| 00.00 Uhr

Krefeld
Schlaganfall - eine Patientin berichtet

Krefeld: Schlaganfall - eine Patientin berichtet
Waltraut und Karl Krieger genießen ihren Garten wieder: Die schlimme Zeit der Krankheit hat die 73-Jährige überstanden - auch weil ihr Mann schnell und richtig reagierte und sofort den Notarzt rief. FOTO: HK
Krefeld. 73-Jährige überstand Schlaganfall ohne Folgeschäden - dank schneller Behandlung. Eine Geschichte, die Mut macht.

Rasche und gezielte Behandlung ist entscheidend beim Schlaganfall. Waltraut Krieger (73) überstand ihren schweren Schlaganfall dank früher Thrombektomie ohne Folgeschäden. Ein Hauptstammgefäß war durch ein großes Blutgerinnsel verstopft, das nicht nur medikamentös, sondern per Katheter entfernt werden musste. Dadurch konnte der Blutfluss Richtung Gehirn schnell wieder hergestellt werden.

Die Krefelderin erinnert sich: Es war ein schöner Sommermorgen. Mit ihrem Ehemann Karl Krieger hatte sie sich zum Kaffeetrinken auf die Terrasse gesetzt. Doch an diesem Morgen war Waltraut Krieger nicht sie selbst. Als ihr Ehemann sah, wie ihr Kaffee aus dem völlig verzogenen Mund lief und sie nicht mehr ansprechbar war, hatte er einen schlimmen Verdacht, der sich später bestätigte: Seine Frau hatte einen schweren Schlaganfall. Nur weil er sofort reagierte und Waltraut Krieger direkt richtig behandelt werden konnte, ist sie heute wieder komplett die Alte.

"Ich hatte Panik", sagt Karl Krieger (75) heute. "Ich bin sofort nach drinnen gelaufen, um den Notruf zu wählen. Meine Frau kippte immer wieder fast aus dem Stuhl." Nach einer Pause fügt er hinzu: "Zuerst dachte ich das Schlimmste, doch dann habe ich gesehen, dass sie noch atmete." Am Telefon bekam Karl Krieger die Garantie: "In fünf Minuten sind wir da." Das Versprechen wurde eingehalten, doch: "Wissen Sie, wie lang fünf Minuten sein können?"

Waltraut Krieger hat keine Erinnerung an den Morgen: "Ich habe nichts von allem mitbekommen." Notarzt Dr. Oliver Dannemann bestätigte die Diagnose vor Ort: "Die Lage war ernst. Frau Krieger war halbseitig gelähmt und ihr Bewusstsein getrübt. Diese Symptome weisen auf einen schweren Schlaganfall hin." Der Arzt stabilisierte den Kreislauf, und auf schnellstem Weg ging es mit dem Rettungswagen ins Klinikum. Im Notfallzentrum wurde die 73-Jährige von der bereits informierten Neurologin direkt in Empfang genommen. Innerhalb weniger Minuten waren die erforderlichen Untersuchungen abgeschlossen. Mittels Computertomographie stellten die Ärzte einen "Ischämischen Schlaganfall" fest - die häufigste Form des Schlaganfalls und Folge einer plötzlich auftretenden Minderdurchblutung des Gehirns. "Wir haben sofort mit der Thrombolyse begonnen", erklärt Professor Dr. Thomas Haarmeier, Chefarzt der Neurologie im Helios Klinikum. "Dabei wird ein Medikament über die Vene verabreicht, das das Blutgerinnsel im Gehirn auflöst. Allerdings war bei Frau Krieger schnell klar, dass die Methode nur als Überbrückung bis zur Katheterbehandlung dienen konnte. Das Gerinnsel war zu groß, um es allein mit Medikamenten lösen zu können."

Gerade für Patienten, bei denen das Blutgerinnsel ein großes Hirngefäß verschließt, kann im Anschluss an die medikamentöse Behandlung eine sogenannte Thrombektomie überlebenswichtig werden. Hier wird mit einem Katheter das Blutgerinnsel (Thrombus) aus dem verstopften Gefäß herausgezogen. Für diese Therapie ist eine Neuroradiologie erforderlich. "Unter Bildgebung schieben wir über die Leistenarterie einen feinen Katheter bis in das Hirngefäß vor", erläutert Dr. Peter Schott, der den Eingriff bei Waltraut Krieger erfolgreich durchführte. "An der Stelle, wo der Thrombus liegt, entfalten wir einen Stent, ein feines Gitterröhrchen, in dem sich das Blutgerinnsel verfängt. Dann wird der Katheter zurückgezogen und der Thrombus so entfernt."

Schon kurze Zeit später durfte Karl Krieger seine Frau besuchen. "Bei den ersten Übungen konnte sie schon wieder beide Beine und Arme bewegen, sprechen und essen." Rundum erleichtert war er, als sie schon am nächsten Tag über den Flur der Schlaganfallstation (Stroke Unit) lief - wenn auch erst einmal noch unterstützt von einer Pflegekraft. "Davor, dass sie gelähmt bleibt, wie das oft der Fall ist, hatte ich große Angst." Seine Frau sagt dagegen: "Darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht, vielleicht weil ich mich nach dem Eingriff fast normal bewegen konnte." Bereits nach sechs Tagen konnte sie das Krankenhaus wieder verlassen.

"Die Ursache für den Schlaganfall waren letztlich Herzrhythmusstörungen, sogenanntes Vorhofflimmern", erklärt Haarmeier. "Das Blutgerinnsel ist sozusagen vom Herz ins Gehirn gewandert." Das ist eine häufige Ursache für einen Schlaganfall. Bei der akuten Behandlung zählt jede Minute. "Je schwerer ein Schlaganfall, desto größer die Anforderungen an Infrastruktur, Technik und ärztliche Erfahrung", so Haarmeier. "Der entscheidende Punkt bei Frau Krieger war, dass sie so schnell bei uns war und wir damit frühzeitig die Katheterbehandlung einleiten konnten."

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld: Schlaganfall - eine Patientin berichtet


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.