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Zugwerk in Uerdingen
Siemens kündigt Wegfall von 300 Stellen in Krefeld an

Siemens kündigt Wegfall von 300 Arbeitsstellen in Krefeld an
Im Uerdinger Siemenswerk werden Züge für die Deutsche Bahn und den Rhein Ruhr Express gebaut. FOTO: Siemens
Krefeld. Bei Siemens sind 300 Stellen in Krefeld gefährdet, laut der Konzernzentrale sind "Anpassungen" erforderlich. Am Freitagmittag soll die Belegschaft informiert werden. Von Norbert Stirken

Die Konkurrenz aus China macht dem Hersteller von Hochgeschwindigkeitszügen in Krefeld das Leben schwer. Preisdruck und aggressive Marktstrategien des Unternehmens China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC) aus Fernost zwingen Siemens nach eigenen Angaben zu Einschnitten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Im Werk Uerdingen seien als Konsequenz daraus schon jetzt Anpassungen in der Größenordnung von rund 300 Arbeitsplätzen erforderlich, teilte die Konzernzentrale von Siemens in München am Donnerstag mit. "Die sehr starke Intensivierung des Wettbewerbs des weltweiten Bahngeschäfts hat natürlich auch Konsequenzen für uns", sagte Jochen Eickholt, CEO der Division Mobility. "Um in diesem Umfeld weiter bestehen zu können, müssen wir jetzt handeln." Die Division Mobility – zu der auch die Zugproduktion in Krefeld an der Duisburger Straße gehört – habe zuletzt zwar gute Ergebniszahlen vorgelegt, Geschäftseinheiten wie Mainline Transport (Fernverkehr) und Urban Transport (Stadtverkehr) kämpfen jedoch mit zunehmendem Wettbewerbs- und Kostendruck.

2400 Siemens-Beschäftigte arbeiten in Uerdingen

Die aggressive Globalisierungsstrategie des größten chinesischen Wettbewerbers sowie Überkapazitäten am Markt hätten zu einem deutlichen Preisverfall geführt. International würden zudem Infrastrukturprojekte aufgrund der angespannten Haushaltslage in zahlreichen Ländern zunehmend verschoben. Die Wettbewerbsfähigkeit für zukünftige Projekte lasse sich in diesem Marktumfeld nur über Skaleneffekte und ein konsequentes Kostenmanagement erzielen. Daher plane Siemens umfangreiche Maßnahmen zur Optimierung der Kostenposition. Davon sind neben Krefeld auch andere Standorte betroffen.

In Uerdingen sind derzeit rund 2400 Personen bei Siemens beschäftigt. Darunter sind 200 Auszubildende. Hinzu kommen weitere Kräfte, die für Firmen arbeiten, die mit Werkverträgen verpflichtet wurden. Es sei nicht die Strategie von Siemens, die Zahl der Stammkräfte zu reduzieren und mehr Beschäftigte über Werkverträge einzusetzen, sagte Unternehmenssprecher Georg Lohmann gestern auf Anfrage unserer Redaktion.

Am Freitag um 12 Uhr werde die Belegschaft im Werk Krefeld über die neue Situation informiert. Es folgen in den kommenden Wochen Gespräche der Verantwortlichen mit den Arbeitnehmervertretern. "Man wird im Detail schauen, wie die Reduzierung der Zahl der Arbeitsplätze konkret umgesetzt werden kann", sagte Lohmann. Es dürfe damit gerechnet werden, dass überwiegen die Fertigung betroffen sein werde.

In Summe sollen über einen Zeitraum von mehreren Jahren knapp 1700 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Ziel ist es, den Umbau sozialverträglich zu gestalten und möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen. Zur Umsetzung der geplanten Maßnahmen sollen zeitnah Beratungen mit den zuständigen Arbeitnehmervertretern aufgenommen werden. Weitere rund 1.000 Arbeitsplätze sollen zu externen Dienstleistern in Deutschland übertragen oder innerhalb des Konzerns verlagert werden. Im gleichen Zeitraum ist geplant, rund 9000 Mitarbeiter alleine in Deutschland neu einzustellen. Dabei wird angestrebt, möglichst viele der betroffenen Mitarbeiter für offene Stellen zu requalifizieren.

"Wichtige Aufträge nicht erhalten"

Die Beschäftigten im Krefelder Siemens-Werk haben noch bis ins Jahr 2024 genug zu tun. Neben der Produktion des neuen ICE 4 für die Deutsche Bahn AG produziert die Belegschaft am Standort unter anderem Hochgeschwindigkeitszüge wie den Velaro Eurostar für den Betrieb im Eurotunnel unter dem Ärmelkanal, für Thameslink in England, für die Österreichische Bundesbahn und den Regionalexpress RXX.

Der Betriebsrat in Krefeld hat diese Entwicklung kommen sehen. In der Konzernzentrale München läuten seit geraumer Zeit die Alarmglocken. Aus Mitarbeiterkreisen war zu erfahren, dass die Mobility-Sparte zuletzt "einige wichtige Aufträge nicht erhalten" habe. Was das für die Zukunft der Zugproduktion in Krefeld über das Jahr 2024 bedeutet, ist ungewiss.

Ralf Claessen von der Krefelder IG Metall hält das Ganze für einen Schnellschuss. "Jedes Jahr das gleiche Spiel. Statt langfristige, innovative Lösungsansätze für Standorte vorzulegen, dreht das Management wieder einmal nur an der Personalkostenschraube. Warum Personalabbau an einem hoch effizienten Standort, der noch dazu einen sehr geringen Personalkostenanteil hat, Siemens nach vorne bringen soll, erschließt sich nicht. Bis jetzt wirkt das alles nicht durchdacht. Wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, wird die IG Metall gemeinsam mit Betriebsräten und Beschäftigten die Situation bewerten und über das weitere Vorgehen beraten."

 
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