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Krefeld
Seidenweberhaus: Sanierung nicht vom Tisch

Krefeld: Seidenweberhaus: Sanierung nicht vom Tisch
Planungsdezernent Martin Linne: Er persönlich sieht im Kesselhaus eine große städtebauliche Chance für Krefeld. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. SPD und CDU sind bestrebt, sich über die Zukunft des Seidenweberhauses nicht zu zerstreiten. Die SPD ist bereit, der CDU entgegenzukommen und die Variante Sanierung, die die Stadt verworfen hat, als Option beizubehalten. Von Jens Voss

Extrem kompliziert - mit diesen Worten beschreiben Spitzenpolitiker im Rat die Entscheidung zur Zukunft des Seidenweberhauses, und so ist es offenbar ein Ziel, Entscheidungen in breitem Konsens zu treffen. Ein erster Kompromiss zeichnet sich zwischen SPD und CDU ab: Die CDU drängt darauf, die Variante Sanierung des Seidenweberhauses nicht auszuschließen; die SPD ist bereit, dies im Planungsausschuss am Donnerstag mitzutragen. Eine Vorentscheidung über eine Planvariante wäre damit aber nicht getroffen.

Unterdessen hat gestern Planungsdezernent Martin Linne die Verwaltungsvorlage zum Seidenweberhaus erläutert (wir berichteten ausführlich). Nach seiner persönlichen Präferenz gefragt, ließ er erkennen, dass er im Kesselhaus mit seinem Charme, seinem Ambiente in "architekturgeschichtlich einzigartiger Umgebung" eine große städtebauliche Chance für die Stadt sieht; aus jahrzehntelanger beruflicher Erfahrung wisse er, dass diese Art Industriearchitektur viele, zumal private Veranstaltungen anziehe: "Die suchen was Besonderes", sagte er. Es sei mithin "sehr sehr prüfenswert, ob ein Neubau ähnliche Effekte erreichen kann".

Gleichwohl betonte Linne seine Neutralität, was die Vorbereitung von Entscheidungen durch die Politik angeht. "Wir sind der bestmöglichen Planung für die Stadt verpflichtet", betonte er. Er sagte, man müsse sich für die Entscheidung auf eine "Grundhaltung besinnen"; dazu gehört für ihn die Frage, ob man eine solche Halle als Neubau in der City oder als historische Architektur in der Peripherie haben wolle. "Da gibt es kein Richtig oder Falsch", betonte er. Zum Angebot des Unternehmers Gerald Wagener (Bau eines Kongress-Hotel-Komplexes auf dem Theaterplatz) bekräftigte er die Position der Stadt, dass man zu einer europaweiten Ausschreibung verpflichtet sei. Wagener ist bekanntlich überzeugt, dass er auch ohne Ausschreibung mit der Stadt ins Geschäft kommen könnte. Linne betonte aber auch: Selbst wenn das ginge, würde er nicht dieser einen Variante sofort den Zuschlag geben: "Demokratische Planungskultur sieht anders aus." Man müsse in jedem Fall Alternativen einholen, um sich dann für den besten Entwurf entscheiden zu können.

Linne begründete auch, warum die Variante "Simpel-Sanierung" (für rund 20 Millionen Euro) des Seidenweberhauses nicht mehr in die Expertise aufgenommen wurde: Dies sei nach Überzeugung aller Experten "völlig abwegig", weil dann ein städtebaulicher Missstand auf Jahrzehnte zementiert werden würde. Um das Seidenweberhaus zu erhalten und halbwegs zukunftsfähig zu machen, müsste man den Komplex bis auf den Rohbau herunterbauen. Die Stadt geht dabei von Mindestkosten von 40 Millionen Euro aus - ein Neubau käme auf 50 Millionen. Insofern Linnes Kalkül: Die Sanierung mit ästhetischer und technischer Aufwertung wäre im Verhältnis zu einem Neubau unverhältnismäßig teuer. Der Neubau bietet zudem nach Überzeugung der Stadt die Chance zu einem Neuanfang auf dem Theaterplatz, indem der Bau entlang des Ostwalls errichtet werden würde.

Kurioserweise hat die Stadt 2004 einen Bebauungsplan für den Theaterplatz verabschiedet, auf dem das Seidenweberhaus nicht mehr vorkommt - heißt: Schon 2004 gab es einen Konsens, dass das Seidenweberhaus ein städtebaulicher Fehler war.

Zur Frage, wie die Stadt gegebenenfalls das Wagener-Modell (Hotel plus Kongress) selbst umsetzen will, sagte Linne, die Stadt würde auf keinen Fall Hotelbetreiber werden; wenn, würde man sich mit einem Investor einigen - allerdings bei europaweiter Ausschreibung.

Die nächsten Schritte sollen darin bestehen, mit externen Gutachtern die Betriebsergebnisse der Varianten abzuschätzen. Es geht um belastbare Hinweise von Experten, wie das Tagesgeschäft aus Vermietungen, Kongressen und Veranstaltungen an dem jeweiligen Standort aussehen könnte. Davon hängt ab, wie hoch die Betriebskosten für eine Halle wären. Die Gutachten könnten im September 2018 vorliegen, schätzt Linne. Auf dieser Grundlage kann dann die Entscheidung für eine der Varianten fallen.

Zeit ist auch Geld: Linne erwähnte, dass die in der Expertise genannten Kostenschätzungen (40 Millionen für die Sanierung des Seidenweberhauses, 50 Millionen Euro für einen Neubau auf dem Theaterplatz) auf Basis von 2014 erfolgt sind und mittlerweile um zehn bis zwölf Prozent höher liegen dürften.

Quelle: RP
 
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