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Krefeld
Sopranistin mit Schwäche für Rock-Musik

Krefeld. Ihr Vater war Rockgitarrist in der DDR, sie selbst landete bei der Klassik. Nun bekam Sophie Witte den Förderpreis der Gesellschaft der Freunde des Krefelder Theaters. Von Gert Holtmeyer

"Wenn die Gesellschaft der Freunde des Krefelder Theaters", so ihr Vorsitzender Heinrich Rungelrath, "den Förderpreis für junge Künstler nicht schon seit Jahren vergeben würde, dann hätten wir ihn in diesem Jahr für Sophie Witte erfinden müssen." Seit der Spielzeit 2012/13 ist die junge Sopranistin festes Ensemblemitglied am Theater Krefeld-Mönchengladbach. Erfolgreich hat sie hier schon zahlreiche dankbare Rollen übernommen, so etwa die Namenscousine Sophie aus dem Rosenkavalier oder die Susanna in Mozarts "Le nozze di Figaro". Nach ihrer Lieblingsrolle gefragt, zögert sie keinen Augenblick mit der Antwort: Manon in Massenets gleichnamiger Oper.

Woher stammt diese sympathische junge Künstlerin? In der Matinee zur Verleihung des Förderpreises beantwortete sie im Glasfoyer des Theaters eine ganze Reihe von Fragen, die ihr Rungelrath stellte, um einen Blick auf die menschliche Entwicklung und den Werdegang der Sopranistin zu werfen. Aufgewachsen ist sie im Berliner Osten. Zwar stammt sie aus einer Musikerfamilie, aber doch einer stilistisch ganz anders orientierten. Ihr Vater war Berufsgitarrist in der renommierten DDR-Rockband "Kreis". Und auch wenn es die junge Sophie in die Klassik zog: Eine kleine Schwäche für Rockmusik ist ihr geblieben.

Da sie als Klavierschülerin nicht im Schulorchester mitspielen konnte, hatte sie am Schulchor teilzunehmen. Und da sang sie so gut, dass der Chorleiter ihr nachdrücklich empfahl, Gesangunterricht zu nehmen. Der führte erst auf Umwegen zur professionellen Sänger-Karriere; nach dem Abitur hat Sophie Witte erst einmal Musikwissenschaft und erst dann Gesang studiert.

Gibt es noch andere Interessen und einen Ausgleich zum Singen, wollte Rungelrath von ihr wissen. Ja: Sport (Joggen) und Lesen. Zurzeit liest sie Thomas Manns "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull". Allerdings: Hochstapeln hat sie nicht nötig, sie kann ihr Metier.

Das deutete auch Bernd Diener an, der als Evonik-Standortleiter den von Evonik finanzierten, mit 1500 Euro dotierten Preis überreichte und dabei hervorhob, dass nicht nur Wittes stimmliche Fähigkeiten beachtlich sind, sondern auch ihre menschliche Ausstrahlung.

Davon durfte sich das begeisterte Publikum in einem Konzert überzeugen, das ganz französischen Komponisten gewidmet war. Wie sie und Michael Preiser am Klavier Werke von Gabriel Fauré, Charles Koechlin und Francis Poulenc interpretierten, das zeugte, trotz der noch jungen Jahre, von hoher Qualität und großer künstlerischer Reife. Romantisch-zärtlich erklangen Lieder wie Faurés "Notre Amour" und "Claire de lune", witzig Poulencs "Fêtes Galantes" und charmant, vom selben Komponisten, "Les chemins de l'amour".

Begeisterter Applaus.

Quelle: RP
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