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Heller und Morel spielen Fußball auf der schönsten Sandbank der Welt

Lokalsport: Heller und Morel spielen Fußball auf der schönsten Sandbank der Welt
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Krefeld. Der ehemalige Spieler des KFC Uerdingen und VfR Fischeln, Stefan Heller, und der aus Krefeld stammende Sprecher der Deutschen Eishockey-Nationalmannschaft, Alexander Morel, kicken beim TSV Juist in der Ostfrieslandklasse C. Von H.-G. Schoofs und Oliver Schaulandt

Wenn Fußballer in die Jahre kommen, dann zieht es sie häufig noch einmal zu exotischen Orten. Mario Basler und Stefan Effenberg zum Beispiel kickten am Ende ihrer Karriere noch in Katar , Franz Beckenbauer einst zusammen mit Brasiliens Fußball-Legende Pelé bei Cosmos New York. Nun haben weder Stefan Heller noch Alexander Morel jemals in der Bundesliga gespielt, aber die beiden hat es dennoch zu einem Fußball-Exoten verzogen: Heller, der ehemalige Spieler des KFC Uerdingen und VfR Fischeln, hat sich dem TSV Juist angeschlossen. Dort spielt er gemeinsam in einer Mannschaft mit dem Sprecher der Deutschen Eishockey-Nationalmannschaft, der Krefelder Alexander Morel, und mit "dem weißen Brasilianer", Ex-Profi Ansgar Brinkmann, der wohl der bekannteste Spieler des Teams ist.

Zu Hellers Engagement ist es kurioserweise über eine Klage gekommen. Der inzwischen 35-Jährige hatte seinerzeit gegen die Auflösung bzw. über die Abfindung seines Vertrages beim KFC geklagt und sich den Anwalt Michael Schamberger genommen. Der Anwalt aus Düsseldorf stammt aus der Gegend in Ostfriesland und gehört selbst dem Team an. "Nachdem ich beim Rather SV meinen Vertrag aufgelöst hatte, bin ich mit ihm hingeflogen und habe mich da angemeldet", erzählt Heller, der aber bislang noch kein Spiel für seinen neuen Verein absolviert hat. Er hat sich bei einem Arbeitsunfall eine Schultereckgelenksprengung zugezogen, ist schon seit Wochen krank geschrieben. "Aber ich hoffe, dass ich diese Saison noch mal mitkicken kann. Mein Anwalt nimmt mich dann immer mit dorthin."

Für den TSV Juist zu spielen, ist ein kleines Stückchen Abenteuer. Juist gehört zur ostfriesischen Inselkette und ist Ostfriesland vorgelagert. Die Insel hat eine Länge von 17 Kilometer und ist damit die längste der Ostfriesischen Inseln. Die maximale Breite beträgt 900 Meter, die minimale 500 Meter. Juist ist 16,43 Quadratkilometer groß. Die geringste Entfernung zum Festland liegt bei rund acht Kilometern. Im Westen von Juist befindet sich die Insel Borkum, im Südwesten die Vogelinsel Memmert und im Osten, getrennt durch das Norderneyer Seegatt, die Insel Norderney. Autos sind auf Juist verboten, und um auf die Insel zu gelangen, muss man Flugzeug oder Fähre nutzen. Stattdessen werden auf der Insel normalerweise Pferdekutschen für den Personen- und Pferdewagen für den Gütertransport, sogar für die Müllabfuhr, eingesetzt.

Aufgrund der besonderen geographischen Lage kommt es häufig zu kuriosen Spielen, schildert Alexander Morel, der mit 38 Jahren dort sein Comeback als Torwart gegeben und bislang sieben Spiele für Juist bestritten hat: "Manchmal dauert ein Spiel bei uns nur zweimal 30 Minuten, weil wir sonst die Fähre zurück auf die Insel verpassen würden. Oder aber wir spielen nur zu Zehnt, weil einer arbeiten muss", schildert Morel, der schon seit frühester Kinderzeit regelmäßig dort Urlaub macht, wie so viele aus der Familie des Tennisvereins HTC Blau-Weiß Krefeld. Jetzt kommt vereinfachend hinzu, dass seine Freundin in Oldenburg wohnt und daher der Weg nicht so weit ist.

Sportlich geht es beim 1966 gegründeten, mit rund 320 Mitgliedern größtem Sportverein der Insel, der mit dem Slogan "Der Sportverein auf der schönsten Sandbank der Welt" für sich wirbt, eher entspannt zu. Die erste Mannschaft, der Heller und Morel angehören, spielt in der "dritten Kreisklasse Aurich Ostfrieslandklasse C Staffel 1". Dort belegt die Auswahl von Trainer Roland Sahm derzeit den elften Tabellenplatz (von 14 Teams, wobei zwei schon zurückgezogen haben) und musste zuletzt eine vermutlich ziemlich schmerzhafte 4:5-Niederlage gegen den Tabellennachbarn, die Zweitvertretung des TuS 1863 Pewsum, hinnehmen. Am kommenden Sonntag geht es gegen die zweite Mannschaft des TuS Großheide, die aktuell Tabellensechster ist. Häufig muss das Team auch Doppelspieltage auf dem Festland austragen, damit es von der Tide unabhängig ist. Daher täuscht auch der Tabellenplatz möglicherweise ein wenig, denn die Konkurrenz hat bisweilen schon zwei Spiele mehr ausgetragen. "Im Winter sind jetzt mehrere Spiele ausgefallen, weil das Wetter so schlecht war, dass die Mannschaft nicht von der Insel herunter gekommen ist", erzählt Stefan Heller.

Möglicherweise wird der TSV Juist demnächst sogar bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Er hat sich nämlich an einem Wettbewerb des Fernseh-Bezahlsenders Sky beteiligt. "Spiel des Lebens" heißt diese Aktion, für die sich Amateurclubs bewerben dürfen und für die im Internet abgestimmt werden kann. Vom Sieger wird dann ein Spiel live auf dem Sender übertragen, und für dieses Spiel wird der ehemalige Weltklasse-Trainer und zweifacher Champions-League-Gewinner Otmar Hitzfeld an der Seitenlinie stehen - unter anderem übrigens als einer der Nachfolger von Ex-Profi Hans Sarpei, der ebenfalls schon beim TSV Juist aktiv war.

Dazu macht der Club derzeit ziemlich viel Werbung. Auf der Internetplattform Youtube hat er ein Bewerbungsvideo geschaltet, auf dem viele prominente Gesichter aus dem Profifußball für die Ostfriesen votieren. Heribert Bruchhagen (Eintracht Frankfurt) gehört etwa dazu, auch der Krefelder Friedhelm Funkel bekennt sich zum TSV Juist - damit es vielleicht ja etwas wird mit dem "Spiel des Lebens". Derzeit liegt Juist in der öffentlichen Abstimmung auf dem zweiten Platz und hofft natürlich auf den Zuschlag. Wobei: Ob dann tatsächlich auch aus dem Stadion, dem legendären "Dünenkessel", übertragen werden kann, ist noch nicht gesichert: Häufig müssen die Spiele auf der Insel auch abgesagt werden - wenn der schon mal öfter über dem Platz liegende Seenebel ein reguläres Fußballspiel nicht zulässt.

Quelle: RP
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