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Krefeld
Siempelkamp-Anlage fällt nach Feuer mehrere Monate aus

Krefeld: Siempelkamp-Anlage fällt nach Feuer mehrere Monate aus
Die Feuerwehr löschte am Freitag Mittag innerhalb einer Stunde auf dem Werksgelände am Inrath den Brand in einem Kühlturm des Schmelzofens Gerta, in dem unter anderem mit Quecksilber oder Radionukliden natürlichen Ursprungs verunreinigte Industriemetalle eingeschmolzen werden. FOTO: Strücken
Krefeld. Insbesondere die Reparatur des Kühlturms wird länger dauern. Von Norbert Stirken

Die Ursache und die Folgen des Feuers bei Siempelkamp am Freitag sind noch nicht komplett ermittelt. Doch schon jetzt steht fest, dass die Schmelzanlage Gerta voraussichtlich monatelang außer Betrieb bleiben wird. Die Höhe des Schadens ist gleichwohl geringer als zunächst befürchtet. Aus Kreisen der Feuerwehr war von einer komplett zerstörten Messwarte und Wiederbeschaffungskosten in Millionenhöhe die Rede. "Nach Rückfrage kann ich ihnen den Millionenschaden nicht bestätigen, diesen aber zumindest schon einmal dementieren. Folgende Komponenten sind bei dem Brand in Mitleidenschaft gezogen worden: Der Kühlturm wurde beschädigt, die Messwarte wurde beschädigt, und die Emissionsmessgeräte wurden beschädigt", informierte Unternehmenssprecher Christian Hassler gestern auf Nachfrage unserer Redaktion.

Die - offenbar viel teurere - Leitwarte hingegen sei nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Für die Wiederbeschaffung der beschädigten Komponenten sei ungefähr ein Zeitraum von sechs bis acht Wochen nötig. Der Wiederbeschaffungswert liege definitiv nicht im Millionenbereich, könne aber einen sechsstelligen Wert erreichen, ergänzte Hassler. Derzeit werde die genaue Schadenshöhe ermittelt- "Wir können daher noch keine konkreten Aussagen hierzu treffen", so der Sprecher.

Feuer bei Siempelkamp in Krefeld FOTO: Lothar Strücken

Es sei richtig, dass beim Brand eines Kühlturms der Firma Siempelkamp in Krefeld die Messwarte der Anlage ebenfalls beschädigt wurde, bestätigte Christian Brämswig von der Bezirksregierung Düsseldorf. Da es sich um eine genehmigungsbedürftige Anlage nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz handele, sei die Bezirksregierung Düsseldorf die zuständige Zulassungs- und Überwachungsbehörde.

"Aus unserer Sicht gibt es derzeit vor einer Wiederinbetriebnahme keine speziellen Auflagen." Die Anlage müsse natürlich vorher wieder voll funktionstüchtig sein. Dementsprechend müsse die Messwarte mit Kontroll- und Auswerteeinrichtungen erst repariert werden. Außerdem sei der Kühlturm zunächst wieder instand zu setzen. "Insbesondere die Reparatur des Kühlturms wird nach Auskunft der Firma länger dauern", erklärte Brämswig. Vorab sei auch noch die Statik des Gerüstes zu prüfen, das durch die Hitzeeinwirkung eventuell Schaden genommen habe. Ein konkretes Wiederinbetriebnahmedatum werde also erst in den nächsten Wochen feststehen.

Siempelkamp betont noch einmal, dass in der Anlage Gerta, aber auch in der Anlage Carla keine radioaktiven Abfallstoffe verbrannt, sondern leicht radioaktives Metall eingeschmolzen werden. Das Unternehmen unterscheidet dabei Radionuklide natürlichen Ursprungs und solche aus kerntechnischen Anwendungen.

Bei den Recycling-Aktivitäten Siempelkamps werden in der Schmelzanlage Carla (Centrale Anlage zum Recyclieren Leichtaktiver Abfälle) metallische Reststoffe aus kerntechnischen Anwendungen eingeschmolzen und dadurch die einzelnen Komponenten voneinander getrennt. So werden verschiedene Komponenten dem regulären Rohstoffkreislauf zugeführt, beziehungsweise Restaktivitäten können volumenreduziert fachgerecht entsorgt und somit endgelagert werden. "Eine Endlagerung findet auf unserem Betriebsgelände in Krefeld definitiv nicht statt", versichert Hassler.

In der Gerta-Schmelzanlage (Großtechnische Einrichtung zum Recyclieren Toxischer Abfälle), die zum Zeitpunkt des Feuers im Kühlturm nicht in Betrieb war, werden keine radioaktiven Reststoffe aus kerntechnischer Anwendung behandelt. Es sei aber richtig, dass Radionukliden natürlichen Ursprungs in den Reststoffen enthalten sein können, sagt der Firmensprecher. In der Erdgasindustrie beispielsweise - einem weiteren wesentlichen Abfallerzeuger von quecksilberkontaminiertem Schrott - fielen ebenso große Mengen an, die zudem mit Radionukliden natürlichen Ursprungs (NORM) verunreinigt seien, so dass deren Verwertung hohe Anforderungen an eingesetzte Technologie und Personal stelle, erklärt der Fachmann.

Quelle: RP
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