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Krefeld
Seidenweberhaus: Trend weist auf Abriss

Animationen: Pläne für das Seidenweberhaus
Animationen: Pläne für das Seidenweberhaus FOTO: Animation Architekt Reymann
Krefeld. Kontrovers mit leichtem Trend hin zu einer Mehrheit für den Abriss: Die erste Bürgerwerkstatt zum Thema Theaterplatz lieferte eine bemerkenswert qualifizierte Debatte; erkennbar sind Grundlinien für einen Neuanfang auf diesem Platz. Von Jens Voss

Vorsichtig hochgerechnet lässt sich nach Krefelds erster Bürgerwerkstat über die Zukunft des Theaterplatzes sagen: Die Zeichen für das Seidenweberhaus stehen eher auf Abriss. In der bemerkenswert disziplinierten und qualifizierten Debatte der rund 120 Teilnehmer schälte sich eine leichte Überzahl derer heraus, die für einen kompletten Neuanfang auf dem Theaterplatz votieren - wobei sowohl ein Neubau auf dem Platz als auch eine komplette Verlegung der Veranstaltungshalle etwa auf den Platz hinter dem Bahnhof diskutiert wurde. Planungsdezernent Martin Linne kündigte an, die Ergebnisse des fünfeinhalbstündigen Workshops zu dokumentieren und mit Kommentarfunktion ins Internet zu stellen.

Linne beteuerte im Gespräch mit unserer Reddaktion, dass der Workshop keine Alibi-Funktion habe. "Wir merken immer wieder: Es gibt ein unglaublich breites Interesse an dem Thema." Und so hat er einen Prozess initiiert, der die Bürgerschaft an der Debatte beteiligen und zu einem Konsens, mindestens aber zu einer transparenten Entscheidung kommen soll.

Abschlussrunde im Theaterfoyer: Links Planungsdezernet Linne, im Zentrum die Teilnehmer der "Bürgerwerkstatt", im Hintergrund das Seidenweberhaus, dort auch erkennbar, wie sich die Drogenszene an dem regnerischen Samstag unter den überdachten Rändern des Gebäudes versammelt hat. FOTO: Lammertz.

Die Bürgerwerkstatt wurde vorbereitet mit einer 18-köpfigen Expertenrunde im Oktober, bestehend aus (auch externen) Stadtplanern, Architekten und Akteuren vom Theater und dem Seidenweberhaus. Sie alle haben eine Analyse des Status quo und Thesen für die Entwicklung des Theaterplatzes formuliert. Die Expertisen wurden den Teilnehmern der Werkstatt als Diskussionsgrundlage vorgestellt. Auch in dieser Expertenrunde war der Trend zum Abriss erkennbar. Eine der Kernthesen lautet: "Das Seidenweberhaus erscheint in der heutigen Form und an diesem Ort nicht zukunftsfähig." Es ist schon das zweite Expertengremium, das dem Abriss zuneigt: Auch der Krefelder Gestaltungsbeirat hat deutlich für einen Abriss votiert.

Inhaltlich schälten sich folgende Grundlinien der Debatte heraus:

Bedarf Von großer Bedeutung ist die Frage, ob Krefeld wirklich eine Halle mit 1400 Plätzen braucht - die bietet das Seidenweberhaus -, oder ob es nicht auch 1000 Plätze tun. Das hat erhebliche Auswirkung auf die Kostenanalyse. Die jetzige Modellrechnung der Verwaltung besagt: Eine Sanierung des Seidenweberhauses kostet rund 35 Millionen Euro; ein Neubau, der auf 1400 Plätze angelegt ist, kostet 45 Millionen Euro. Rechnet man nur mit 1000 Plätzen, würde ein Neubau billiger - womit die Haltung, besser gleich neu zu bauen als fast ebenso viel Geld in ein altes Gebäude zu stecken, plausibler werden würde.

Die St.-Anton-Straße Immer wieder wurde Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand der St.-Anton-Straße deutlich: Sie erscheint als hässliche, abweisende Grenze, die mit dafür verantwortlich ist, dass der Theaterplatz so wenig belebt ist. Die Positionen reichten von Untertunnelung (unwahrscheinlich) bis zum Modell des "Shared place" (geteilter Raum): Dabei wird eine Straße so gestaltet, dass sie für Fußgänger, Autofahrer und Radfahrer gemeinsam nutzbar erscheint. Laut Linne gibt es viele Möglichkeiten, diese gemeinsame Nutzung zum Ausdruck zu bringen, ohne die Funktion als Verkehrsader einzuschränken. Linne räumt der Neugestaltung der St.-Anton-Straße hohe Priorität für die Belebung des Theaterplatzes ein.

Blickachsen Immer wieder ein hoch eingeschätztes Thema war die Herstellung von Blickachsen, die durch das Seidenweberhaus unterbrochen wurden. Wichtiges Beispiel: die Blickachse vom Rathaus zum Ostwall über die Carl-Wilhelm-Straße. Ein Vorschlag zielte darauf, diese Achse nicht nur wiederherzustellen, sondern auch durch ein Lichtkonzept zu betonen und auch den Übergang über den Ostwall danach auszurichten.

Räume und Blicke wieder zu öffnen und die alte Strukturen der Stadt wieder sichtbar werden zu lassen, war ein roter Faden in der Werkstatt, der auch in den Überlegungen der Experten eine große Rolle spielt.

Die Drogenszene Nicht vertreiben, sondern verdrängen durch Beleben - so lautet die Kernthese von Planungsdezernent Linne, wenn es um die Drogenszene geht, die sich auf dem Theaterplatz versammelt. "Nicht die Drogenabhängigen haben die Bürger verdrängt, sondern die Bürger haben den Platz nicht genutzt und ihn dadurch freigemacht für die Drogenabhängigen", sagt Linne. Was nicht als Vorwurf gemeint ist: Der Platz funktioniert nicht als Aufenthaltsraum: "Wo ist der, dass ich hier verweilen will?", fragt Linne rhetorisch. So sieht er es als zentrale städtebauliche Herausforderung, den Platz zu beleben; die Drogenszene werde den Platz dann schon räumen, zeigte Linne sich überzeugt.

 

Quelle: RP
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