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Krefeld
Siempelkamp: Rekord-Presse geht in Betrieb

Krefeld: Siempelkamp: Rekord-Presse geht in Betrieb
Die Spezialisten von Siempelkamp montieren im chinesischen Longkou die 50.000-Tonnen- FOTO: Siempelkamp
Krefeld. In der Belegschaft von Siempelkamp macht sich neben der Trauer über den beabsichtigten Stellenabbau auch Wehmut breit. In Longkou in der Provinz Shandong in China findet in diesen Tagen die Endabnahme für eine Presse aus Krefeld statt, deren Gussteile in ihrer Dimension Weltrekord bedeuten. Gleichsam 320 Tonnen geballte Leistungsfähigkeit der Arbeiterschaft aus Krefeld. Doch auch solche Superlative verhindern nicht, dass der Siempelkamp-Konzern weite Teile der Produktion im Maschinenbau nach China in ein eigenes Werk verlegen will. Von Norbert Stirken

Heute - fast auf den Tag genau - vor zwei Jahren startete der wohl spektakulärste Schwerlasttransport der Firmengeschichte vom Gelände der Siempelkamp Maschinen- und Anlagenbau GmbH am Inrath. Komponenten der bislang größten in Deutschland gebauten Gesenkschmiedepresse mit einer Presskraft von 50.000 Tonnen und ihrer kleinen Schwester - einer 12.500-Tonnen-Presse - wurden zu ihrem Bestimmungsort in China gebracht, um Komponenten für den Airbus A 380 zu fertigen.

Der Aufbau, der aus zahlreichen Einzelteilen bestehenden Großpresse ist jetzt nahezu abgeschlossen, die so genannte Gesenkschmiede fast betriebsbereit. "Die Endabnahme steht kurz bevor", sagte Siempelkamp-Unternehmenssprecher Christian Hassler gestern aus Anfrage unserer Redaktion. Rund 80 Millionen Euro ist der Auftrag wert.

Ralf Griesche zeigt ein Modell der Presse - rechts eine Figur, die die Größenverhältnisse zeigt. FOTO: Thomas Lammertz

Für Christoph Schmitz, Gruppenleiter Mechanische Konstruktion bei Siempelkamp, liegt die 50.000-Tonnen-Presse voll im Trend: "Die Verarbeiter erwarten Gesenkschmiedepressen mit immer größerer Kraft, Pressfläche und Präzision bei möglichst hohen Taktzahlen." Unter seiner Leitung konstruierte Siempelkamp auch die Presse für China. Um sie zu entwickeln und zu bauen, waren 40 000 Fertigungsstunden nötig.

Bereits wenige technische Spezifikationen von Auftraggeber Nanshan wie Durchgangshöhe, lichte Weite zwischen den Pressenständern, zulässige Verformung der Bauteile sowie die Abmessungen der vier mal sieben Meter großen Arbeitsfläche markierten die Dimension der Anlage. Der geplante Einsatzzweck, Strukturteile aus Titan, Titan-Aluminium oder Inconel mit 500 Meganewton und einer Umformgeschwindigkeit von 0,05 Millimetern pro Sekunde umzuformen, konkretisierte die damit verbundene Herausforderung.

Für Christoph Schmitz fast schon Alltag, wurden doch bereits eine 45.000 Tonnen- sowie eine 20.000 Tonnen-Presse von Siempelkamp ausgeliefert. "Das Konstruktionsprinzip - ein vorgespannter Pressenrahmen aus Unterholm, Seitenständern, Oberholm und Zugankern - wird auf die vom Kunden vorgegebenen Belastungen ausgelegt", sagt der Diplom-Ingenieur. Diese individuelle Gestaltung macht jede der XXL-Pressen zu einem Unikat, das in enger Abstimmung zwischen den Ingenieuren in Konstruktion, FEM-Berechnung, Gießerei und Fertigung bei Siempelkamp entsteht.

Bei der ersten von drei Lieferungen vor zwei Jahren haben 26 Teile mit Stückgewichten zwischen 89 und 287 Tonnen Krefeld verlassen und innerhalb von 65 Tagen den Hafen von Longkou in China erreicht. Allein die Kosten des Transportaufwands beliefen sich auf rund 3,5 Millionen Euro.

Wenn die Rekordpresse in Betrieb geht, dann wird sie von riesigen Zylindern und 150.000 Litern Hydrauliköl angetrieben. Hans Fechner, Sprecher der Geschäftsführung, hatte dazu seinerzeit einen hübschen Ingenieur-Zweizeiler parat: "Unendlich wird des Schlossers Kraft, wenn er mit Hydraulik schafft."

Quelle: RP
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