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Krefeld
Schneider der Beatles kommt nach Linn

Krefeld. Gordon Millings war für das optische Erscheinungsbild der Fab Four verantwortlich. In den 1960er Jahren trugen John, Paul, George und Ringo Maßanzüge von Millings. Im Mai kommt der Schneider ans Textilmuseum. Es ist ein Highlight im Ausstellungsjahr 2018. Von Petra Diederichs

Die Geschichte beginnt 1962 im Londoner Künstlerviertel Soho. Gordon Millings ist 17 Jahre alt und gerade in die kleine Schneiderwerkstatt seines Vaters Dougie eingetreten. Eines Tages taucht ein Mann namens Brian Epstein im Geschäft auf. Er managt eine junge Band, für die nicht einfach Anzüge sucht, sondern ein Image. Das Outfit soll zu den Pilzkopffrisuren passen. Showerfahrung hat Millings bereits, Cliff Richard gehört zu seinen Kunden. Der Auftrag ist für ihn nicht schwierig. So entstanden die Anzüge ohne Kragen und mit extrem schmalen Hosen, in denen die Beatles bei ihren Auftritten die Mädchen massenweise in Kreisch-Ekstase trieben.

Bis die Beatles sich nicht nur musikalisch, sondern auch kleidungstechnisch von Indien und der Hippiekultur inspirieren ließen, entstanden mehr als 700 Anzüge für John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr im Hause Millings. Was es bedeutet, auch Mode-Musikgeschichte zu schreiben, wie Kostüme und Musik einander ergänzen, wird Gordon Millings am 10. Mai, ab 19 Uhr in der Museumsscheune in Linn erzählen. Es ist der öffentliche Festvortrag anlässlich der internen Fachtagung des Netzwerks Mode und Textil, das sich vor zehn Jahren in Krefeld gegründet hat. Millings wird auch auch einige Kostüme der Beatles mitbringen, hofft Annette Schieck, Leiterin des gastgebenden Deutschen Textilmuseums.

Der Abend ist ein Highlight im Museumsprogramm, das Schieck jetzt vorgestellt hat. Noch bis Mitte Mai läuft die Ausstellung "Deutsche Couture - Kleiderwunder der 50er bis 70er Jahre", sie ist schon jetzt ein Publikumserfolg. Von der Eröffnung im vergangenen November bis zum Stichtag 31. Dezember haben 3768 Besucher die Schau gesehen. Die vorangegangene Stickbilder-Ausstellung besuchten 9300 Menschen, insgesamt zählte das Textilmuseum 16.000 Besucher im Jahr 2017, rund 1000 weniger als im Vorjahr. Zur Couture-Ausstellung wird Ende Januar ein etwa 60-seitiges Begleitheft im Stil eines Modejournals erscheinen.

Am 24. Juni präsentiert das Haus am Andreasmarkt ein Experiment. Hinter dem Arbeitstitel "Reflexionen - Kunsthandwerk trifft DTM" verbirgt sich eine Kooperation mit dem AdK (Arbeitskreis des Kunsthandwerks). 24 Kunsthandwerker, Goldschmiede und Bildhauer haben sich aus der 30.000 Objekte umfassenden Sammlung von einem ganz bestimmten Teil inspirieren lassen zu einer eigenen Arbeit. "Zu unserer Überraschung haben sich die meisten für die besonders verblichenen und strapazierten Stücke interessiert", erzählt Schieck. Sie ist gespannt auf die Arbeiten, die mit textilen Strukturen spielen. So wird es die Anmutung eines fließenden Stoffes in Marmor geben, einen Vorhang aus Glas und eine "schwebende Mauer". Die historischen Stücke werden den neuen jeweils gegenübergestellt. "Es wird ein Querschnitt durch die Sammlung geben, die die Vielfalt des Hauses auch spiegelt", findet Schieck.

Ab 4. November wird die Sammlung Prött im Mittelpunkt stehen. Wie berichtet waren 1943 rund 500 Textilien - vorwiegend Trachten - aus Europa, Asien und Vom Balkan eines Sammlers namens Paul Prött in die Gewebesammlung gekommen. Sie war Forschungsgegenstand der Fachtagung über "Textile Erwerbungen und Sammlungsstrategien europäischer Museen in der NS-Zeit". Es war das erste Forschungsprojekt, das mit Hilfe der auf fünf Jahre angelegten Förderung der Kulturstiftung der Sparkasse angegangen wurde. Die Ergebnisse werden in die Ausstellung fließen, und Projetleiterin Uta Christiane Bergemann wird dazu ihre neuesten Forschungsergebnisse präsentieren.

Quelle: RP
 
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