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Krefeld
Schmieden mit 100-jährigem Hammer

Krefeld: Schmieden mit 100-jährigem Hammer
Katja Kleutges mit einer von ihr aus Eisen und Beton künstlerisch gestalteten Elefantenfigur. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. In der Kunstschmiede Haase an der Hafendrehbrücke schlägt die historische Maschine das "warme" Eisen mit einem ihrem 100 Kilo schweren Hammer 200 Mal pro Minute. Angefertigt werden vorwiegend Fenstergitter, Zäune und Geländer. Von Jochen Lenzen

Solange es heiß ist, soll man das Eisen schmieden, sagt das Sprichwort. Doch Meister Michael Haase, der mit Katja Kleutges jetzt im 26. Jahr die Kunstschmiede an der Hafenstraße in Linn führt, klärt auf: "Wir schmieden warm. Eisen ist für den Schmied so lange warm, bis es weiß glüht. Erst dann ist es heiß." Soviel zu den Unterschieden zwischen der Volks- und der Fachsprache.

Enormer Lärm empfängt den Besucher in der ehemaligen Dampfmaschinenhalle der 1895 errichteten Duisburger Mühlenwerke gleich neben der Linner Hafendrehbrücke. Den verursacht der Elektro-Antrieb des nunmehr hundertjährigen Schmiedehammers der Firma Bêché & Grohs. 200 Mal pro Minute schlägt der 100 Kilo schwere Hammerkopf auf den unbearbeiteten Metallstab, um den Querschnitt nach den Vorstellungen des Meisters zu verändern. "Früher haben das Zuschläger mit zwölf Kilo schweren Vorschlaghämmern gemacht", erklärt der 56-jährige gebürtige Duisburger, der in Rumeln ausgewachsen ist und nach dem Abitur das Handwerk in Marienheide gelernt hat.

Meister Michael Haase an seinem 100 Jahre alten Schmiedehammer. Das Gerät tut die Arbeit, die früher Zuschläger mit zwölf Kilo schweren Vorschlaghämmern geleistet haben. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Nach Wanderjahren, die ihn bis nach England, Australien und Neuseeland geführt hatten, machte er sich 1990 nach einer Zusatzausbildung als Restaurator in Venedig mit der Werkstatt in Linn selbstständig. Dort helfen ihm Katja Kleutges (53), Autodidaktin im Kunstschmiedehandwerk, und deren Tochter Nine, die in dem Betrieb zur Gesellin ausgebildet wurde.

Angefertigt werden dort zum weit überwiegenden Teil kunstvolle Fenstergitter, Zäune und Geländer, gelegentlich auch mal ein Terrassendach. Abwechslung bringen die Restaurierungen von Toren, Giebelbekrönungen oder Grabmaleinfriedungen. Unlängst hat Haase ein mächtiges, das heißt sieben Meter langes, 3,50 Meter hohes und zwei Meter tiefes Terrassendach für ein Jugendstil-Haus an der Schönwasserstraße angefertigt, das übrigens im Juni bei Tag des offenen Denkmals zu bewundern sein wird. Am berühmten Gärtnerhaus an derselben Straße hat er mit seinen Helferinnen den 20 Meter langen Zaun geschmiedet und montiert.

Aufträge bekommt die Kunstschmiede Haase aber nicht nur aus Krefeld. Für einen Kunden in Kaarst hat die Firma einen zwei Meter hohen Notenschlüssel als Rosenrankhilfe und für die Kapelle im Lohhausener Park Lanz sogar einen 50 Meter langen Zaun angefertigt. Es geht aber auch kleiner - dafür aber zu weiter entfernter Kundschaft. Für die Privatvilla eines deutschen Unternehmers in Sidney hat Michael Haase ein Namensschild geschmiedet. "Der Kunde hat uns im Internet gefunden. Wir erhalten rund 80 Prozent unserer Aufträge über das Netz", sagt der Meister.

In der hinteren Ecke steht die Propangas-Esse, in deren glühender Steinkohle das Eisen "warm gemacht" wird. Gleich daneben ein altes Eichenholzfass mit Löschwasser, mit dem das Feuer im Zaum gehalten wird, damit es nicht unnötig viel Kohle verbrennt. "Das Fass stammt von Dujardin, in dem zuvor nobler Weinbrand gereift war. Wenn wir Wasser auf das Feuer gossen, hat der Dampf anfangs die ganze Werkstatt mit dem Geruch von Cognac erfüllt", erzählt Katja Kleutges, die sich auf künstlerische, mit Beton modellierte Metallarbeiten spezialisiert hat.

Wenn die zu bearbeitenden Eisenteile "warm" sind und der historische Schmiedehammer seine Arbeit getan hat, werden sie auf dem Amboss geformt. Anschließend werden sie auf dem großen Arbeitstisch durch Schweißen, Nieten oder Bunden - dabei zieht man eine "warme" Klammer um die zu verbindenden Stücke - zusammengesetzt. Danach werden sie verzinkt - es sei denn, sie sollen aus künstlerischen Grünen rosten -, dann lackiert und schließlich beim Kunden zusammengesetzt.

Quelle: RP
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