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Serie Swk - Einsatz Rund Um Die Uhr
Seine Hauptaufgabe: Querdenken

Krefeld. Damit Innovationen nicht vom Zufall abhängen: Emil Graeber hat eine ungewöhnliche Aufgabe. Er soll querdenken. Von Jens Voss

Querdenker ist kein Beruf, den man lernen kann. Man ist es oder eben nicht. Die Frage ist aber, ob ein Unternehmen beim Thema Querdenken vom Zufall abhängt oder bewusst Raum dafür schafft. Die Krefelder Stadtwerke (SWK) haben das Experiment gewagt und vor zwei Jahren jemanden gesucht, der eben dies sein sollte: Querdenker. "Wir hatten viele Bewerbungen, darunter viele von Lehrern", erinnert sich Guido Stilling, Chef der SWK Mobil, die den Krefelder Nahverkehr organisiert. Am Ende bekam ein junger Politologe den Zuschlag, der unter anderem deswegen überzeugte, weil er Stilling schon im Bewerbungsgespräch in eine muntere Diskussion verwickelte. Emil Graeber ist seitdem jemand, der neben Aufgaben im Tagesgeschäft genügend Freiraum für einen frischen Blick aufs tägliche Tun im Unternehmen erhält. Innovationen sind in jedem Unternehmen so etwas wie Sauerstoff im Blutkreislauf. Die Krefelder SWK können da auf eine gewisse Tradition verweisen. In den 70er Jahren waren die Stadtwerke Vorreiter beim Projekt "LSA-Beschleunigung" - wobei LSA für "Lichtsignalanlage" steht, gewöhnlich Ampel genannt. Die Idee: Die Ampelanlage erkennt, ob sich Bus oder Bahn nähern, und ebnet dem Gefährt den Weg. "Die Uerdinger Straße war damals Teststrecke", berichtet Stilling. Heute ist diese Technik bundesweit Standard.

Vorreiter waren die SWK auch beim Thema Pünktlichkeitsgarantie mit der Idee für "10 plus" - also mit der Zusage an Fahrgäste, bei einer Verspätung von mehr als zehn Minuten ihr Geld zurückzuerhalten. Vorreiter in jüngerer Zeit waren sie beim Car Sharing: "Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs auch umweltfreundliche Elektroautos anbietet; wir wollen damit ein Bekenntnis zu nachhaltiger Energie ablegen", sagt Stilling.

Neu ist ein Projekt mit der Hochschule Niederrhein: "Wir entwickeln ein Navigationssystem für den ÖPNV mit einer geschlossenen Reisekette von Tür zu Tür", erläutert Emil Graeber. Das Ziel: Fahrgäste sollen sich nicht nur schnell darüber informieren können, wie man von einer Haltestelle zur nächsten, sondern von der eigenen Haustür zum letztlichen Ziel gelangt. Dabei sollen auch individuelle Bedingungen Berücksichtigung finden: ob jemand etwa blind oder geistig behindert ist, ob die Fahrt mit Kinderwagen oder Rollator erfolgt.

Das neueste Projekt, an dem Graeber arbeitet, will den Kurznachrichtendienst WhatsApp nutzen. Die Idee: Fahrgäste werden direkt auf ihr Smartphone über die Linien in formiert, die sie hauptsächlich nutzen. "Die Leute können sich online bei uns für die Linien anmelden, die sie interessieren. Wenn es dann Verspätungen, Fahrplanänderungen oder sonst etwas gibt, werden sie in Echtzeit informiert", erläutert Graeber das Konzept. Technisch wäre gewährleistet, dass die Nutzer wirklich nur eine Nachricht erhalten und nicht die komplette Kommunikation mit allen anderen, die sich für die gleiche Linie angemeldet haben. "Wir hören immer wieder von unseren Kunden, dass sie unzufrieden sind, wenn sie mit dem Gefühl an einer Haltestelle stehen: Ich erfahre nichts." Über den WhatsApp-Dienst sollen sie künftig schon aus der Leitstelle, wo alle Informationen über das Geschehen auf den Straßen zuerst einlaufen, sofort mitinformiert werden. "Dazu werden wir in der Leitstelle ein eigenes Team installieren, das die Informationen sofort verarbeitet und mit unseren Fahrgästen ohne Zeitverlust kommuniziert."

Störungen im Verkehrsfluss wird es wohl immer geben - aber die schnelle Info entscheidet am Ende doch, ob man am Frühstückstisch noch einen schnellen Kaffee trinkt, weil man weiß: Meine Bahn kommt 15 Minuten später, denn ein Unfall blockiert die Schienen.

Quelle: RP
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