsonst hierher bringen zu lassen." Eine Spende hatte die Anschaffung möglich gemacht. Fast drohte der Traum dennoch zu platzen. "Denn alle Türen zum Innenhof waren zu schmal. Und eine Kranfirma hat mir abgesagt, weil die Häuser hier rundherum zu hoch und zu breit seien", erzählt Blinzler. "Es fehlten fünf Zentimeter. Unser Team hat viele verschiedene Lösungen durchgespielt, das Abbauen der Kotflügel, das Rausnehmen von Glasscheiben, und ich weiß nicht, was noch alles." Jeder habe unbedingt gewollt, dass der Käfer in den Hof kommt. Schließlich habe der Haustechniker vorgeschlagen, ein im Weg stehendes massives Stahltor abzuflexen. "Wir haben dann die Wände rechts und links mit Teppichen beklebt und den Käfer mit zehn Mann durchgeschoben. Das war Millimeterarbeit und hat mit Ach und Krach gepasst", sagt Blinzler und lacht.

Der Wagen sei ein gutes Medium für demente Bewohner. "Es geht darum, ihnen ihre Demenz so angenehm wie möglich zu machen", sagt der Einrichtungsleiter. "In Kontakt kommen, ihnen die Angst nehmen und was Vertrautes geben, dabei kann der Käfer helfen." Er ist davon überzeugt, dass selbst verwirrte alte Menschen den Käfer als Käfer erkennen werden und vielleicht sogar anfangen, alte Geschichten zu erzählen. "Und sie können hingehen und ihn waschen und polieren, weil sie glauben, dass Samstag ist, und sie das früher samstags auch immer gemacht haben."

Quelle: RP
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