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Krefeld
Sotheby's stellt Werke von Herbert Zangs aus

Krefeld. Sotheby's und Kunst - das ist eine Geschichte der Superlative. Hohe Millionenbeträge wechseln den Besitzer, wenn das traditionsreiche Auktionshaus einzigartige Skulpturen, Malereien und andere Schätze anbietet. Jetzt ist der Krefelder Avantgardist Herbert Zangs bei Sotheby's in Amsterdam in den Fokus geraten. Von Norbert Stirken

Heute um 18 Uhr beginnt die Ausstellung seiner Werke mit dem Titel "Vier Jahrzehnte des Sammelns".

Marlene Dietrich, Günter Grass, Hildegard Knef, Albert Camus, Henry Miller, Joseph Beuys und viele andere berühmte Zeitgenossen und Freunde des Krefelder Lebemanns und Kunstpioniers Herbert Zangs würden begeistert Spalier stehen, um Applaus zu spenden. Die Arbeiten des im Jahr 2003 verstorbene Künstlers aus der Seidenstadt geraten zunehmend ins Visier der großen Museen, visionären Sammler und namhaften Institutionen. Kuratoren holen seine Ver-Weißungen, Scheibenwischerbilder, Materialkästen, Blasenbilder und andere Raritäten aus den Depots, um sie zu restaurieren und zu zeigen. Oder zu verkaufen: Auf der Kunstmesse in München wurden seine Scheibenwischerbilder für knapp 150.000 Euro angebotene.

Zangs ist dabei, posthum doch noch die Anerkennung zu bekommen, die sein Schaffen verdient. Zuletzt waren seine Arbeiten im Moskauer Pushkin-Museum ausgestellt, im Februar 2018 eröffnet die größte und umfassendste museale Präsentation im Museum für Neue Kunst in Karlsruhe. Begleitend ist die Herausgabe des neuen Standardwerks über das Leben und Werk des Kunstanarchisten Zangs vorgesehen. Museum, Professor Axel Heil und der niederländische Kunsthistoriker Antoon Melissen bereiten die Publikation vor.

Niederlande ist ein gutes Stichwort. Sotheby's in der holländischen Metropole Amsterdam laden zur Ausstellung "Herbert Zangs - Four Decades of Collection" ein. Heute um 18 Uhr ist die Vernissage. Die Präsentation dauert von morgen bis zum 1. Dezember. Mit dem Vorzeigen einer Auswahl seiner Malerei, Papierarbeiten, Skulpturen und Multiples ist es jedoch nicht getan. Sotheby's organisiert darüber hinaus ein Frühstück mit Expertenrunde. Die Ausstellung ist Teil der "Amsterdam Art Week".

Zangs benutzte Fundstücke, Farbreste, Packpapier, Bierdeckel und Karton für seine Kunst, übermalte die Collagen und Materialbilder weiß, später schwarz, befasste sich als einer der ersten mit serieller Herstellung wie bei den Scheibenwischerbildern. In den 1970er Jahren sorgte er für einen Skandal, weil er Bilder rückdatiert hatte - aber mit einer charmanten Begründung. Die Bilder seien mit dem Jahr datiert, indem das Konzept dazu entstanden sei. In seiner letzten Lebensphase blieb er schwer beeinträchtigt nicht untätig, lieferte Rollstuhlbilder.

Zangs war kein Freund der Konventionen. Er eckte an, er brüskierte. Wohlfeiles Geschäftskalkül war ihm fremd. Er lebte und liebte stattdessen das Tauschgeschäft. Viele in seinem Umfeld kamen so in den Besitz eines echten Zangs - Wirte, Händler, Apotheker, Anwälte und Ärzte. Nicht alle wussten den Wert der Arbeiten zu schätzen. Dass dies anders wird, daran wirkt nun auch Sotheby's mit.

Quelle: RP
 
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