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Eishockey-Legende Jupp Kompalla wird 80

Lokalsport: Eishockey-Legende Jupp Kompalla wird 80
In der Rheinlandhalle ist Jupp Kompalla häufig anzutreffen. FOTO: T.L.
Eishockey. Morgen feiert der wohl bekannteste Schiedsrichter der Welt in Krefeld im Kreise seiner Familie seinen runden Geburtstag. Von H.-G. Schoofs

Als Josef (Jupp) Kompalla am Dienstagabend in der Rehinlandhalle beim Play-off-Spiel zwischen den DNL-Teams von Krefeld und Kaufbeuren gefragt wurde, wo denn am Sonntag die große Geburtstagsparty steigen wird, antwortete er: "Ich feier nur im Kreise meiner Familie." Viel Wirbel um seine Person wollte der wohl bekannteste Eishockey-Schiedsrichter der Welt nie machen. Morgen wird er 80 Jahre alt und ist als lebende Legende Woche für Woche in Eisstadien anzutreffen. "Ich suche mir jedes Wochenende drei Spiele aus. Ich hoffe, das bleibt noch lange so", sagte der Jubilar im Gespräch mit unserer Zeitung.

Jupp Kompalla galt als der beste und bekannteste deutsche Eishockey-Schiedsrichter, als er sich 1992 nach der Leitung von rund 2000 Spielen endgültig zurückzog. In jungen Jahren, bis 1958 in seiner polnischen Heimat Kattowitz und dann in Krefeld, galt er als eisenharter Verteidiger der Preussen, über den einmal ein Blatt kalauerte: "Kompalla machte bum, wieder fielen zwei Landshuter um." 1969, mit 33 Jahren, tauschte er Schläger gegen Pfeife - zufällig, wie er sagt: "In einem Lehrgang für Schiedsrichter war noch ein Platz frei, und ich habe mich breitschlagen lassen."

Hier wurde Jupp Kompalla (re.) beim Sportpressefest in Dortmund bei einem Fußballmatch auf Eis von den Spielern gejagt. FOTO: homü

In die Schiedsrichter-Laufbahn brachte er aufgrund seiner aktiven Zeit als Spieler umfangreiche Kenntnisse über erlaubte und verbotene Tricks mit. Bei groben Fouls war er unerbittlich, ansonsten hielt er sich an das Motto: "Leben und leben lassen. Das hat funktioniert". Seine zweite Devise lautet: "Wer den Stock als Waffe gebraucht, der muss in die Kabine, sofort."

Josef Kompalla wohnt wie in einem Eishockey-Museum. Schläger in der Zimmerecke, hunderte Pucks in den Regalen, ungezählte Anstecker als Souvenirs von Spielen und Turnieren, die er fast auf der ganzen Welt betreute - jeder Raum in seiner Wohnung erinnert an seine großartige Zeit als Eishockey-Schiedsrichter. "Hätte ich gewusst, was für eine Karriere ich mache, hätte ich früher angefangen", sagte Kompalla an seinem 75. Geburtstag.

Täglich informiert sich Jupp Kompalla in der RP über das Sportgeschehen. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Wimpel von 15 Weltmeisterschaften, Eishockey-Hall-of-Fame-Urkunde, Bundesverdienstkreuz, dazu Erinnerungsstücke an drei Olympische Spiele (1976 Innsbruck, 1980 Lake Placid, 1984 Sarajevo) und handgeschriebene Notizbücher mit allen Begegnungen, in denen Kompalla als Spieler oder Schiedsrichter auf dem Eis stand - die Geschichten zu all den großen und kleinen Dingen in seiner Wohnung würden Bücher füllen. In 48 Ländern stand er auf dem Eis, leitete Spiele des renommierten Iswestija-Cups in Moskau und zwei der großen Duelle zwischen Kanada und der UdSSR 1972 und 1974. Davon zeugt auch ein Brillanten-Ring, der das Ahornblatt neben Hammer und Sichel zeigt, den er 1972 in Kanada bekam und den er jeden Tag am linken Ringfinger trägt.

Sein letztes offizielles Spiel leitete Jupp Kompalla am 7. Mai 2010 - vor 78 000 Zuschauern in der Schalke-Arena. Es war zwar nur das Seniorenmatch zwischen Deutschland und Russland vor der Auftaktpartie der Heim-WM zwischen Deutschland und den USA, aber es war ein würdiger Abschied. "Was sollte denn noch Größeres zum Ende kommen?", fragte er damals. Hier und da erreichen ihn noch Anfragen zu Legenden- oder Jubiläumsspielen. Im vergangenen November wollte er selber sehr gerne noch einmal das Zebra-Trikot überstreifen. Das war anlässlich des 80-jährigen Bestehens der Düsseldorfer EG. Er sollte das Match der Legenden gegen den Erzrivalen Köln leiten. Doch eine Fußverletzung machte einen Einsatz unmöglich.

Schon als junger Schiedsrichter leitete Jupp Kompalla Bundesligaspiele. Hier hilft er der Füssener Torwartlegende "Toni" Kehle wieder auf die Beine. FOTO: homü

Als ehemaliger Schiedsrichter- Ausbilder- und Bobachter schaut er sich natürlich auch heute seine Kollegen genau an. Er hält nach wie vor nicht viel davon, dass mittlerweile zwei Hauptschiedsrichter ein Spiel leiten: "Einer muss das Sagen haben. Zwei Meinungen sorgen nur für überflüssige Diskussionen."

Quelle: RP
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