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Krefeld
Schützen mussten Scheune zweimal decken

Krefeld: Schützen mussten Scheune zweimal decken
Die Scheune des Paschhofs - jetzt vorschriftsmäßig mit roten Tonziegeln gedeckt. FOTO: Thomas lammertz
Krefeld. Aus Denkmalschutzgründen wurde den Linner Schützen auferlegt, das Dach ihrer Paschhofscheune statt mit Beton- mit Tonziegeln zu decken. Alte Linner wünschen sich, die Behörde hätte auch früher rigoroser durchgegriffen. Von Otmar Sprothen

Viele alte Linner klagen darüber, dass sich ihr Ort durch den Abriss durchaus erhaltenswerter Gebäude wie dem alten Kino am Andreasmarkt über die Maßen verändert habe. "Die jetzt gezeigte rigorose Haltung der Denkmalpflege hätten wir uns früher gewünscht. Durch die vielen Abrisse erhaltenswerter Gebäude wurde im historischen Ortskern Linns mehr zerstört als durch den Zweiten Weltkrieg", beklagt ein alter Linner.

Was war geschehen? Aus Denkmalschutzgründen musste der Linner Schützenverein das Dach seiner Paschhofscheune an der Margaretenstraße gegenüber der Gaststätte "Em Kontörke" gleich zweimal nacheinander neu eindecken. Als er die Scheune, in dem heute Utensilien des Schützenvereins und der Arbeitsgemeinschaft Flachmarkt lagern, vor zehn Jahren einem Privatmann abkaufte, der sie wiederum von der Stadt Krefeld übernommen hatte, war das Gebäude völlig heruntergekommen. Nach und nach restaurierte der Verein das Gemäuer, versah es mit einem neuen Dachstuhl und verstärkte den rückwärtigen Anbau. Zum Schluss deckte er den zur Margaretenstraße weisenden Teil des Daches mit roten Betonpfannen ein.

Es war ein Zufall, dass eine Vertreterin der Unteren Denkmalbehörde zur Abnahme des gerade restaurierten, in Privatbesitz befindlichen Nachbarhauses erschienen war, als sich die Dacharbeiten dem Ende näherten und nur noch eine Palette mit den roten Betonziegeln auf dem Boden wartete, nach oben gebracht zu werden. Sofort stoppte sie die weiteren Arbeiten und forderte, die schweren Betonziegel durch leichtere rote Tonziegel zu ersetzen, die zudem dem historischen Vorbild entsprächen. Der Verein hielt dem entgegen, dass die Häuser des Linner Altstadtkerns vielfach eine Betondeckung aufwiesen und man sich daher im Recht fühle. Darauf ließ sich die Untere Denkmalbehörde nicht ein und forderte eine Eindeckung des Daches in Tonziegeln. Diese würden durch ihr geringeres Gewicht das alte Mauerwerk nicht so belasten, auch wenn das Gewicht des Daches durch den neuen Dachstuhl besser verteilt würde.

Nach einigem Hin und Her räumte die Denkmalbehörde dem Verein eine Übergangsfrist von mehreren Jahren ein. Allerdings dürfe der Verein gegen diesen Kompromiss nicht gerichtlich vorgehen. Inzwischen hatte der Vorstand des Schützenvereins gewechselt. Der neue Vorstand fühlte sich an das von früheren Vorständen beschlossene Moratorium nicht mehr gebunden und klagte gegen die Auflage, das Dach neu zu decken. Als ein aktiver Verein habe man nicht die Mittel für eine neue Eindeckung des Daches. Den Prozess hat der Verein allerdings vor wenigen Monaten verloren.

"Wir können nur tätig werden, wenn eine bauliche Änderung ansteht, und die ist unbedingt anzeigepflichtig," erklärt Pia Kobylecky von der Unteren Denkmalbehörde. "Wir achten dabei besonders auf Dächer und Fenster, denn der gesamte Altstadtkern Linns definiert sich als denkmalgeschützter Raum, auch wenn auf einem Gebäude kein individueller Schutz liegt." Kobylecky sieht ihre Behörde als jederzeit kooperationsbereit: "Ein kurzer Anruf genügt und wir kommen raus und beraten gemeinsam, was zu tun ist."

Inzwischen ist die Kuh vom Eis. Vorsorglich hatte der Verein das Dach des hinteren Teils der Scheune bereits in Tonziegeln eingedeckt. "Die Sache ist glimpflich ausgegangen", sagt Vorstandsmitglied Lothar Steinwegs. Die Kompanie der Landsknechte hat in ihren Reihen einen Dachdeckermeister. Dieser übernahm die Planung und an einem langen Wochenende deckten die Landsknechte das Dach fachgerecht in den gewünschten Tonziegeln neu ein. "Eigentlich fiel nur der Materialwert der Ziegel an", freut sich Steinwegs über die Gemeinschaftsleistung seiner Schützen.

Quelle: RP
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