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Serie Heimat
Schäng Blasius Flönz Rakete: Lieder auf Platt

Serie Heimat: Schäng Blasius Flönz Rakete: Lieder auf Platt
Schäng Blasius Flönz Rakete sind Vater Alfred Kappes (Akkordeon) und seine Söhne Christian (Schlagzeug), Michael (Horn, das wie eine Tuba aussieht), Winfried (Geige) und Pit (E-Bass) sowie Christoph Buysch (Gitarre). FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Sie singen und spielen traditionelle Krie-ewelsche Ledsches, aber auch alte Lieder und Instrumentalstücke vom Niederrhein. Vor acht Jahren haben sich der Vater, vier seiner fünf Söhne und ein Freund den ungewöhnlichen Namen geben. Von Jochen Lenzen

Nicht nur der Name - auch die Besetzung der Krefelder Mundart-Hobby-Kapelle Schäng Blasius Flönz Rakete ist äußerst ungewöhnlich. Hier musizieren und singen der 85-jährige Alfred Kappes mit vier seiner fünf Söhne, nämlich Winfried, Michael, Christian und Pit sowie mit dem befreundeten Gitarristen Christoph Buysch. Und allesamt sind Lehrer, bis auf einen, der als Bauingenieur bei der Stadt aber auch für Schulen, nämlich deren Instandhaltung, zuständig ist.

Traditionsbehaftet, wie Platt nun einmal ist - und jetzt kommen wir auch schon auf den Namen zu sprechen -, ist auch Schäng Blasius eine historische Person. "Das war ein weitläufiger Verwandter, der zu Kaisers Zeiten in einer Husaren-Schaukapelle in Krefeld und Düsseldorf muszierte", erklärt Geiger und Sänger Winfried Kappes. "Der Namen ist so schön, dass wir ihn unbedingt aufnehmen mussten - genauso wie das Wort Flönz für Blutwurst. Und die Rakete haben wir drangehängt, weil wir irgendwie einen Bezug zur Moderne haben wollten", ergänzt E-Bassist Pit Kappes.

Seine Brüder Michael und Winfried spielten früher in der Krefelder Band mit dem nicht weniger klangvollen Namen Einstürzende Heuschober. "Im Jahr 2000 hatten wir unter diesem Namen unseren ersten Auftritt beim Verein für Heimatkunde. Weil die Heuschober aber mit wilder Musik aus ganz Europa eigentlich ganz andere Sachen spielten, haben wir uns schließlich 2008 den Namen Schäng Blasius Flönz Rakete gegeben."

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Musiker schon um niederrheinische Lieder und Musikstücke gekümmert. "Als wir vor 16 Jahren zum berühmten Tanzhausfest nach Leipzig eingeladen wurden und die Veranstalter darauf bestanden, dass wir auch Stücke aus unserer Region zum Besten geben, haben wir begonnen, nach entsprechendem Liedgut zu forschen. Dabei war auch das Institut für europäische Musikethnologie in Köln hilfreich. Dort hatte der damalige Professor Ernst Klusen Notenhandschriften von niederrheinischen Wandermusikern gesammelt", erläutert Winfried Kappes. Inzwischen umfasst das Repertoire der sechs Musiker rund 80 Stücke - vorwiegend Krie-ewelsche Ledsches, aber auch andere alte Lieder und Instrumentalstücke vom Niederrhein. Eine Auswahl ist auf der CD mit dem Namen der Kapelle als Titel erschienen; eine zweite CD soll bis Ostern fertig sein.

"Schli Schla Schleckske" ist so ein Lied, das auf ein Gedichtchen des Krefelder Mundartdichters Josef Brocker über eine Nacktschnecke zurückgeht. So etwas singt die Gruppe beispielsweise auch vor jungen Zuhörern in der hiesigen Party-Location Schlachtgarten. Christoph Buysch: "Es ist erstaunlich, wie die mitgehen. Obwohl kaum jemand den Text versteht, singen sie alle den Refrain mit: Schli Schla Scleckske,/ häs joe jar kin Röckske,/ kröps joe pudelneck/ medden dur dän Dreck."

Rund 20 Aufritte - und das reicht ihnen auch - haben die Männer von Schäng Blasius Flönz Rakete im Jahr, vorwiegend bei Mundartveranstaltungen in Krefeld. Sie sind aber auch schon im Antistadl in Bamberg und Erlangen, beim Rudolstadt-Festival, dem größten deutschen Folk- und Weltmusikfest, und beim Uppmarks-Festival in Schweden aufgetreten.

Jeden Mittwochabend treffen sich die Hobby-Musiker im Haus von Christian Kappes am Sandberg in Oppum zur Probe, um die Stücke - zumeist Polkas, Rheinländer und Walzer - einzuüben. Jüngstes Stück ist übrigens das Liedchen "Als Adam hat gesündigt", dessen Text aus dem Jahr 1920 der Traarer Mundartdichter Theo Versteegen besorgt hat. "Die Musik ist vermutlich noch älter", sagt Winfried Kappes. - Nächste Gelegenheit, Schäng Blasius Flönz Rakete - auch mit diesem Lied - zu erleben, ist die Mundartveranstaltung "Ene Morje en Krie-ewel" am Sonntag, 23. Oktober, ab 11 Uhr in der Mediothek am Theaterplatz.

Kontakt: w.kappes@freenet.de oder Telefon 501729

Quelle: RP
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