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Gräberfeld in Krefeld
Sensationsfunde bei Grabungen in Gellep

Sensationsfunde bei Grabungen in Gellep
Sensationsfunde bei Grabungen in Gellep FOTO: Thomas lammertz
Krefeld. Die Geschichte des berühmten römisch-fränkischen Gräberfeldes in Gelduba muss neu geschrieben werden: Das Feld ist wesentlich größer und deutlich älter als bekannt und reicht bis in die frühe Eisenzeit zurück. Von Norbert Stirken

Damit haben selbst die Experten nicht gerechnet: Bei der archäologischen Grabung auf dem 37.000 Quadratmeter großen Grundstück in Gellep am Hafen entdeckten Hans-Peter Schletter und sein Team einen neuen Teil des bekannten römisch-fränkischen Gräberfeldes, das viel weiter zurückreicht als bislang bekannt - nämlich bis in die frühe Eisenzeit.

Nachdem ein Baggerführer mit seinem 25 Tonnen schweren Spezialgerät die Schicht Mutterboden abgezogen hatte, entdeckten die Fachleute Grabhügel und Urnengräber aus der Zeit von 800 bis 450 vor Christus. Vier Pferdeskelette aus der Bataverschlacht (69 nach Christus), römische Räucheröfen, Fundamente von Straßen und Gebäuden sowie Urnen und Grabbeigaben.

Die Gesamtpalette der Funde und Befunde würde jetzt zu einer "Neubewertung über die Ursprünge des berühmten römisch-fränkischen Gräberfeldes" führen müssen, erklärten Stadtarchäologe Schletter und Jennifer Morscheiser, Leiterin des Museums Burg Linn. "Wir haben an der Ecke eigentlich mit nix gerechnet" ,sagte sie und beschreibt so salopp die Erwartungshaltung zu Beginn der Untersuchungen vor zwei Monaten. Das Gelände, auf dem die österreichische Good Mills Group Europas größte Mühle bauen will (wir berichteten), befinde sich in einer Senke. Kein Mensch habe vermuten können, dass die Menschen seinerzeit ausgerechnet dort Hügelgräber anlegen würden, sagte die Expertin.

Bislang haben die zehn Mitarbeiter Schletters dort bis in zwei Meter Tiefe gegraben und unter anderem zwei bis drei Knochenlager und rund ein Dutzend früheisenzeitlicher Gräber gefunden. "Die Aktivitäten haben auch Grabräuber angelockt", berichtet Jennifer Morscheiser. Mit Nachtsichtgeräten ausgerüstete Profidiebe seien ebenso vertrieben worden wie Amateursammler frühzeitlicher Funde. Eine Garde Ehrenamtlicher patrouilliere auch in den Nachtstunden, berichtete sie.

Etwas abseits im Osten der überplanten Fläche haben sich Reste des ehemaligen römischen Vicus des Kastells Gelduba erhalten. Als Vicus bezeichnet man eine kleinere Zivilsiedlung, die häufig an ein militärisches Römerlager angeschlossen war. Dort ließen sich Händler, Handwerker, Gastwirte, Veteranen und die Frauen der Soldaten nieder. In Gellep sind zwei dieser Vici bekannt. Das erste wurde in den 1970er Jahren durch Baggerarbeiten am Hafenwendebecken größtenteils zerstört. Das zweite wird gerade untersucht und wie alle Funde mit Zeichnungen, Fotos, digitalen Plänen und Proben dokumentiert und für eine wissenschaftliche Auswertung aufbereitet.

Von dem Bodendenkmal bleiben nach Abschluss der Grabungen Ende des Jahres nur die Erkenntnisse und sichergestellten Funde übrig. Die 37.000 Quadratmeter werden vom neuen Eigentümer überbaut. Die Good Mills Group bekommt von den Krefelder Fachleuten großes Lob ausgesprochen. "Absolut vorbildlich", sagte die Museumsleiterin. Rund 500.000 Euro investiere das Unternehmen in die archäologischen Arbeiten. Dazu sei es per Gesetz verpflichtet. Gleichwohl sei die Zusammenarbeit außergewöhnlich gut. "Ich habe schon für den Landschaftsverband Rheinland Grabungen organisiert. Da lief nicht immer alles so zur beidseitigen Zufriedenheit", sagte Jennifer Morscheiser.

Am 23. und 24. September wird die Öffentlichkeit zu einem Kastell- und Gräberfest eingeladen. Dann wird römisches Leben simuliert und die Arbeit der Archäologen vorgestellt und erläutert.

Quelle: RP
 
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