| 00.00 Uhr

Krefeld
SPD setzt auf Wechselstimmung: "Krefeld ist keine schwarze Stadt"

Krefeld. Nach CDU und Grünen hat die SPD die heiße Phase des Wahlkampfes eröffnet. Neben Angriffen auf den CDU-Kandidaten wurde die sozialdemokratische Seele gestreichelt - mit Arbeiterliedern. Von Jens Voss

Die Sozialdemokraten demonstrieren Zuversicht, dass es nach Jahrzehnten der CDU-Dominanz in Krefeld eine Wechselstimmung gibt, die ihren Oberbürgermeisterkandidaten Frank Meyer die Wahl gewinnen lassen wird. Mit dieser Kernbotschaft hat die SPD gestern in der "Kantine" im Großmarkt die heiße Phase des Wahlkampfes eröffnet. "Es ist höchste Zeit für eine politische Wende", rief Meyer den Zuhörern unter Applaus zu, "diese Stadt ist keine schwarze Stadt."

Der Ort war Programm: Die SPD wolle keine "durchgestylte" Kampagne nach US-Vorbild machen, betonte Meyer. Die Bemerkung war auf CDU-Kandidat Peter Vermeulen gemünzt, dem die SPD mehrfach einen amerikanisierten Wahlkampfstil vorgehalten hat. Die SPD wolle "eine ordentliche krieewelsche bodenständige Party", rief Meyer. Auch bei den Wahlkampfautos setzt er sich von Vermeulen und ebenso vom Grünen-Kandidaten Thorsten Hansen ab: Wo Vermeulen auf frisch mit Vermeulen-Fotos lackierte Neuwagen und Hansen auf einen ebenfalls frisch lackierten Elektroflitzer setzt, kommt die SPD mit einer gebrauchten Piaggio Ape. Das Motor-Dreirad aus Italien soll im Straßenwahlkampf Blickfang sein. Erkennbar war die Arbeitsteilung zwischen SPD-Fraktionschef Ulrich Hahnen und Meyer: Während Meyer die Positiv-Botschaften beschwor, war Hahnen für die Abteilung Attacke zuständig. Er versuchte, in seinem Rückblick auf die jahrzehntelange CDU-Dominanz die Erinnerung auch an die beiden Oberbürgermeister zu relativieren, die nach Maßgabe ihrer Wahlergebnisse als äußerst populär zu gelten haben: Hansheinz Hauser und Dieter Pützhofen. Der Rückblick auf beide sei verklärt, sagte Hahnen und griff dann Gregor Kathstede an: "Elf Jahre Gregor Kathstede - den Krefeldern und mir steht es bis hier oben." Zwar trete Kathstede nicht mehr an, doch sei Vermeulen ein Abbild von ihm - er lasse "lieber ein Foto von sich machen als sich um die Probleme der Stadt zu kümmern". Hahnen stellte auch den von Vermeulen immer wieder profilierten Anspruch, als ehemaliger Unternehmer und amtierender Dezernent viel echte Verwaltungs- und Führungserfahrung bieten zu können, in Frage. Hahnen parierte dies mit dem Hinweis, dass Vermeulen sich als Kämmerer für Krefeld beworben habe und nicht einmal dritte Wahl seiner Partei gewesen sei.

Meyer präsentierte sich als Krefelder Jung, der seiner Heimatstadt tief verbunden sei. Wendungen wie "nah bei den Menschen", "Politik für Menschen", "keine Entscheidungen mehr weg von den Menschen" durchzogen seine Ansprache wie ein roter Faden. Er kündigte eine aktive Arbeitsmarktpolitik für die 16 000 Arbeitslosen in Krefeld sowie eine intensivere Wirtschaftsförderung an. Bei diesem Stichwort verteidigte er die mit dem Haushalt verabschiedete, von SPD, CDU und Grünen getragene Gewerbesteuererhöhung: Auch in Zeiten, als die Steuer niedriger gewesen sei, habe es dem Arbeitsmarkt und dem Wirtschaftswachstum Krefelds nichts genutzt. Auffällig viel Applaus bekam er, als er versprach, die Hochschule Niederrhein nicht zu "vernachlässigen" - was Kathstede nach SPD-Überzeugung getan hat, etwa indem er sich anders als der Mönchengladbacher OB bei Semestereröffnungen habe vertreten lassen. "Nicht mal die Bushaltestelle an der Hochschule ist nach der Hochschule benannt - provinzieller geht's nicht", sagte Meyer. Er wolle dafür sorgen, dass die Hochschule stärker als Wirtschafts- und Imagefaktor für ein dynamisches Krefeld wahrgenommen werde.

Wie von Meyer angekündigt, endete der Abend als Party und Liederabend mit Arbeiterliedern wie "Wenn wir schreiten Seit an Seit".

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld: SPD setzt auf Wechselstimmung: "Krefeld ist keine schwarze Stadt"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.