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Konzern für Maschinenbau
Siempelkamp baut 350 Stellen ab: Die meisten in Krefeld

Siempelkamp baut 350 Stellen ab, rund 200 davon in Krefeld
Der Krefelder Konzern für Maschinenbau, Gusstechnik und Ingenieurleistungen hat 2015 gute Geschäfte gemacht, stellt sich jetzt aber internationaler auf und produziert verstärkt in China. FOTO: KA
Krefeld. Der Krefelder Konzern für Maschinenbau, Gusstechnik und Ingenieurleistungen hat 2015 gute Geschäfte gemacht, stellt sich jetzt aber internationaler auf und produziert verstärkt in China. Von Norbert Stirken

Der Krefelder Siempelkamp-Konzern baut in diesem und dem nächsten Jahr 350 Stellen in Deutschland ab - die meisten davon in Krefeld. Das teilte Hans W. Fechner, Sprecher der Geschäftsführung, gestern in der Firmenzentrale am Inrath mit. Allein die Gießerei in Krefeld wird mehr als 100 Arbeitsplätze verlieren. Die Zielgröße liegt bei 330 bis 350 Beschäftigten. Aber auch die Krefelder Gesellschaften für Maschinenbau sowie die für Ingenieurleistungen und Service (vormals Nukleartechnik) und sogar die Konzernmutter sind betroffen. "Die Details zum Stellenabbau sind noch nicht festgelegt", sagte Fechner. Betriebsbedingte Kündigungen schließt der Manager nicht aus.

Siempelkamp baut überall in Deutschland Stellen ab, um sich internationaler aufzustellen. Vor allem der chinesische Markt spielt eine große Rolle. Lohnkosten und Stahlpreise sowie die Nähe zu den Kunden sprächen für ein Engagement vor Ort, sagte Fechner. In Qingdao hat Siempelkamp auf eigenem Terrain im Oktober 2015 zwei große Hallen für den Maschinenbau in Betrieb genommen. Der Bau einer dritten Halle sei in Vorbereitung. Siempelkamp baut in China Pressen mit Komponenten chinesischer Zulieferer für die Bedürfnisse der asiatischen Kunden zu günstigen Preisen. "Wir stehen unter Kostendruck und können mit deutschen Löhnen und deutschen Standards den Wettbewerb nicht aufnehmen", erklärte Fechner.

Der Schritt sei in die Zukunft gerichtet und nicht aus der Not geboren, betonte der Geschäftsführer. Das zurückliegende Jahr sei in der Summe nämlich deutlich erfolgreicher gewesen als kalkuliert. Statt eines erwarteten Jahresumsatzes von rund 500 Millionen Euro liege das vorläufige Konzernergebnis bei mehr als 600 Millionen Euro. Der Maschinenbau sei der Motor, die in Engineering and Service umgebaute Nuklearsparte habe die Talsohle durchschritten, und lediglich für die Gusstechnik zeige die Kurve nach unten.

Außer in China will Siempelkamp im tschechischen Blatnice expandieren. Auch dort soll eine neue Produktionshalle errichtet werden. Langfristige Bemühungen unternimmt das Krefelder Unternehmen in Brasilien.

"Herz und Hirn des Konzerns bleiben in Krefeld", verspricht Fechner. Er spricht von "Dumm-Komponenten", die im Ausland deutlich kostengünstiger hergestellt werden können. Die hochwertigen, komplizierten, anspruchsvollen Aufträge sollen auch in Zukunft in Deutschland erledigt, das Spezialwissen - sprich Knowhow - gesichert werden. Daten- und Ideenklau seien im Konzern eine ständige Gefahr und auch Thema: Teilkonstruktionen von Siempelkamp-Innovationen ließen sich schon für 50.000 US-Dollar erwerben. Das Unternehmen reagiert vorsorglich auf den Datendiebstahl, in dem es unter anderem Pläne verschlüsselt oder sie nur unvollständig an unterschiedlichen Stellen speichert.

Im Spezialwissen liege auch die Zukunft der Gießerei, die definitiv nicht verlagert werden könne - wegen der enormen Kosten. Siempelkamp sei in der schwierigen Branche immer noch Marktführer. "Weil wir riesengroße und hunderte Tonnen schwere Gussteile produzieren können", berichtete Fechner. Ein weiteres Standbein der Gießerei bleibt vorerst die Produktion der Castor-Behälter für den Transport radioaktiven Materials.

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