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Lokalsport
Der ungeliebte (Kreis-)Pokal

Fussball. So groß die Begeisterung für den DFB-Pokal ist, im Fußballkreis Kempen/Krefeld ist der Pokalwettbewerb überhaupt nicht beliebt. Von David Beineke

Wenn sich heute Abend in Berlin der FC Bayern München und Borussia Dortmund zum wiederholten Mal im Finale des DFB-Pokals gegenüberstehen, dann fiebern nicht nur die Fans der beiden Mannschaften mit. Das Endspiel ist Jahr für Jahr zum Ausklang der Saison noch mal ein absolutes Highlight im Terminkalender der Fußballfreunde hierzulande. Wenn es allerdings um die Basis dieses Wettbewerbs geht, nämlich den Kreispokal, dann hält sich der Enthusiasmus im Fußballkreis Kempen/Krefeld stark in Grenzen.

Ein klares Indiz dafür ist zum Beispiel, dass es in dessen Zuständigkeitsbereich seit gefühlten Ewigkeiten kein Endspiel mehr gibt. Dass sich trotz intensiver Recherche noch nicht einmal ermitteln lässt, wann der letzte Kreispokalsieger ausgespielt wurde und wie er heißt, sagt überdies viel darüber aus, welche Bedeutung diesem Wettbewerb beigemessen wird. "Wenn, dann hat mein inzwischen verstorbener Vorgänger Hans-Peter Müllers eine Liste geführt. Ich kann mich nicht erinnern, wer der letzte Sieger war", sagt Hubert Hinrichs, der schon neun Jahre Vorsitzender des Kreisfußballausschusses und auch für die Organisation des Kreispokals zuständig ist. Auch bei Willi Wittmann, der kürzlich seine achte Amtszeit als Kreisvorsitzender angetreten hat, reicht das Erinnerungsvermögen nicht aus. Er nahm sich aber die Zeit und wälzte rund drei Stunden Archivordner - erfolglos. Der Einzige, der einen groben Anhaltspunkt liefern kann, ist Dirk Riether, Fußball-Abteilungsleiter von Union Nettetal: "Ich stand Ende der 80er Jahre mal mit dem Lobbericher SC im Finale. Das müsste eines der letzten Endspiele gewesen sein."

Das bedeutet allerdings nicht, dass Riether den alten Zeiten hinterher trauert. Im Gegenteil. "Für mich ist das ein relativ uninteressanter Titel. Es geht doch nur darum, sich für den Niederrheinpokal zu qualifizieren", betont Riether. Und weil der Fußballkreis Kempen/Krefeld traditionell wegen seiner großen Anzahl gemeldeter Mannschaften für die nächste Pokalstufe auf Verbandsebene mehr als einen Startplatz zugewiesen bekommt, ist ein Endspiel im Sinne einer Qualifikation nicht nötig. Weil in der nächsten Saison gleich vier heimische Mannschaften auf FVN-Ebene mitspielen dürfen, war im Kreispokal 2015/2016 sogar schon nach dem Viertelfinale Schluss.

Bezeichnend: Im Viertelfinale kamen in Gestalt des Landesligisten St. Tönis und des Bezirksligisten VfL Tönisberg zwei Teams kampflos weiter. Denn sowohl der VfR Krefeld (Kreisliga B) als auch der Dülkener FC (Kreisliga A) sagten die Partien trotz Heimrecht kurz vorher wegen personeller Probleme ab. Damit verzichteten sie nicht nur auf die Chance, in der ersten Runde des Verbandspokals auf attraktive Gegner wie den Wuppertaler SV und RW Essen zu treffen (das Finale nächste Woche Samstag), sondern auch auf die theoretische Möglichkeit, sich als Außenseiter bis in den DFB-Pokal zu spielen. Und gerade die Duelle Klein gegen Groß machen ja einen großen Reiz des Pokals aus. "Das Interesse ist einfach nicht da. Viele Vereine sagen schon vorher ihre Teilnahme ab", sagt Pokalorganisator Hubert Hinrichs. Als Gründe hat er ausgemacht, dass sich die unterklassigen Teams gegen Topmannschaften kaum Chancen ausrechnen, dass es bei den Pokalterminen unter der Woche aus beruflichen Gründen oft Personalprobleme gibt und dass die Kosten für die Ausrichtung eines Pokalspiels oft die Einnahmen überschreiten.

Dass es auch anders geht, zeigt der Nachbarkreis Mönchengladbach/Viersen. Weil dort vor vier Jahren die Zahl der Qualifikanten für den FVN-Pokal auf drei reduziert wurde, musste der dritte Platz ausgespielt werden. "Daraus haben wir dann zusammen mit den Finals der Männer und Frauen an einem eigentlich spielfreien Wochenende einen Finaltag auf die Beine gestellt, der jedes Jahr von einem anderen Verein ausgerichtet wird", erklärt Tim Stettner aus dem Kreisfußballausschuss der Gladbacher. Er versichert: "Der Finaltag kommt gut an. Der Pokal hat dadurch an Stellenwert zurückgewonnen." Vielleicht auch ein Modell für Kempen/Krefeld. Kreisvorsitzender Willi Wittmann jedenfalls betont: "So wirklich glücklich bin ich jedenfalls nicht damit, wie das bei uns läuft."

Quelle: RP
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