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Krefeld
Schönhausen-Chor mit Chilcotts Requiem

Krefeld. Britisches zum Totensonntag - das bot der Schönhausen-Chor am Vorabend in der Liebfrauenkirche. "Bring Us, O Lord God", eine Motette von William Henry Harris (1883 - 1973), erklang zum Auftakt und erfüllte das physisch dunkle Kirchenschiff mit jenem gleichmäßig freundlichen Licht, um welches in dem Lied gebetet wird. Etwas kühler in der Stimmung fiel "In Paradisum" aus, ein Begleitgesang auf dem Weg zum Grab aus der katholischen Liturgie. Die Musik stammt aus der Feder des Zeitgenossen Ben Ponniah. Mit dem dritten Gesang war man dann bei Ben Chilcott, Jahrgang 1955, der mit seinem Requiem im Mittelpunkt des Programms stand. Zuvor gab es seine Vertonung der bekannten Johannes-Stelle 3.16 "God so loved the world", zu Deutsch: "Denn also hat Gott die Welt geliebt", die programmatisch für sein Requiem verstanden werden kann. Denn mit dieser Kernformulierung des christlichen Glaubens stellt sich Chilcott bewusst in die Nachfolge Faurés, der seinerseits der Hoffnung auf Erlösung mehr Gewicht geben wollte, als in der mittelalterlichen Furcht vor ewiger Verdammnis von ihr geblieben war. Und so nahmen beide vom bedrohlichen "Dies irae" nur den versöhnlichen Schluss "Pie Jesu" in ihre Kompositionen auf, wie im Programmblatt zum Konzert hilfreich erläutert wurde. Und zum Vortrag des Johannes-Verses nahm der Schönhausen-Chor in den langen Seitengängen der Kirche Aufstellung, so dass die frohen Zeilen die Hörer in sanften Klangwellen umspielten.

Nach einer Komposition von Samuel Scheidt (1587 - 1654) für Orgel solo, ansprechend dynamisch interpretiert von Hans-Jakob Gerlings, folgte dann das Hauptwerk des Abends. Beinah überflüssig zu sagen, dass der Schönhausen-Chor, instrumental begleitet von der Schönhausen-Sinfonietta plus sparsam eingesetzter Orgel, unter der bewährten Leitung von Joachim Neugart auch aus diesem Werk wieder ein besonderes Erlebnis machte.

In der Melodik nicht experimentell, aber durchaus modern angelegt, gelegentlich sogar ein wenig an den Musical-Komponisten Andrew Lloyd-Webber erinnernd, bot es eine breite Palette von Emotionen, und der Chor gestaltete sie von melancholischer Düsternis bis zu erstaunlicher Fröhlichkeit, vom schweren Tritt bis zur temperamentvollen Aufwallung. Und auch die Solisten Katarzyna Wilk (Sopran) und Cezar Dima (Tenor) überzeugten in ihren Parts. Das Publikum dankte mit stürmischem Beifall.

(mojo)
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