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Krefeld
Rosa Thiele und Magdalena Seifert: Wohltäterinnen vor dem Vergessen

Krefeld. Der Rat der Stadt soll nach dem Vorschlag von Oberbürgermeister Frank Meyer die Stiftungsverwaltung beauftragen, die Nachlässe der beiden Wohltäterinnen Rosa Thiele und Magdalena Seifert aufzulösen. Von Norbert Stirken

Krefeld ist eine Stadt der Stiftungen. Große Parks und Grünanlagen verdanken die Bürger den damaligen Seidenbaronen, die großzügig Spenden und Nachlässe für Zwecke des Gemeinwohls abgaben. Die Sparkasse zum Beispiel hat ihre Stiftungen mit Millionensummen ausgestattet, um in der Kultur, im Sport, Sozialen und anderswo finanziell unterstützend tätig werden zu können. Immer ist der Name des Stifters mit dem wohltätigen Einsatz verbunden. Mit jeder Ausschüttung von Stiftungsmitteln wird der Wohltäter erneut vor dem Vergessen bewahrt. Bei manchem Spender mag das mit ein Grund gewesen sein, zum Teil beträchtliche Beträge und Werte der Stadt oder auch dem Krefelder Zoo zu hinterlassen.

Die anhaltende Niedrigzinsphase erschüttert das Modell in seiner Idee: Das Stiftungskapital bleibt unangetastet, die Zinserlöse werden zu vorgeschrieben Zwecken eingesetzt. Mittlerweile stehen Ertrag und Aufwand in keinem vernünftigen Verhältnis mehr. Die Kommune will deshalb die Nachlässe von Rosa Thiele und Magdalena Seifert auflösen. Die Politiker sollen über den Vorschlag in ihrer Sitzung am Dienstag, 29. November, im Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften sowie am Donnerstag, 8. Dezember, im Stadtrat entscheiden.

Die Verwaltung schlägt vor, dass der Rat der Stadt die Stiftungsverwaltung beauftragen soll, die erforderlichen Schritte einzuleiten, um die Gelder des Nachlasses Thiele mit einem Bestand in Höhe von rund 42.700 Euro und des Nachlasses Seifert mit einem Bestand von etwa 62.500 Euro vollständig für den jeweils bestimmten Zweck auszuzahlen und die Nachlässe damit aufzulösen. Zuletzt seien Zinserlöse in Höhe von nur noch 56 und 93 Euro erzielt worden. Nach Abzug des Aufwandes waren die Erträge mit minus 33 und minus 53 Euro negativ. Im Klartext. Die Stadt musste draufzahlen. Der Nachlass Thiele habe den festgeschriebenen Zweck der "Bereitstellung von verbilligtem Essen für Arme sowie die Blindenfürsorge". Der Stiftungszweck des Nachlasses Seifert sei die "Verwendung des Barvermögens zum Wohle alter Leute", berichtet die Stadt.

Erträge können bei beiden Nachlässen nur aus der Verzinsung des Barvermögens gezogen werden. Die zuletzt erwirtschafteten jährlichen Zinserträge stehen nach Auffassung der Verwaltung in keinem ökonomisch vertretbaren Verhältnis zu den damit verbundenen Verwaltungsaufwendungen. Hinweise dazu hat die Stadt bereits im Stiftungsbericht 2014 gegeben. Auch das Vorhaben der Verwaltung, die beiden Nachlässe aufzulösen, wurde bereits damals in Aussicht gestellt. Bei der Verwendung des Nachlasses Seifert sei vorgesehen, für das Projekt "Entwicklung altengerechter Quartiere in NRW" bis zum Jahr 2018 einen jährlich zu bestimmenden Teilbetrag als Zuschuss an den Fachbereich Soziales, Senioren und Wohnen in der Stadtverwaltung auszuschütten. Über die Verwendung der Gelder aus dem Nachlass Thiele in Höhe von gut 40.000 Euro macht die Verwaltung derzeit keine Angaben.

Rosa Thiele hat ihr Vermögen dem Gemeinwohl im Jahr 1979 vermacht. Magdalena Seifert folgte im Jahr 1988. Mit der Auflösung der zweckgebundenen Nachlässe dürften ihre Namen einer breiten Öffentlichkeit dem Vergessen preisgegeben werden.

Quelle: RP
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