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Das erste Wunder von Uerdingen

Lokalsport: Das erste Wunder von Uerdingen
FOTO: HORSTMUELLER GmbH
Exklusiv | Fußball. Am 19. Februar jährt sich das 6:3 nach Verlängerung des FC Bayer Uerdingen im DFB-Viertelfinale gegen Eintracht Frankfurt zum 40. Mal. Radio-Legende Manni Breuckmann hat das Spiel noch in guter Erinnerung. Von Heinrich Löhr

Denkt man an die größten Vereinserfolge der Uerdinger Fußballer, dann fällt einem reflexartig das 7:3 im Europapokal über Dynamo Dresden aus dem Jahre 1986 ein. Nur die älteren wissen, dass es zu diesem Jahrhundertspiel zumindest aus Vereinssicht gewissermaßen eine Generalprobe gab, das sozusagen erste Wunder von Uerdingen - im Jahr 1977, also bereits neun Jahre zuvor. Die Dramaturgie des hoffnungslos Zurückliegens, um am Ende dann doch noch zu siegen, kennzeichnet auch das DFB-Viertelfinale zwischen dem FC Bayer Uerdingen und Eintracht Frankfurt, das sich am kommenden Sonntag zum 40. Mal jährt.

Welche Chance sollte Zweitligist Uerdingen wohl gegen die seit neun Spielen in der Ersten Liga ungeschlagene Frankfurter Eintracht haben? Die vom ungarischen Startrainer Gyula Lóránt betreuten Frankfurter, in deren Reihen mit Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein zwei 74er-Weltmeister standen, galten als haushoher Favorit.

Erschöpft in der Pause der Verlängerung: v.l. die Torschützen Friedhelm Funkel und Paul Hahn mit Norbert Brinkmann und Heinz Mostert. FOTO: Horstmüller

Das Uerdinger 1:0 (23.) durch den schwedischen Nationalspieler Jan Mattsson taten die Frankfurter noch als Betriebsunfall ab, den sie spätestens nach einer Stunde Spielzeit, als sie durch Tore von Roland Weidle, Willi Neuberger und Bernd Nickel mit 3:1 führten, als korrigiert ansahen. Auch der Anschlusstreffer von Friedhelm Funkel zum 2:3 (84.) beunruhigte den Favoriten nicht. Oder besser: Noch nicht. Denn dann folgte eine furiose Aufholjagd.

Radioreporterlegende Manfred Breuckmann, der die Partie als 25-Jähriger kommentierte, hat lebhafte Erinnerungen. "Ein Großteil der Uerdinger und Krefelder Zuschauer war gerade dabei, das Stadion zu verlassen", erzählt der Mann mit der markanten Stimme, der diese Partie in der Top-Ten seiner im Jahre 2008 beendeten Laufbahn führt. Via Äther in die Autoradios der aus dem Stadion Geflüchteten informierte er über ein von Schiedsrichter Jürgen Zuchantke nicht gegebenes Tor der Uerdinger und den letztendlichen 3:3-Ausgleich durch abermals Mattsson in der Nachspielzeit - Verlängerung, ein wirklich verrücktes Spiel nahm an diesem Karnevalssamstag - an dieses Detail erinnert sich jeder Zeitzeuge sofort - seinen Fortgang.

Trainer Klaus Quinkert und Betreuer Werner Sauer (li.) jubeln mit den Fans. Foto oben: Der schwedische Nationalspieler Jan Mattsson trifft zum 3:3 in der 90. Minute. FOTO: HORSTMUELLER GmbH

"Vorher hatten wir wirklich gar keine Chance, aber der Doppelschlag kurz vor Schluss hat selbst dieses Spitzenteam von Frankfurt völlig aus dem Konzept gebracht", erinnert sich Friedhelm Funkel, der selbst das Tor zum 2:3 erzielte. Der heutige Trainer von Fortuna Düsseldorf ist neben dem 2010 verstorbenen Franz Raschid der einzige Uerdinger Spieler, der an beiden Wunderspielen teilgenommen hat. In der vierten Minute der Verlängerung gingen die Uerdinger erneut in Führung. Jürgen Wloka, der ob seiner Technik den Spitznamen Brasilianer trug, traf zum 4:3. Zahlreiche Zuschauer, die das Stadion bereits verlassen und von der wundersamen Wendung erfahren hatten, kehrten in Scharen zurück in die Grotenburg. "Auch ich stand schon auf der Zoobrücke und bin wieder zurückgegangen", erinnert sich KFC-Fan Johannes Wouters, der als 16-Jähriger mit seinem Moped zur Grotenburg gefahren war.

Sie alle sahen noch zwei weitere Tore zum 6:3-Endstand (104., 120.). Die erzielte Mannschaftskapitän Paul Hahn, der quasi zur Belohnung am Abend Gast im Sportstudio des ZDF war. Uerdingen stand im Halbfinale, das aber am Ostersamstag 1977 mit 0:1 zu Hause gegen Hertha BSC Berlin verloren wurde.

Quelle: RP
 
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