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Analyse
Das erwartet Borussias Frauen in der 1. Liga

Fussball. Als Aufsteiger in die Bundesliga betreten Borussias Fußballerinnen völlig neues Terrain. Die Etats der Konkurrenz, die mediale Präsenz und das Zuschauerinteresse setzen für den VfL neue Maßstäbe. Das Abschneiden früherer Aufsteiger taugt dabei durchaus als Warnung. Von Thomas Grulke und Stefan Klüttermann

Am Sonntag noch daheim gegen den TSV Crailsheim und eine Woche darauf bei 1899 Hoffenheim II - dann ist sie vorbei, die historische Zweitliga-Saison der Borussia-Frauen, die den Durchmarsch in die Bundesliga bereits perfekt gemacht haben. Im Fußball-Oberhaus warten dann aber ganz andere Herausforderungen auf den Neuling. Wir nennen Bereiche, bei denen Borussia ab Sommer in neue Dimensionen vorstoßen wird.

Etat-Schere Die finanzielle Kluft zwischen den Top-Teams vom FC Bayern, VfL Wolfsburg und 1. FFC Frankfurt zum Rest der Liga ist enorm. Wolfsburg ist mit einem Etat von kolportierten 3,5 Millionen Euro Krösus, in Frankfurt sollen es 1,8 Millionen Euro sein. Borussia selbst gibt den Etat seiner Frauenmannschaft nicht bekannt, aber für den Aufsteiger sollten eher folgende Vergleichzahlen relevant sein: Aufsteiger Bremen probierte es in der laufenden Saison mit einem Etat von weniger als 500.000 Euro, und der 1. FC Lübars sah angesichts eines bis dato Etats von 200.000 Euro im vergangenen Sommer davon ab, als Meister der 2. Liga Nord sein Aufstiegsrecht wahrzunehmen. "In der Bundesliga muss man schon gute 500.000 bis 750.000 haben, um mitspielen zu können", sagte Lübars Finanzvorstand damals im "Deutschlandradio".

Zuschauerinteresse Zum Topspiel der Gladbacher vor gut einem Monat gegen die Zweitvertretung des Deutschen Meisters Bayern München kamen 285 Zuschauer ins Grenzlandstadion. Ansonsten begrüßt die Mannschaft indes um die 100 Fans bei ihren Heimspielen - bei kostenfreiem Eintritt. In der Bundesliga liegen die Zuschauerzahlen deutlich höher, im Durchschnitt kommen in der laufenden Saison 1040 Fans zu einem Bundesliga-Spiel. Liga-Primus ist der 1. FFC Frankfurt mit gut 2000 Zuschauern pro Partie, ganz unten in der Fan-Tabelle steht der 1. FC Köln, der im Schnitt 447 Gäste begrüßt. Schon diese Zahl wäre für Borussia eine enorme Steigerung.

Mediale Präsenz Mit der Bundesliga betreten Borussias Frauen den Bereich der Live-Übertragungen: Seit 2013 überträgt Eurosport pro Spieltag eine Partie der Frauenfußball-Bundesliga live. Der Rechte-Vertrag läuft indes im Sommer aus, ob und wie es weitergeht, steht noch nicht fest. Bislang fließen 180.000 Euro TV-Geld an jeden Bundesligisten. Auch im DFB-TV gibt es Live-Bilder von Spielen. Die Allianz zahlt noch bis 2019 für die Namensrechte an der Liga. Als Sponsorenerlös leitet der DFB je 100.000 Euro an die Erstligisten weiter. Geld, das eben auch Borussia zugute kommt.

Schwere Zeiten für Aufsteiger Vor neun Jahren feierten mit dem TSV Crailsheim und dem VfL Wolfsburg letztmals beide Bundesliga-Aufsteiger den Klassenverbleib. Seitdem präsentiert sich die Beletage des deutschen Frauenfußballs eher wie eine geschlossene Gesellschaft. Zwölf der 18 Aufsteiger seitdem mussten direkt wieder absteigen, nur ein Drittel hielt sich also in der Bundesliga. In der laufenden Saison stehen die Absteiger bereits zwei Spieltage vor dem Saisonende fest - es sind die Aufsteiger Werder Bremen und 1. FC Köln, denen 13 und neun Punkte klar nicht zum Ligaverbleib reichen. Knapp 20 Zähler sind in der Regel schon nötig, um gesichert zu sein.

Quelle: RP
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