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Krefeld
Rotar - der Mann, der die Mies-Möbel berühmt machte

Krefeld: Rotar - der Mann, der die Mies-Möbel berühmt machte
Der legendäre Krefelder Museums-Direktor Paul Wember. FOTO: Kunstmuseen
Krefeld. Paul Wember, der legendäre Direktor des Kaiser Wilhelm Museums und Förderer der Avantgarde, hat Künstler wie Yves Klein, Lucio Fontana, Jean Tinguely und Piero Manzoni früh gefördert. 1973 bot er Robert Rotar im Museum Haus Esters ein Forum. Rotar gilt bis heute eher als Geheimtipp. Er ist für Krefeld aus einem Grund interessant. Von Norbert Stirken

Der Künstler Robert Rotar - der Großmeister der Spirale - hieß im bürgerlichen Leben Holger Skiebe. Als solcher war der gebildete Mann seit dem Jahr 1953 Repräsentant der deutschen Dependance von Knoll International mit Sitz in Stuttgart. Firmengründer Hans Knoll entstammte einer bekannten Möbelfabrikantendynastie. Gleichsam als schwarzes Schaf der Familie trieb es ihn in die USA. Mit unglaublichem Geschick im Marketing und mit seiner Frau Florence an seiner Seite, die über ein untrüglisches Gespür für Design und Exklusivität verfügte, baute er ein Unternehmen von Weltruhm auf. Die Firma Knoll International steht für Bauhaus-Möbel und vertrieb die teuersten Stücke bekannter Bauhaus-Meister und -Schüler wie Ludwig Mies van der Rohe, Marcel Breuer, Eero Saarinen, Harry Bertoia und Charles Pollock.

Holger Skiebe kümmerte sich um die Expansion in Deutschland, stellte die Stücke der berühmten Urheber unter anderem in der Düsseldorfer Kunsthalle aus. Sein erster Großauftrag in dieser Zeit war die Ausstattung des Konzerns Klöckner-Humboldt-Deutz nahe dem Messegelände in Köln. Hauptauftraggeber waren zu 60 Prozent Regierungs- und Firmenaufträge. Verschwindend gering war der Anteil privater Käufer.

FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)

1957 übernahm er die erste Niederlassung von Knoll International in Düsseldorf. Dort nutzte er den Showroom auch für Kunstausstellungen. Der Grundgedanke von Knoll International schloss an die in den 1920er Jahren entstandene Bauhaus-Idee von modernem Wohnen an, für die Haus Lange und Haus Esters an der Wilhelmshofallee in Bockum exponierte Beispiele sind. Knoll verband die Idee mit den Erfordernissen industrieller Serienproduktion.

Skiebe entwarf auch eigene Modelle. Die Entwürfe und Konzeptionen reichte er in den USA ein. Nach Informationen der Witwe Dr. Ingrid Skiebe habe er von Florence Knoll dazu keine Stellungnahme erhalten. Im Jahr 1964 lernte Skiebe, der lange Zeit in Meerbusch-Strümp gelebt hat, in den Ausstellungsräumen von Knoll International an der 5th Avenue in New York Ludwig Mies van der Rohe kennen, der als Architekt neben Haus Lange und Haus Esters in Krefeld auch für mehrere Industriegebäude der Verseidag (Vereinigte Seidenwebereien AG) verantwortlich zeichnet. Bekanntlich hatte der ehemalige Bauhaus-Direktor für den Krefelder Golfclub auch ein entsprechendes Gebäude geplant, zu dessen Verwirklichung es aber nicht gekommen ist.

Skiebe beriet unter anderem die späteren Bundeskanzler Ludwig Erhard und Kurt-Georg Kiesinger bei der Einrichtung ihrer privaten Kanzler-Bungalows sowie den Maler Ernst Wilhelm Nay bei der Einrichtung seines Kölner Domizils. 1973 schied Skiebe auf eigenen Wunsch bei Knoll International aus. Im selben Jahr nahm die künstlerische Laufbahn Skiebes alias Robert Rotar Fahrt auf.

Der legendäre Krefelder Museumsdirektor und Freund der Avantgarde, Paul Wember, widmete ihm im Sommer eine umfassende Einzelausstellung im Museum Haus Esters. Rotar ist gleichsam ein Erfinder einer ganz eigenen künstlerischen Ausdrucksform. Rotars beherrschendes Motiv ist die Spirale in all ihren Varianten und Ausprägungen: in Edelstahl, auf Papier, auf Leinwand, frei von Hand gemalt, gezeichnet oder mit patentierter vollautomatischer Maschine erstellt. Die Spirale ist Rotars Sinnbild für das Unendliche, Uranfängliche und Urewige. Sie ist der Schlüssel zu seinem Werk, Denken und zu seiner Weltsicht. Der Fotograf, Erfinder, Philosoph, Maler und Performer hat im Laufe der Zeit diese Bildsprache entwickelt, die unter anderem in der Astronomie, Astrologie, Numerologie und Zahlenmystik fußt.

Quelle: RP
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