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Krefeld
Siempelkamp baut Großanlage für die russische Holzindustrie

Krefeld: Siempelkamp baut Großanlage für die russische Holzindustrie
Die Skizze zeigt das Aussehen der neuen Anlage für die Spanplattenproduktion in Russland, die Siempelkamp mit Partnern aus der eigenen Firmengruppe bis Sommer 2017 dort realisiert. Links die Trocknertrommel der Firma Büttner. FOTO: SK
Krefeld. Die Siempelkamp Maschinen- und Anlagenbau GmbH steht dem Familienunternehmen Pallmann in der Krise bei und übernimmt weitere Anteile des Spezialisten für die Zerkleinerungs- und Aufbereitungstechnik. Von Norbert Stirken

Die Retter kommen aus Krefeld: Vom Erfolg der Mission hängt in Teilen auch das eigene Wohlbefinden ab. Denn die rheinland-pfälzische Firma Pallmann aus Zweibrücken zählt zu einem Firmenverbund, der unter dem Dach der Krefelder Siempelkamp-Gruppe Komplettlösungen für die Holzindustrie anbietet. Der aktuelle Großauftrag aus dem russischen Balabanovo zur Lieferung und zum Bau einer Spanplattenanlage ist die erste Nagelprobe für Siempelkamp-Geschäftsführer Hans Fechner. Der erfahrene Manager kehrt in den Finanzvorstand von Pallmann zurück, um das Familienunternehmen mit 370 Beschäftigten in Zweibrücken und 700 weltweit wieder auf Kurs zu bringen. Der Spezialist für die Zerkleinerungs- und Aufbereitungstechnik leidet unter dem Verfall des Ölpreises und den Entwicklungen in Brasilien. Niemand ordere derzeit in Recycling von Kunststoff, erklärte Hartmut Pallmann öffentlich.

Im Jahr 2012 rettete Siempelkamp das Unternehmen bereits einmal vor der Insolvenz. Nun ist Fechner ein zweites Mal gefordert. Die stärkere Verantwortung des langjährigen Partners hat ihren Preis. Der Gesellschaftsanteil von Siempelkamp bei Pallmann mit eigenen Maschinenfabriken, Tochtergesellschaften, Lohnmahlwerken und Vertriebsstützpunkten in Europa, Nord,-und Südamerika, Asien und China steigt von 25 auf 45 Prozent.

Das Unternehmen in Zweibrücken benötigt Hilfe: Siempelkamp vergrößert seine Geschäftsanteile und schickt Manager Hans Fechner in den Finanzvorstand. FOTO: Siempelkamp

Dafür bieten die Krefelder verlässlich Aufträge - vermehrt aus den früheren Sowjetrepubliken. Mit dem Auftrag des russischen Anlagenbetreibers Plitspichprom ging für Siempelkamp ein erfolgreiches Jahr 2015 zu Ende, in dem alleine für den russischen Markt vier Aufträge erteilt wurden. Erneut setzte ein langjähriger Kunde auf Full Service-Kompetenz von Siempelkamp. Bereits 1990 orderte die Sojus-Gruppe zwei Siempelkamp-Anlagen für ihren Standort Priosersk im Norden Russlands - damals eine Premiere, denn im Rahmen dieses Auftrages lieferte Siempelkamp die erste kontinuierliche Presse für den russischen Markt überhaupt.

Der aktuelle Auftrag umfasst nun eine Komplettanlage für die Spanplatten-Produktion, die am Standort Balabanovo errichtet wird und eine Mehretagen-Spanplattenanlage sowjetischer Bauart ersetzt. Die Anlage ist für eine Jahresleistung von bis zu 180.000 Kubikmetern ausgelegt. Die komplette Frontpartie mit Hacker, aber auch Zerspaner und Mühlen kommen von Pallmann. Speziell auf den Kundenbedarf sind Span- und Streutechnik zugeschnitten, denn Plitspichprom ist Experte für Spezial-, insbesondere Arbeitsplatten.

Bei der Deckschichtstreuung kommt eine Entwicklung der italienischen Siempelkamp-Tochter CMC Texpan zum Einsatz. Dieses optimierte Windstreukonzept erzielt eine nie da gewesene, noch gleichmäßigere Streuung der Deckschichtspäne. Vorteil für den Kunden: verringerter Materialeinsatz bei verbesserter Flächengewichtstoleranz und deutlich reduziertem Energieverbrauch. Die Trocknungstechnik kommt wie stets von der Siempelkamp-Tochter Büttner: ein Trommeltrockner mit einem Materialdurchsatz von 36 Tonnen pro Stunde. Zum Lieferumfang gehören auch die Siebtechnik, eine komplette Leimaufbereitung und -dosierung, die Absaug- und Filtertechnik, der Thermoölkessel, die Kühl- und Abstapelanlage sowie die Automatisierungs- und Antriebstechnik für die Gesamtanlage. Die neue Anlage erschließt Plitspichprom nicht nur eine erhöhte Produktflexibilität und Anlagenverfügbarkeit, sondern vor allem höchste Wirtschaftlichkeit im hart umkämpften Markt der russischen Holzwerkstoffindustrie. Der Montagestart in Balabanovo ist für September vorgesehen, die Inbetriebnahme soll im Sommer 2017 erfolgen.

Quelle: RP
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