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Krefeld
Sie flattern wieder

Das Schmetterlingshaus im Krefelder Zoo
Das Schmetterlingshaus im Krefelder Zoo FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Das einzige Schmetterlingshaus in Nordrhein-Westfalen eröffnet am Samstag die Saison. Etliche Puppen aus Südamerika wurden in den Krefelder Zoo eingeflogen: Allmählich schlüpfen sie und entfachen eine kunterbunte Artenvielfalt. Von Henning Rasche

So richtig herzeigen mag er sich nicht. Er sitzt stur auf der Hand von Friedrich R. Berlemann und rührt sich nicht. Wahrscheinlich spürt er, dass er von allen Seiten beobachtet wird, die Kameras auf ihn zeigen und die Besucher sowieso. Ja, ich bin dieser hübsche Morpho peleides, der Himmelsfalter oder Blauer Morpho, denkt er sich wohl. Aber es ist ja jetzt auch gut, lasst mich in Ruhe! Ganz sanft lässt Berlemann ein wenig Luft aus seinem Mund entweichen, damit der Morpho seine Flügel aufspannt - und sein einzigartiges royal-blaues Muster zeigt. Aber der Himmelsfalter hat keine Lust auf Beobachtung. Er fliegt weg. Dorthin, wo es ruhiger ist.

Friedrich R. Berlemann freut sich aber trotzdem über seinen Blauen Morpho. Denn der blaue majestätische Schmetterling mit beeindruckender Flügelspanne ist das Wappentier der Zoofreunde, deren Vorsitzender Berlemann ist. Die Zoofreunde sind der Förderverein des Zoos, der 2010 das Schmettleringshaus fertiggestellt und finanziert hat. Unter sämtlichen der zwölf Zoos in Nordrhein-Westfalen ist der Krefelder der einzige, der über ein Schmetterlingshaus verfügt. Und dort wird am Samstag die Schmetterlingssaison eröffnet. Der Frühling bricht an, die Schmetterlinge flattern wieder.

Das Team um Kuratorin Cornelia Bernhardt hat die Vorbereitung für die Eröffnung weitgehend abgeschlossen. Fast täglich sind in den vergangenen Wochen Lieferungen mit etlichen Schmetterlingspuppen aus Südamerika oder Südostasien eingetroffen. Die bezieht der Zoo von kleinen, familiären Züchtern hauptsächlich aus Costa-Rica. "Damit betreiben wir auch ein Stück Entwicklungshilfe dort", sagt Berlemann. Denn für die Familien vor Ort sei das ein guter Nebenverdienst. Cornelia Bernhardt betont, dass die Zucht in Costa-Rica nachhaltig abläuft. Zu Beginn der 90er Jahre war sie selbst mal dort, um sich ein Bild davon zu machen. "Jedes Tier, das aus dem Urwald entnommen wird, wird auch wieder eingesetzt", sagt sie.

Die zehn gefährlichsten Tiere im Krefelder Zoo FOTO: Krefelder Zoo

Als Puppen sind die Schmetterlinge am Besten zu transportieren, weiß Bernhardt. "Dann sind sie stabil", sagt sie. Als Puppen kommen sie dann in die Kästen im Schmetterlingshaus, wo sie meist morgens schlüpfen. Im Schmetterlingshaus herrscht ein tropisches Klima von 20 bis 25 Grad Temperatur und bis zu 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. So fühlen sich die Schmetterlinge besonders wohl. Viele Pflanzen zieren das Haus, von denen sich die Schmetterlingsraupen ernähren. Die Raupe des Bananenfalters etwa isst besonders gern von der Bananenpflanze.

Um die heimischen Schmetterlinge zu unterstützen, verkaufen die Zoofreunde für zwei Euro auch einen Beutel mit Samen verschiedener Pflanzen. Die sollen den Faltern wieder mehr Nektar liefern.

Ein kleiner Wasserlauf befindet sich in dem Schmetterlingshaus. Wenn man sich nicht bewegt, hört man bloß ein leichtes Plätschern und kann beobachten, wie sich Schmetterlinge paaren, an den Futtertellern von Orangenhälften naschen oder einfach durch die bunten Blätter fliegen. Der Morpho peleides fliegt besonders hektisch umher. "Er ist vom Naturell her eher hektisch", sagt Cornelia Bernhardt. Wer mit blauem T-Shirt ins Schmetterlingshaus kommt, muss damit rechnen, vom Himmelsfalter heimgesucht zu werden. Bernhardt erzählt: "Er will sein Territorium verteidigen und hält denjenigen dann für eine Art Riesen-Morpho."

Quelle: RP
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