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Krefeld
Shakespeares "Hamlet" als Mafia-Film

Krefeld: Shakespeares "Hamlet" als Mafia-Film
FOTO: Kaiserplatz
Krefeld. Abiturienten der Gesamtschule Kaiserplatz haben einen Shakespeare-Filmpreis erhalten und erzählen über den Dreh. Von Bärbel Kleinelsen

So etwas erlebt eine Lehrerin auch nicht alle Tage. Vor den Weihnachtsferien schlug Mara Oendorf, Lehrerin an der Gesamtschule Kaiserplatz, ihren neun Schülern des Englisch-Leistungskurses (LK) vor, an einem Film-Wettbewerb zum Thema "Shakespeare ist, was ihr draus filmt" teilzunehmen. "In der ersten Stunde nach den Ferien kamen die Schüler zu mir und gaben mir den fertigen Film, den sie in den Ferien gedreht hatten", erinnert sich Oendorf. Die Pädagogin war skeptisch, erwartete - wie sie schmunzelnd einräumt - nicht wirklich viel. "Schließlich hatten die Schüler alles allein gemacht, ohne irgendwelche Anleitung oder Tipps." Das Ergebnis: Ein professionell gedrehter Mafia-Film, natürlich auf Englisch, mit dem originellen Titel "Hamletti - The End".

Was dann kam, gehört inzwischen zur Schul-Geschichte. Die Abiturienten gewannen mit ihrem Beitrag den Film-Wettbewerb des Cornelsen Verlages und wurden von der Jury überschwänglich gelobt: "Mit Abstand die allerbeste Leistung von allen 92 Einsendungen ist der Beitrag der Gesamtschule Kaiserplatz" (die RP berichtete).

Selbst die Katze ist dabei: Leon, 19, wie der Pate mit Kater auf dem Schoß, Mehmet, 20, als Hamletti, Sezen, 19, als Frau des Paten. Szenen aus dem prämierten Film "Hamletti". FOTO: "Hamletti"

Doch wie schafften es die Schüler, innerhalb kürzester Zeit und ohne schulische Hilfe ein solch gelungenes Werk abzuliefern? Mehmet, 20, weiß es. Er hat das Drehbuch geschrieben und sich dabei gedacht: "Eigentlich haben wir nichts zu verlieren. Also, warum nicht?" Er las sich in die Hamlet-Thematik ein, dachte bei dem Rache-Motiv sofort an die Mafia und ließ sich von Gangster-Filmen inspirieren. "Es war kein Problem, die Texte auf Englisch zu verfassen. So etwas haben wir im Unterricht schon oft gemacht", erklärt Mehmet, der den coolen Hamletti spielt. Auch die Anforderungen an einen Film waren bereits Thema im Englisch-LK gewesen. "Wir haben einfach das umgesetzt, was wir gelernt haben", sagt Hüseyin, 19, und es klingt selbstverständlich, dass er und seine Mitschüler im Unterricht gut aufpassen.

Als Kameramann mit einer Spiegelreflex aus dem Familienfundus ausgestattet, filmte Hüseyin die Szenen, zum Beispiel den Schusswechsel auf dem Sprödentalplatz. Gedreht wurde aber auch im Haus von Leon, 19, dessen Eltern das Projekt der Schüler ohne zu zögern unterstützten. Leon selbst gibt äußerst überzeugend den Paten. In Linn dann ging es schlagkräftig zur Sache und die Ganoven lieferten sich einen Zweikampf mit Messer-Einsatz. "Das ist kein Problem gewesen. Wir sind Kampfsportler und kennen uns mit so etwas aus", erklärt Film-Profi Mehmet. Und Schauspiel-Erfahrung war in der gut harmonierenden Gruppe auch vorhanden. Viola, 19, beispielsweise spielt bereits seit zwei Jahren Theater. Neu war diesmal, dass alle Texte auf Englisch gesprochen werden mussten. Trotzdem: "Das hat extrem viel Spaß gemacht."

Überhaupt Frauen in einem Mafia-Film - sie sind nicht wirklich emanzipiert, himmeln ihren Mann an und sehen gut aus. Kein Problem für Sezen, 19. Sie liebt alles, was mit Film zu tun hat, und spielt ihre Rolle als Gattin des Bösewichtes mit viel Herzblut. Lachend erinnert sie sich, wie oft manche Fünf-Sekunden-Sequenz wiederholt werden musste, weil wieder etwas nicht stimmte, ein Vogel trällerte, jemand lachen musste oder die Straßenbahn im Hintergrund vorbei rauschte.

Nun freuen sich die neun Gewinner auf ihren Preis: eine London-Reise im Wert von 7000 Euro. Natürlich mit Schwerpunkt Shakespeare. Aber auch eine Shopping-Tour wird wohl nicht fehlen. Und vielleicht findet die Gruppe in der britischen Metropole ja Stoff für einen neuen Film...

Quelle: RP
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