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Krefeld
Schüler mailen mit Nobelpreisträgerin

Krefeld: Schüler mailen mit Nobelpreisträgerin
Große Malala-Fans: Die Zehntklässler der Prinz-Ferdinand-Hauptschule mit ihrer Lehrerin Angelika Brünsing hoffen, die Nobelpreisträgerin bei ihrer Abschlussfahrt im Mai treffen zu können. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Zehntklässler der Prinz-Ferdinand-Hauptschule hoffen auf ein Treffen mit der gleichaltrigen Malala Yousafzai. Von Bärbel Kleinelsen

Sie bezeichnen sich als Leseratten und schrecken auch nicht vor schwerem Lesestoff zurück: Zehntklässler der Prinz-Ferdinand-Hauptschule. "Wir lesen gerne", sagt die 16-jährige Klaudia. Es klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht, wie Lehrerin Angelika Brünsing aus eigener Erfahrung weiß. Die Konrektorin ist stolz auf ihre Schüler, die sie in praktischer Philosophie unterrichtet. "Nach der Lektüre des letzten Buches haben wir sogar Kontakt zu der Protagonistin Malala aufgenommen und um ein Treffen gebeten. Wir hoffen, dass es klappt."

Zwei Bücher hat sie im laufenden Schuljahr mit den Jugendlichen gelesen. In beiden setzen sich starke Mädchen für ihre Rechte ein. In "Wüstenblume" geht es um das Thema Beschneidung bei Mädchen und das Recht auf körperliche Unversehrtheit. In "Ich bin Malala" beschreibt die 17-jährige Nobelpreisträgerin Malala Yousafzai, wie sie in Pakistan gegen alle Widerstände auf ihr Recht auf Schulbildung pocht. Es ist ein harter Kampf, der bis heute andauert. 2012 schießen Taliban-Kämpfer Malala auf dem Rückweg von der Schule in den Kopf und verletzen sie schwer. Seitdem lebt die 17-Jährige mit ihrer Familie in Birmingham - und kämpft weiter.

"Unsere Abschlussfahrt im Mai geht nach London. Da wir alle stark beeindruckt von Malalas Geschichte und dem Mut des Mädchens sind, haben wir sie per Mail um ein Treffen gebeten. Und ihr Management hat auch geantwortet", berichtet Angelika Brünsing.

Ihre Anfrage haben die Schüler auf Englisch verfasst. Zuvor hatte jeder von ihnen einen Brief auf Deutsch geschrieben. Es ging darum, Argumente zu sammeln, warum sich die Nobelpreisträgerin mit den Jugendlichen treffen sollte. Ein Grund gefiel Malalas Management so gut, dass es ihn zusammen mit einem Bild der Krefelder Schüler auf Facebook postete. "Alle Kinder sollten die Möglichkeit haben, zur Schule zu gehen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Reichtum", hatten die Zehntklässler geschrieben. Malalas Kommentar:: "Sie treffen den Nagel auf den Kopf!"

"Ich finde es beeindruckend, dass Malala immer weitergekämpft hat, obwohl sie sogar angeschossen wurde", sagt Aische, 16 Jahre alt. Özlem (16) konnte sich vor der Buch-Lektüre gar nicht vorstellen, dass Mädchen in anderen Teilen der Welt darum kämpfen müssen, zur Schule gehen zu dürfen. Schließlich empfinden viele deutsche Schüler das Pauken es eher als Last. "Wir nicht. Wir gehen gerne zur Schule. Wir wissen ja jetzt auch, wie wichtig das ist", versichern die Schüler im Brustton der Überzeugung. Lehrerin Brünsing schmunzelt.

Das Engagement ihrer Schützlinge imponiert ihr. Auch die Mitarbeit der Jungs, die ansonsten nicht immer begeistert reagieren, wenn es um "Frauenthemen" geht. In diesem Fall sind sie schwer beeindruckt und neugierig auf die junge Frau, die so viel Courage hat. "Ich würde Malala gerne fragen, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt. Sie möchte ja gerne Staatspräsidentin in Pakistan werden. Doch die erste Präsidentin wurde erschossen. Hat sie keine Angst, dass wieder auf sie geschossen wird?", fragt der 16-jährige Osman. Yassin (16) hat sich fest vorgenommen, ebenfalls für seine Überzeugungen einzustehen, falls das mal notwendig sein sollte. "Bis jetzt musste ich aber noch nie um etwas kämpfen."

Wie unterschiedlich Jugendliche in verschiedenen Ländern und Kulturen aufwachsen, erstaunte die Schüler, die es jetzt erst recht zu schätzen wissen, in einem Land wie Deutschland groß zu werden. "Wir wussten ja nicht, dass es nicht selbstverständlich ist. Mir ist das erst durch das Buch klargeworden", sagt Catella.

Die 17-Jährige hat im Namen der Klasse mit dem Management der Nobelpreisträgerin Mails ausgetauscht. Nun hofft sie mit ihren Klassenkameraden auf ein Treffen. Angelika Brünsing schätzt die Chancen jedoch eher gering ein. "Malala ist sehr beschäftigt. Sie muss ja auch noch zur Schule gehen und ihren Abschluss machen. Außerdem erhält sie immer noch Morddrohungen. Das macht ein Treffen schwierig."

Gelernt haben die Prinz-Ferdinand-Schüler schon jetzt eine Menge. "Wir haben gesehen, was man auch in unserem Alter schon alles erreichen kann. Das macht uns Mut. Wir lassen uns jetzt nicht mehr so schnell unterkriegen", sagt Aische. Schon bald werden die Schüler ihre neue Einstellung unter Beweis stellen können. Im Sommer verlassen sie die Hauptschule. Dann warten auf die meisten die ersten beruflichen Herausforderungen.

Quelle: RP
 
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