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Krefeld
Sensation im Norden: Radomski holt den Wahlkreis direkt - Entsetzen über AfD

Krefeld: Sensation im Norden: Radomski holt den Wahlkreis direkt - Entsetzen über AfD
Niedergeschlagen: Oberbürgermeister Frank Meyer bei der Wahlparty im Rathaus, als die ersten Hochrechnungen über den Bildschirm kommen. Die SPD liegt nur bei gut 20 Prozent. FOTO: Puvogel
Krefeld. Die CDU jagt der SPD den Wahlkreis 114 ab, die FDP erzielt einmal mehr überdurchschnittliche Ergebnisse, die AfD bleibt in der Stadt unter dem Bundeswert: Die Krefelder Ergebnisse der Bundestagswahl haben spannende Akzente. Von Jens Voss

Der Wahltag gestern war auch in Krefeld ein schwarzer Tag für die SPD: Die CDU-Politikerin Kerstin Radomski hat den traditionell rot wählenden Wahlkreis 114 direkt geholt und Elke Buttkereit geschlagen. Radomski zieht damit zum zweiten Mal in den Bundestag ein. "Ich danke dem ganzen Wahlkämpfer-Team", sagte sie gestern Abend, erschöpft und gesundheitlich angeschlagen. Sie ist schwer erkältet. Sie hatte vor allem auf Haustürwahlkampf gesetzt und dabei Tausende Bürger besucht. Ihr Parteifreund Ansgar Heveling hat erwartungsgemäß den Wahlkreis 110 sicher vor der SPD-Herausforderin Nicole Specker geholt. In den Bundestag einziehen werden zudem der FDP-Politiker Otto Fricke und die Grünen-Kandidatin Ulle Schauws.

Unterm Strich herrschte in Krefeld bei allen traditionellen Parteien Entsetzen über das gute Ergebnis der AfD im Bund. Die Grünen-Politikerin Schauws nannte das Ergebnis "krass" und mahnte: "Da ist viel zu tun für alle, übrigens auch für die SPD. Ich verstehe nicht, dass Martin Schulz schon jetzt Sondierungsgespräche ausgeschlossen hat." Die Grünen würden mit allen Parteien Gespräche führen, außer mit der AfD, betonte sie. Für die Krefelder Partei "Die Linke" sagte Ratsherr Stephan Hagemes: "Es ist ein ernüchterndes und katastrophales Ergebnis für die Demokratie und die Gesellschaft."

Jubel bei der CDU: Kerstin Radomski erobert eine SPD-Hochburg. Links neben ihr Parteichef Marc Blondin, rechts von ihr Britta Oellers und Tobias Stümges. FOTO: Puvogel

Einmal mehr hat die FDP in Krefeld ein Ergebnis über dem Bundesschnitt erzielt - es gibt in der Stadt ein stabiles liberales Milieu. Der Wiedereinzug in den Bundestag löste allerdings nur gedämpfte Euphorie aus. Der FDP-Politiker Otto Fricke, der über Liste in den Bundestag einziehen wird, erklärte zum Wahlausgang: "Ich sehe das Ergebnis mit einem lachenden Auge, was die eigene Partei und den eigenen Erfolg angeht, und mit einem weinenden Auge, was das Gesamtergebnis angeht." Fricke betonte, es sei nicht sein Erfolg, sondern der des FDP-Teams. Für Krefeld würdigte er die gute Zusammenarbeit mit dem Krefelder FDP-Chef Joachim Heitmann. Überschwänglich freuen werde er sich nicht, betonte Fricke, dazu sei das Ergebnis von vor vier Jahren, als die FDP aus dem Bundestag geflogen ist, noch zu präsent. "Die FDP hat damals gelernt: Hochmut kommt vor dem Fall."

Der Krefelder FDP-Fraktionschef Joachim Heitmann kündigte Konsequenzen für die Arbeit im Rat an. "Wir sind hochzufrieden mit dem Zweitstimmenergebnis in Krefeld, aber auch mit den Erststimmenergebnissen von unseren Kandidaten Otto Fricke und Florian Philipp Ott, die ganz beachtlich sind. Das Ergebnis der AfD müssen wir auch auf kommunaler Ebene ernstnehmen. Wir werden uns intensiver mit den Themen Bildung und Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt befassen müssen, wenn die AfD nicht zu einer Dauererscheinung werden soll."

Trotz der - erwarteten - Niederlage zufrieden mit ihrem Ergebnis zeigte sich die SPD-Kandidatin Nicole Specker. Sie hat in der CDU-Hochburg im Krefelder Süden aus dem Stand mehr als 25 Prozent der Stimmen geholt und damit deutlich mehr als die SPD im Bund. "Das ist für eine Newcomerin doch mehr als nur ein Achtungserfolg", sagte sie gestern.

Quelle: RP
 
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