| 00.00 Uhr

Lokalsport
Für Florian Boehnisch geht auf dem Nürburgring ein Traum in Erfüllung

Motorsport. Der junge Rennfahrer aus Kempen startet Samstag mit einem 230 PS starken 3er-BWM zum ersten Mal in der 2. Liga des deutschen Tourenwagensports. Von H.-G. Schoofs

Auf diesen Tag musste Florian Boehnisch lange warten. Bereits im März 2015 sollte der damals 19-jährige Kempener auf dem Nürburgring sein Debüt im Tourenwagen geben. Doch da bei Testfahren einer der drei Rennboliden des Teams streikten, mussten Fahrer gestrichen werden. Dabei erwischte es auch ihn. Am kommenden Samstag um 12 Uhr geht sein Traum endlich in Erfüllung. Beim VLN-Langstreckenpokal, der nach der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft als 2. Liga dieser Fahrzeuge gilt, startet er mit zwei weiteren Fahrern für das "Pricon-Racing-Team" beim 4-Stunden-Rennen. Mehr als 50 000 Zuschauer verfolgen Jahr für Jahr die VLN-Serie auf der 24,4 Kilometer langen Nordschleife, auch "Grüne Hölle" genannt. "An der ganzen Strecke entlang stehen unglaublich viele Zuschauer. Es ist unbegreiflich, dass ich dort fahren werde. Als kleiner Junge war es mein Traum und jetzt stehe ich so kurz davor. Klar, es wird schwer für mich. Dennoch bin ich optimistisch. Wichtig ist es, Erfahrung zu sammeln und das Auto nicht kaputt zu machen." Nicht ohne Grund ein Ziel: im Schnitt gibt es bei jedem Rennen auf der Nordschleife drei Unfälle mit Totalschaden.

Während die meisten Rennfahrer schon in einem Kart saßen, als sie gerade laufen konnten, kam Florian Boehnisch erst recht spät mit dem Motorsport in Berührung. Vor zehn Jahren saß er auf der Indoor-Bahn in Krefeld zum ersten Mal in einem Kart. Zu Hause am Simulator saß er weiter im Kart und in Rennautos. Nebenbei schaute er sich viel von seinem Vater Adam ab, der früher Motorradrennen fuhr und mit seinem Filius auch im Auto schon viele Runden auf dem Nürburgring drehte: "Schon damals stand für mich fest, hier gehörst du hin." Als er 17 Jahre alt war, konfrontierte er seine Eltern mit seinem Wunsch, Kartrennen fahren zu wollen. Er bewarb sich bei einem Team, das Langstreckenrennen fährt. Bei einem Testtag in Frankfurt fuhr er die schnellsten Zeiten, wurde gleich aufgenommen, nahm mit seinem Team an der Deutschen Meisterschaft teil und kam auch aufs Podium. Ähnlich wie vor seiner Kart-Karriere suchte er im Internet nach Teams, die talentierte Fahrer aufnehmen. Dabei stieß er auf "Aesthetic-Racing", ein ziemlich neues Team. Alle Fahrer wurden 2013 zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Bei einer Challenge am Simulator mit allen Beteiligten fuhr Florian Boehnisch die schnellste Zeit. Kein Wunder. Im Vorjahr saß er zu Hause 190 Stunden am Simulator und legte dabei 24000 Kilometer auf verschiedenen Rennstrecken zurück. Als Belohnung für seinen "Weihnachtssieg" durfte er mit dem Privatwagen des Chefs von "Aesthetic", ein Wiesmann-Sportwagen mit 680 PS , einige Runden drehen. Vor einem Jahr bestand er die notwendigen theoretischen und praktischen Prüfungen zum Erwerb der nationalen Fahrer-A-Lizenz mit der Note 1-, die nur ganz selten vergeben wird.

Im vergangenen September gab Florian Boehnisch dann beim "Dacia-Logan-Cup" im niederländischen Assen sein Debüt bei einem Tourenwagenrennen und kehrte gleich mit dem Siegerpokal im Gepäck nach Kempen zurück. Das wird ihm am Samstag in diesem stark besetzten Fahrerfeld sicher nicht gelingen. Doch er will das Rennen nutzen, um weiter auf sein Talent aufmerksam zu machen. Nur so kann er sich für Teams und Sponsoren empfehlen. Der Kempener hofft, dass aus seiner Heimatstadt viele Interessierte zur Nordschleife kommen. Bei Start-und Ziel können sie ihm an der Box 13 über die Schulter schauen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Lokalsport: Für Florian Boehnisch geht auf dem Nürburgring ein Traum in Erfüllung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.