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Krefeld
Sakrale Schätze in St. Johann Baptist

Krefeld: Sakrale Schätze in St. Johann Baptist
Die Kirche am Johannesplatz wurde 1892-94 als Tochterkirche für die Gemeinde St. Stephan erbaut. Sie hat Platz für gut 3000 Menschen und ist damit die größte Kirche Krefelds. FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Bei einer Führung durch die Kirche am Johannesplatz schildert Kunsthistoriker Werner Schmidt ihre Historie. Von Christine van Delden

Die Zukunft von St. Johann Baptist am Johannesplatz ist ungewiss; noch werden Konzepte für den Erhalt der Kirche gesucht. Hinter ihren Mauern verbergen sich wahre Kleinodien: meisterliche Werke spätmittelalterlicher Sakralkunst - jedes Stück ein Grund für den Erhalt des Gotteshauses. Der Kunsthistoriker Werner Schmidt hat bei einer Führung auch die neogotische Architektur und die Entstehungsgeschichte der Kirche erläutert.

Sie wurde 1892 bis '94 als Tochterkirche für die Gemeinde St. Stephan errichtet, die in der Zeit um 1890 etwa 26.000 Gläubige zu betreuen hatte. Erbaut wurde St. Johann Baptist vor den Toren der Stadt auf freiem Feld - heute, angesichts der dichten Bebauung, kaum noch vorstellbar. Mit einer überbauten Fläche von 1790 Quadratmetern ist sie die größte Kirche der Stadt und bietet etwa 3000 Menschen Platz.

Als Pfarrer Caspar Thywissen 1894 sein Amt antrat, war die Kirche gewissermaßen noch "leer", lediglich versehen mit einem Notaltar, ausrangierten Bänken und Glocken aus St. Dionysius, die gerade neu ausgestattet worden war. Der aus einer vermögenden Familie stammende Pfarrer Thywissen setzte sich sogleich für die Innenausstattung der Kirche ein. Er erwarb aus seinen privaten Mitteln spätmittelalterliche Kunstwerke der Sammlung Münzenberg in Frankfurt am Main. Beraten wurde Thywissen von dem Theologen und Kunstsammler Alexander Schnüttgen. Werner Schmidt bescheinigt diesen Werken, dass sie allesamt "von ausgezeichneter Qualität" seien. Vier dieser Kunstwerke hob Schmidt auf seinem Rundgang hervor: Die Muttergottes mit Kind in der südlichen Turmkapelle, die Kunsthistorikern einige Rätsel aufgibt, lassen sich doch Merkmale von verschiedenen Epochen bei ihr entdecken. Dennoch lässt sich die Entstehungszeit auf etwa 1480-1500 datieren. Sie gehört zu den so genannten Vesperbildern, die zur meditativen Versenkung einluden, wie Schmidt erklärte. Als nächstes Kunstwerk zeigte Schmidt den als Hochaltar genutzten "Weltgerichts- oder Kreuzaltar", der sich in Teilen auf etwa 1500 datieren lässt. In einer Seitenkapelle neben dem Hochaltar findet sich der "Marienaltar". Er stammt vermutlich ebenfalls aus der Zeit um 1500. Aus Vergleichen mit anderen zeitgenössischen Arbeiten lässt sich kunsthistorisch rückschließen, dass er in Franken entstanden sein muss.

Besonders der dargestellte Marien-Tod in der Predella (Sockel des Altarbildes) des Marienaltars ist bemerkenswert, wie Schmidt unterstrich. Die letzte Station des Rundgangs war die große "Madonna" auf der Mondsichel an einem Chorpfeiler. Die Lindenholzfigur ist vermutlich um 1500 in einer Nürnberger Werkstatt entstanden.

Quelle: RP
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