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Krefeld
Schullandschaft verändert sich gravierend

Krefeld. Die neue Gesamtschule kommt nach Oppum. Nach der CDU hat sich auch die SPD auf Oppum festgelegt. Die Krefelder Schullandschaft verändert dies stark: Zwei Hauptschulen werden aufgelöst, die Zahl der Realschulen stark dezimiert. Von Sebastian Peters

Die Krefelder Schullandschaft steht vor einem gravierenden Umbruch, nachdem die SPD gestern in einer Pressekonferenz verkündete, sich ebenso wie die CDU für die Gründung einer neuen Gesamtschule am Standort der jetzigen Realschule Oppum an der Schmiedestraße auszusprechen. Faktisch bedeute dies, dass zum 1. August 2016 die letzten beiden verbliebenen Hauptschulen an der Hafelsstraße in Fischeln und an der Rote-Kreuz-Straße in Bockum auslaufen. Die Hauptschulen hatten zuvor selbst für ihre Auflösung plädiert. An ihre Stelle rückt eine neue Gesamtschule. Jubel herrscht jetzt bei den Eltern der Freiherr-vom-Stein-Realschule in Fischeln - wie es der Wunsch der Eltern war, bleibt der Schulstandort als Realschule erhalten. Faktisch gibt es somit bald nur noch drei Realschulen: die in Fischeln, dazu die Realschule Horkesgath und die Albert-Schweitzer-Realschule.

SPD-Oberbürgermeisterkandidat Frank Meyer und Ratsherr Björn Rüsing, baupolitischer Sprecher der SPD, erklärten gestern in einer gemeinsamen Pressekonferenz die Beweggründe für die SPD-Entscheidung, nachdem zuvor am Montag die Stadtverwaltung die Politik über eine Vergleichsanalyse zu den verschiedenen möglichen Gesamtschulstandorten informiert hatte (wir berichteten exklusiv). Ergebnis dieses Gutachtens war, dass aus finanzieller Sicht eine Konzentration am Standort Oppum Sinn ergibt. Dafür sind allerdings in Oppum Investitionen in einen Neubau in Höhe von rund zwölf Millionen Euro nötig.

Alternativen wären gewesen, die Hafelsschule in Fischeln zusammen mit der Freiherr-vom-Stein-Schule zur Gesamtschule zu machen oder die jetzige Oppumer Realschule gemeinsam mit der Stephanusschule in Bockum zum Gesamtschulstandort zu machen. Beide Varianten wären aber in der Endabrechnung in einer Langzeitbetrachtung von 30 Jahren teurer für die Stadtkasse, wie Gutachter in der großen Vergleichsanalyse dargelegt haben. Insbesondere würden hohe Investitionen in die alten Schulstandorte nötig sein. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung hat außerdem ergeben, dass bis 2021 die Kosten in allen drei Varianten gleich ausfallen, dann aber auf lange Sicht der Neubau in Oppum am sinnvollsten ist.

Die SPD hatte angesichts der Anmeldezahlen frühzeitig für die Gründung einer weiteren Gesamtschule in Krefeld plädiert und legte sich in einer Diskussion mit der Ratsfraktion erweitert um die Mitglieder des Schulausschusses am Montagabend auf ihre Position fest. "Eine breite Mehrheit nach sehr engagierter Diskussion" habe es gegeben, sagte Frank Meyer. Die Zeit dränge, wie der SPD-Oberbürgermeisterkandidat in der Pressekonferenz deutlich machte.

Die CDU hatte sich bereits Anfang Mai auf den Standort Oppum festgelegt. Oberbürgermeisterkandidat Peter Vermeulen und Parteivorsitzender Marc Blondin teilten dies in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit. Oppum habe sich zum "dynamischen Standort" entwickelt, argumentierte die CDU. SPD-Ratsherr Björn Rüsing kritisierte die frühe Entscheidung der CDU, da erst am vergangenen Wochenende das baufachliche Gutachten mit der Kostenberechnung vorlag. "Die CDU hat sich ins Blaue hinein festgelegt", kritisierte Rüsing. Ungeachtet des politischen Streits steht am Ende die Mehrheit von SPD und CDU für Oppum. Frank Meyer verweist darauf, dass die Neugründung der Gesamtschule auch eine Antwort auf sinkende Schülerzahlen ist: Aus sieben Klassenzügen würden perspektivisch an der neuen Gesamtschule fünf Züge.

Voraussetzung für die neue Gesamtschule ist, dass die Politik einen Beschluss fällt, dass die beiden Hauptschulen auslaufen können. Dies soll heute Abend im Schulausschuss (17 Uhr, Kaufmannsschule) erfolgen. Mit diesem Beschluss geht die Stadtverwaltung dann auf die Schulkonferenzen beider Schulen zu, die noch vor der nächsten Sitzung des Schulausschusses am 24. Juni über das Auslaufen ihrer Schule abstimmen sollen. Im Schulausschuss wird dann die Vorlage für den Rat konkretisiert; in der Ratssitzung im September soll die Politik dann die Auflösung beider Hauptschulen und die Gründung der neuen Gesamtschule beschließen.

Eine vierte Variante ist innerhalb der SPD auch noch diskutiert worden. Die Sekundarstufe 1 der neuen Gesamtschule in Oppum ansiedeln, die Sekundarstufe 2 in Fischeln, so dass beide Stadtteile profitierten. Dies wäre aber aus finanzieller und fahrtechnischer Hinsicht nicht vertretbar, meinte Frank Meyer. Auch sprach sich die SPD gegen einen Neubau in Fischeln für eine Gesamtschulgründung aus. Dies hätte nur unter der Prämisse geschehen können, dass die Fischelner Bezirkssportanlage verkleinert wird. Das sei mit der SPD nicht zu machen.

Quelle: RP
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