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Krefeld
Spanisches Gitarren-Flair erklang auf der Burg Linn

Krefeld. "Two Four Twelve" bestritt im Rittersaal die Serenade. Von Mojo Mendiola

Zwei Gitarren, vier Hände, zwölf Saiten und eine Repertoire-Gestaltung ohne Schubladendenken zeichnet das Duo "Two Four Twelve" aus, das am Freitag, gesponsert von der Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung, im Rittersaal der Burg Linn die Serenade bestritt. Und obwohl sie dem Studentenalter gerade erst entwachsen sind, suchten sie nicht mit ungestümer Jugendlichkeit zu beeindrucken, sondern boten ein Konzert reich an ruhigen und lyrischen Momenten.

Mit "Sevilla" von Isaac Albeniz (1850 - 1909), einem ursprünglich für ein Klavier komponierten Stück, eröffneten sie den Abend und brachten spanisches Flair in den ausklingenden Sommer. Wie in vielen Arrangements, die sie benutzten, waren die beiden Gitarrenstimmen dicht beieinander geführt, viele Passagen wurden unisono oder beinah unisono gespielt. Das galt allerdings weniger in zwei Werken von Johann Kaspar Mertz (1806 - 1856), einem Ungarn, der sich musikalisch auch von Wien beeinflussen ließ. In "Am Grabe der Geliebten" entlockte Alex Vidojevic seinem Instrument denn auch Töne, die an eine Zither denken ließen, während er Begebenheiten aus dem Leben der Verstorbenen zu erzählen schien, sanftmütig bestätigt von Martin Zimny. Dass es viel spanische Gitarrenmusik außerhalb des Flamenco gibt, zeigten einmal mehr die "Danzas Espanolas" von Enrique Granados (1867 - 1916). Hier arbeiteten die jungen Künstler besonders den maurischen Touch der Kompositionen sehr schön heraus und ließen beim Zuhörer Bilder aufsteigen von brunnengekühlten Innenhöfen im alten Granada und der Geschichtenverliebtheit seiner Bewohner. Die "Asturias", wiederum von Albeniz, boten mit ihren anspruchsvollen Läufen schließlich Gelegenheit, auch das rein spieltechnische Potential von Vidojevic und Zimny zu bestaunen.

Die liebliche Pocahontas-Melodie von Alan Menken leitete ein Set modernerer Titel ein, die den beiden Gitarristen auch mehr individuelles Profil gönnten. So in drei Songs aus der Küche von Lennon/McCartney, jeweils eng an die Vokalstimme des Originals angelehnt. Zimny brillierte mit herrlichem Vibrato in "Fool On The Hill", beiden gemeinsam gelang die verspielte (und von ihnen verlängerte) Einleitung zu "She's Leaving Home" noch schöner als der Harfe in der Beatles-Aufnahme, und raffiniert war auch die eigene Handschrift des Duos in "Penny Lane". Vier Kompositionen des Duos rundeten das Repertoire ab, aber von der Bühne durften die beiden erst, nachdem sie in der Zugabe doch noch einen Flamenco geliefert hatten.

Quelle: RP
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