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Krefeld
Sexualerziehung: Lehrer melden sich jetzt doch für Seminar an

Krefeld: Sexualerziehung: Lehrer melden sich jetzt doch für Seminar an
FOTO: Ullstein
Krefeld. Sexualkunde werde an Schulen zu wenig unterrichtet, bemängelte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Ein Pilotprojekt, in dem Lehrer im Umgang mit diesem Thema geschult werden, interessierte zu Beginn nur wenige Pädagogen. Inzwischen jedoch ist es fast ausgebucht. Von Bärbel Kleinelsen

"Wir haben aktuell 55 Anmeldungen. 60 war unsere Wunschgröße. Damit sind wir natürlich sehr zufrieden", erklärt Harriet Fischer, Aids-Koordinatorin der Stadt Krefeld und Organisatorin des Seminars, auf RP-Anfrage. 14 Schulen aus Krefeld, viele mit gleich mehreren Vertreten, hätten sich inzwischen angemeldet. Finanziert wird das Pilotprojekt von der GEW. Die Gewerkschaft hatte festgestellt, dass Sexualkundeunterricht nicht mehr in dem vom Lehrplan vorgesehenen Maße unterrichtet werde. Die Gründe dafür sind vielfältig. Berührungsängste mit dem Thema sind häufig an den Schulen vorhanden, die Schüler aus vielen verschiedenen Kulturkreisen unterrichten. Darauf will das Seminar mit einem Schwerpunkt "Wie definieren unterschiedliche Kulturen Sexualität" eingehen.

"Das stelle ich mir auch schwierig vor, mit beispielsweise streng gläubigen muslimischen Schülern über Sexualität zu reden. Da wir eine Schule mit christlichem Hintergrund sind, sind bei uns die Voraussetzungen wahrscheinlich besser", vermutet Barbara Franken, Biologielehrerin an der Marienschule. Mit ihrer Kollegin Brigitte Kröner-Graw hat sie sich für das Lehrerseminar angemeldet. Die beiden Pädagoginnen betreuen an der Marienschule den Sexualkundeunterricht und haben bisher nur positive Erfahrungen gemacht. "Unsere Schüler, aber auch ihre Eltern, gehen immer offener mit diesem Thema um. Die Gesundheitstage, die wir jedes Jahr veranstalten, und in denen auch über Sexualerziehung und sexueller Missbrauch gesprochen wird, werden sehr gut angenommen", erklärt Brigitte Kröner-Graw. Schulleiter Klaus Neuenhofer findet: "Man muss zu den Dingen stehen, die man tut. Auch wenn es um Sexualkundeunterricht geht." Einwände von Eltern mit Migrationsunterricht dürften nicht dazu führen, keinen solchen Unterricht mehr anzubieten.

"Wir wollen die Schüler stark machen, damit sie auch Nein sagen können, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Gute Erfahrungen haben wir mit unseren externen Kooperationspartnern gemacht, die an den Gesundheitstagen die Schüler informieren. Oft trauen sich Jugendliche eher mit Fremden über für sie heikle Dinge zu sprechen", sagt Lehrerin Kröner-Graw. Kollegin Franken stellt im Biologieunterricht eine Black Box auf, in der Schüler anonym ihre Fragen einwerfen können. "Das wird vor allem von Jungs sehr gut angenommen." Bis in die Oberstufe begleitet die Marienschüler in der ein oder anderen Form das Thema Aufklärung. Brigitte Kröner-Graw weiß: "Jede Altersstufe hat andere Fragen und auch andere Probleme. Da muss man immer wieder einen anderen Aspekt beleuchten und sich auf die Schüler einstellen."

Matthias Polte ist Fachvorsitzender der Biologie am Gymnasium Fabritianum. Auch dort ist Sexualkunde immer wieder ein Thema. Er sagt: "Auch an unserem Gymnasium sind jedes Jahr Experten vor Ort, die die Fragen der Schüler beantworten, was auch an anderen Schulen der Fall ist. Diese Projekttage finden zwar nur einmal im Jahr statt, jedoch werden die Schüler von uns in festgeschriebenen Unterrichtsreihen vorbereitet. Dies passiert sowohl in der sechsten als auch in der achten Klasse, wobei der inhaltliche Schwerpunkt dem aktuellen Entwicklungsstand der Schüler entspricht. In der Oberstufe werden zunehmend bioethische Debatten geführt, die auch zur Sexualerziehung beitragen."

Wer sich noch für das Lehrerseminar am 23. Februar von 9 bis 16 Uhr in der Volkshochschule anmelden möchte, kann das unter Telefon 02151-863524.

Quelle: RP
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