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Krefeld
Solistin fotografiert Orchester im Sinfoniekonzert

Krefeld: Solistin fotografiert Orchester im Sinfoniekonzert
Olga Scheps spielte Tschaikowskys berühmtestes Klavierkonzert. FOTO: U.Arens
Krefeld. Mit einer überraschenden Aktion und grandiosem Spiel begeisterte die Pianistin Olga Scheps im Seidenweberhaus. Von Heide Oehmen

Die Pianistin Olga Scheps war es, die vor fünf Jahren Mihkel Kütsons Einstand als Generalmusikdirektor (GMD) des Theaters Krefeld Mönchengladbach mit dem Klavierkonzert von Edvard Grieg begleitete. Damals war sie der 26-jährige Shooting-Star, der zu großen Hoffnungen Anlass gab. Inzwischen ist die gebürtige Russin, die in Deutschland aufwuchs und von Alfred Brendel gefördert wurde, eine international gefragte Künstlerin.

Beim ersten Sinfoniekonzert der Saison im sehr gut besuchten Seidenweberhaus erfüllte die Künstlerin einen Publikumswunsch: Sie spielte das 1. Klavierkonzert b-Moll op.23 von Peter Tschaikowsky, das hier vor 17 Jahren zum letzten Mal in einem Sinfoniekonzert erklang - seinerzeit mit Lilya Zilberstein.

Olga Scheps verfügt über alles, was dieses zunächst als unspielbar abgelehnte Werk erfordert: die fast männlich anmutende Kraft für die Fortissimo-Kaskaden und den zarten, beinahe hingehauchten Anschlag für die elegischen Passagen. Ihr untadeliges technisches Vermögen ist gepaart mit musikantischer Freude und gezügeltem Temperament. Kütson und sein erkennbar begeistertes Orchester waren der Künstlerin ebenbürtige Partner, denen sie am Schluss ausdrücklich dankte, ihr Handy aus der Tasche zog und die Musiker der Reihe nach fotografierte. Das Publikum war hingerissen und staunte, dass die Kraft der "Echo Klassik"-Preisträgerin dann noch für eine virtuose Zugabe reichte.

Eingerahmt wurde das beliebte Klavierkonzert von böhmischer Melodienseligkeit samt dem dazugehörigen Feuer. Als Auftakt erklang das "Fantastische Scherzo" von Josef Suk (1874-1935), der unverdient immer im Schatten seines Schwiegervaters und Förderers Antonin Dvorák stand. Schon hier ließen die Niederrheinischen Sinfoniker durch genüsslich ausgekostete Kantilenen (Celli!) und brillante Holzbläsersoli aufhorchen. Als großer Gewinn erwies sich bereits bei seinem Einstand der neue Soloflötist des Orchesters, der junge Mexikaner Darío Portillo Gavarre, der nicht nur die anspruchsvollen Soli souverän und klangschön bewältigte, sondern sich auch wie selbstverständlich in sein neues Orchester einfügte.

Kütson und die immer mehr auf seinen klar zeichnenden, doch der individuellen Entfaltung Raum gebenden Leitungsstil eingeschworenen Musiker steigerten sich noch in einem von Dvoraks Meisterwerken, der 8. Sinfonie G-Dur op.88, die - beispielsweise durch den stilisierten Walzer (Scherzo) - Anklänge an Tschaikowskys fünfte Sinfonie nicht verleugnen kann. Der Klangpracht der Ecksätze - im Schlusssatz wesentlich getragen von den präsenten, doch nie zu vordergründigen Blechbläsern - und der Melancholie im Adagio gaben sie einfühlsamen und faszinierenden Ausdruck.

Ein umjubelter, verheißungsvoller Auftakt zur neuen Saison.

Zweites Konzert: Freitag, 15. September, 20 Uhr, Seidenweberhaus Kartentelefon: 02151 805125

Quelle: RP
 
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