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Krefeld
Sorge um Bestand des Alten Marienheims

Krefeld: Sorge um Bestand des Alten Marienheims
Neogotischer Figurenschmuck am Alten Marienheim. FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Die Schließung des Alten Marienheims ist nur ein Thema für die Gemeinde St. Johann Baptist. Sie sorgt sich umfassend um das schöne Gebäude. Es steht nicht auf der Denkmalliste der Stadt Krefeld. Von Jens Voss

Vielleicht ist ja die Hals-über-Kopf-Schließung des Alten Marienheims der Gemeinde St. Johann Baptist - wir berichteten - eine Art Fanal, das zur Rettung eines beeindruckend schönen Gebäudes beiträgt. Dabei steht das Alte Marienheim nicht auf der Denkmalliste der Stadt. "Das Alte Marienheim hat eine bestätigt gute Bausubstanz, kostbare Fliesen und Wandschränke, herrliche Kunstblei-Verglasung in einigen Türen; das alles aus der Zeit, da das Haus ein Kloster der Augustinnerinnen war", beschreibt Adelheid Loosen das Innere des Gebäudes, für dessen Erhalt die Gemeinde keine Zuschüsse vom Bistum erhält. Loosen ist seit 2005 ehrenamtlich in der Gemeinde St. Johann Baptist und seit der Fusionierung 2010 zur "Gemeinschaft der Gemeinden" (GdG) Süd Vorsitzende des Gemeindeausschusses. Sie sorgt sich um den Erhalt des Komplexes.

Das Gebäude mit dem schönen Eingangsportal sei "leider ein Torso", schreibt Loosen an unsere Reddaktion, und zwar seit die Caritas vor 25 Jahren den Neubau des Altenheims errichtet habe (Adresse: Johannesplatz 28). "Dabei wurden die sich anschließenden Räume und Flure des Alten Marienheims vom Keller bis zu den oberen Stockwerken mit Brandschutzsteinen zugemauert", berichtet Loosen. Ein Eingriff mit Folgen: Hauptsächlich aus diesem Grund seien Versuche des Kirchenvorstandes der damals noch selbständigen Pfarrei St. Johann gescheitert, für dieses Haus einen Käufer zu finden. "Stattdessen drohte das wertvolle und traditionsreiche Haus eine Bauruine zu werden", beklagt Loosen.

Dem wollte die Gemeinde St. Johann mit Pfarrer Schwarzmüller entgegenwirken, indem versucht wurde, das Gebäude zu beleben. "Den Pfarrsaal und die Küche nutzten wir selbst für die Zusammenkünfte der Gemeinde und der Gremien, für Glaubensseminare der Geistlichen Bibelschule Niederrhein, vor allem für die wöchentlich stattfindende Sonntagsbeköstigung der Bedürftigen (zum Teil mit spirituellem Programm) sowie für den Deutschunterricht für zahlreiche Flüchtlinge."

Ferner überließ der Gemeindeausschuss einige Räume verschiedenen Personen und kleinen Gruppen, die ihre Räume selbst und mit ehrenamtlicher Hilfe aus der Gemeinde renovierten. "Es waren Waschbecken, Lampen, Fußbodenbeläge, Türen und so weiter herausgerissen worden; Berge von Schutt mussten entsorgt, stromführende Kabel fachmännisch stillgelegt werden", berichtet Loosen. "Wir vereinbarten ein Nutzungsentgelt, das monatlich an die Pfarrei Maria Frieden überwiesen wurde (jährlich 6000 Euro). Außer den Künstlern der Freien Rhein-Ruhr-Akademie waren dies die portugiesische Gemeinde, die Gebetsgruppe Legion Mariens und ein Gesanglehrer, eine Laienspielgruppe und jugendliche Fans eines Fußballclubs (teils aus der Gemeinde). Loosen zweifelt daran, dass es - wie von GdG-Leiter Pfarrer Mertens unter Berufung auf den TÜV gemeldet - wirklich Ehrenamtliche waren, die Elektro-Leitungen so unfachmännisch verlegt haben, dass der TÜV die sofortige Schließung empfahl. "Die Elektro-Leitungen wurden - soweit wir wissen - nicht von Ehrenamtlichen verlegt", sagt Loosen; das Haus sei gute 100 Jahre alt, und manche Leitungen seien nicht viel jünger. "Es wurden durchaus fachmännische Arbeiten und Reparaturen vorgenommen, ebenso im Wasser- und Heizungsbereich und auf dem Dach", betont Loosen. Mit Bedauern verweist sie darauf, dass es in den vergangenen Jahren keine Begehung seitens eines Sicherheitsbeauftragten der Pfarrei oder des Bistums gegeben habe, die auf Mängel hätte aufmerksam machen können; auch die Begutachtung aller Gebäude durch die Josefsgemeinschaft aus Bamberg im Zusammenhang mit KIM (Kirchliches Immobilien Management) habe keine akute Brandgefahr gemeldet. "Schade, es wäre vielleicht noch Zeit gewesen, gravierende Mängel zu beheben", sagt Loosen bedauernd. Hintergrund für diese Bemerkung: Die Gemeinde ist geschockt, dass ihr von jetzt auf gleich ein Gebäude fehlt, das sie intensiv für gemeindliche und diakonische Zwecke genutzt hat. Freilich, die Gemeinde fasst schon Mut: "Jetzt stehen wir noch geschockt und ratlos da", sagt Loosen, "aber mit Gottes Hilfe, die wir uns unter anderem ersingen im Lobpreis, auf Fürsprache von Mutter Teresa und mit kreativen Ideen und vielen helfenden Händen halten wir unser Herz bereit und den Kopf oben!", schreibt Loosen.

Die Gemeinde St. Johann Baptist lädt zum nächsten Festgottesdienst ein: "Am 4. September werden wir die Heiligsprechung Mutter Teresas, der Patronin unserer Anbetungskapelle, feiern: Herzliche Einladung zur Festmesse um 11.15 Uhr und zum anschließenden Programm (Mittagessen, Lobpreis, Zeugnisse von Suchtkranken, Dokumentarfilm, Kaffeetafel und anderes mehr)."

Quelle: RP
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