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Krefeld
Schausteller-Demo gegen Tierrechtler

Schausteller demonstrieren für Gewerbefreiheit
Krefeld. Hunderte Schausteller aus ganz Deutschland waren am Samstag in Krefeld, um für Gewerbefreiheit zu demonstrieren. Aber auch, um sich solidarisch mit dem Betreiber des Ponykarussells zu zeigen, dessen Kirmesstand von Tierrechtlern blockiert wird. Von Sven Schalljo und Carola Puvogel

Schausteller aus ganz Deutschland haben am Samstag in Krefeld für die Sicherung der Gewerbefreiheit ihres Berufsstandes demonstriert. Dabei wurden am Nachmittag weite Teile des Verkehrs in der Krefelder Innenstadt lahmgelegt.

Grund für den Protestzug, an dem sich hunderte Schausteller mit rund 80 Lkw-Zugmaschinen beteiligten, ist, dass seit mehreren Jahren immer wieder Demonstrationen von Tierrechtlern auf dem Kirmesgelände auf dem Sprödentalplatz zugelassen werden - und zwar unmittelbar vor dem Ponykarussell. Nicht nur dieses Wochenende wurde demonstriert, sondern auch am kommenden Samstag und Sonntag wollen die Tierrechtler von 15 bis 18 Uhr vor Ort sein. "Das ist keine Demonstration, sondern eine Blockade", sagte Albert Ritter, Vorsitzender des Deutschen Schaustellerbundes. Für den betroffenen Schausteller sei das ein Todesurteil, da seine Kunden abgeschreckt würden.

Schausteller protestieren in Krefeld FOTO: Carola Puvogel

Um 14 Uhr startete der Demonstrationszug auf der Girmesgath und bewegte sich dann langsam Richtung Sprödentalplatz. Vorweg ging eine Musikkapelle und dahinter hunderte Schausteller, die Fahnen und Transparente trugen, gefolgt von rund 80 Lkw-Zugmaschinen und anderen Fahrzeugen. Albert Ritter fuhr auf einem offenen Wagen und verlas immer wieder das Statement der Schausteller. "Demonstration ja, Blockade des Kirmesplatzes nein", rief er. Er forderte eine Bannmeile für das Kirmesgelände. "Ein Kirmesplatz ist kein Reichsparteitagsgelände, auf der Kirmes soll gefeiert und gelacht werden." Er forderte Oberbürgermeister Frank Meyer auf, von seinem Hausrecht gebrauch zu machen und politische Propaganda auf der Sprödentalkirmes zu unterbinden. Die Anti-Ponykarussell-Demonstranten könnten, so der Standpunkt der Schausteller, auch am Eingang der Kirmes ihren Standpunkt deutlich machen. Damit würde das Recht der Demonstrationsfreiheit gewahrt werden, ohne dabei die wirtschaftliche Existenz des Betreibers zu bedrohen.

Zur gleichen Zeit hatten sich auf dem Sprödentalplatz rund 40 Tierrechtler eingefunden. Mit einem ihrer großen Transparente verdeckten sie etwa die Hälfte des Ponykarussells. "Schluss mit dem Profit auf Kosten der Tiere", riefen sie durch Megafone. Davon anscheinend unbeeindruckt lief der Betrieb dahinter weiter - wobei nicht ganz klar war, ob die reitenden Kinder zahlende Gäste waren oder ob der Ponybetrieb dafür gesorgt hatte, dass immer Reiter auf den Ponys saßen. An der Kasse war jedenfalls wenig bis kein Betrieb. Auch gegenüber hatte sich eine Gruppe von Tierrechtlern platziert. Dazu sicherten rund 60 Polizeibeamte das Gelände ab.

Demonstrationszug für Gewerbefreiheit der Schausteller: Aus ganz Deutschland waren Teilnehmer angereist. Sie zogen vom Sammelplatz Girmesgath durch die Stadt Richtung Sprödentalkirmes. Dort fand die Abschlusskundgebung statt. FOTO: samla.de

Dem Ponykarussell-Betreiber Stefan Kaiser geht die ganze Atmosphäre sichtlich an die Nieren. "Wir erfüllen alle Auflagen des Tierschutzes. An jedem Standort nehmen Veterinäre unsere Haltung und die Tiere ab. Mein Geschäft ist nicht, Tiere zu quälen, sondern Kinderaugen leuchten zu lassen," sagte Kaiser. Er versteht nicht, warum sich die Demonstranten ausgerechnet sein Geschäft ausgesucht haben und sieht sich im Einklang mit Recht und Gesetz.

"Es geht nicht um den Stand Kaiser selbst", sagte Tierrechts-Demo Organisatorin Adrienne Kneis. "Er mag alle Auflagen erfüllen, aber wir denken, dass die Haltung von Tieren zum Vergnügen grundsätzlich falsch ist. Tiere dürfen nicht für uns leiden.".

Mit ihrem Transparent hatten die Tierrechtler sich vor dem Ponykarussell platziert. Die Polizei beobachtete die Situation mit vielen Beamten. FOTO: Samla

Spannend der Moment, als gegen 15.30 Uhr beide Demonstrationen aufeinandertrafen. Doch es blieb friedlich, alle hielten sich an die Regeln. Die Schausteller hielten vor dem Gelände ihre Kundgebung ab, unterdessen bewegte sich die nicht enden wollende Kolonne von Lkw-Zugmaschinen am Sprödentalplatz vorbei. Die Demonstration der Solidarität für ihren Kollegen Stefan Kaiser hatte Wucht. Doch am kommenden Wochenende ist Kaiser wieder allein mit der nächsten Demonstration vor seinem Betrieb.

Ein Video zum Thema Schausteller-Demo gibt es online unter www.rp-online.de/krefeld.

Quelle: RP
 
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