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Krefeld
Schüler ekeln sich - und putzen Schule selbst

Krefeld: Schüler ekeln sich - und putzen Schule selbst
Sie wollen die Fußböden ihrer Schule schrubben: Sara Schrievers (links) und die anderen Schüler des Vera-Beckers Berufskollegs. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Schüler eines Krefelder Berufskollegs wollen nicht länger zusehen, wie ihre Schule verdreckt. Sie planen eine große Putzaktion und wollen 17.000 Quadratmeter selbst schrubben.  Von Carola Puvogel

Es ist ein Brandbrief, der aufhorchen lässt: Schüler des Vera Beckers Berufskollegs in Krefeld sind so empört über die mangelnde Ausstattung der Putzkräfte ihrer Schule und die damit verbundene untragbare Verschmutzung des Gebäudes, dass sie jetzt in einer schulweiten Aktion selber die Fußböden schrubben wollen.

"Der Dreck sitzt fest und es ist einfach ziemlich widerlich", schreiben die Schüler. Und: "Viele Mitschüler werden als Erzieher und für Gesundheitsberufe im Fach Hygiene ausgebildet: dies in einer Schule, die selbst immer mehr verdreckt." Sara Schrievers, Schülersprecherin, hat den Brandbrief unterschrieben, gerichtet an die Chefetagen der Krefelder Verwaltung: Gregor Micus, Leiter des Fachbereichs Schule, und Martin Linne, Leiter des Fachbereichs Zentrales Gebäudemanagement.

Früher waren die Böden mal blau

Darin fordern die Schüler nicht etwa eine bessere Reinigung ihrer Schule. Wohl aber zählen sie die Missstände auf - und fragen schließlich, ob sie ihre Reinigungsaktion mit handelsüblichen Putzmitteln durchführen dürfen. "Nicht dass es nachher heißt, wir hätten Schäden angerichtet", sagt Schrievers. Die Schülervertretung habe auch die Idee gehabt, Schüler zu Putzmittel-Sachspenden aufzurufen. "Aber dass dann jeder mit einer Flasche Meister Proper angelaufen kommt, erschien uns auch nicht sinnvoll." Jetzt also Böden schrubben. Denn ja, die seien tatsächlich mal leuchtend blau gewesen.

Kurz vor den Sommerferien möchten die rund 3000 Schüler aus 125 Klassen sich nun die geschätzt 17.000 Quadratmeter Bodenflächen vornehmen und versuchen, die Grundreinigung durchzuführen, die eigentlich von der Firma geleistet werden müsste, die die Ausschreibung in Sachen Reinigungsleistungen gewonnen hat.

FOTO: Sca

"Begonnen haben die Probleme mit dem Beginn des Schuljahres 2015/16", berichtet Schulleiterin Hedwig Schomacher, die ihre Schüler voll unterstützt und selber schon in zahlreichen Schreiben an die Verwaltung die Mängel geschildert hat. "Eine neue Firma hat unser bewährtes Team von Reinigungskräften übernommen - und plötzlich war alles anders: Die Frauen haben seither keine vernünftigen Materialien mehr, die man braucht, um eine Schule dieser Größe sauberzumachen, nicht mal Handschuhe oder Müllbeutel."

Müllbeutel wurden mehrfach verwendet

Die kaufe inzwischen der Förderverein, und zwar um die seit langem an der Schule tätigen Reinigungskräfte zu schützen, weil diese sich, heißt es in einem Brief des Fördervereins an die Schulgemeinschaft, Handschuhe und andere Materialien aus Angst vor Entlassungen nun selbst besorgten.

Ebenso seien Müllbeutel aus Mangel an Nachschub ausgeleert und wiederverwendet worden. Wo zuvor mit Maschinen die langen Flure gereinigt wurden, muss es heute Muskelkraft und ein Wischmopp tun, berichtet Schomacher. "Und gleichzeitig sind die Stunden gekürzt worden. Heißt: weniger Zeit und weniger, oder genauer gesagt, gar keine technischen Hilfsmittel mehr. Was dabei rauskommt, kann man sich leicht ausrechnen." Von den versprochenen "modernsten Geräten" keine Spur. Schomacher bestätigt ihren Schülern, generell verantwortungsvoll und pfleglich mit dem Gebäude umzugehen. Es sei definitiv nicht Eigenverschulden der Schülerschaft, sondern ganz klar ein Problem, dass erst nach der Neuausschreibung der Reinigungsleistung aufgetreten sei.

Mit einem Anflug von Galgenhumor berichtet, sie, wie der Hausmeister sie vor einiger Zeit darüber unterrichtete, dass es in den Osterferien nun doch eine "Grundreinigung" geben solle: "Das waren dann am Ende sage und schreibe immerhin 800 von unseren insgesamt 17.000 Quadratmetern." Das sind nicht mal fünf Prozent.

Zu dem jüngst verabschiedeten Beschluss, dass die Stadt mehr Geld für die Schulreinigung zu Verfügung stellen will, hat Schomacher eine klare Meinung: "Man sollte nicht denen mehr Geld geben, die eine schlechte Qualität abliefern!"

Quelle: RP
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