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Aline Focken
"Im Moment bin ich einfach glücklich"

Krefeld. Die Krefelderin Aline Focken gewann am Donnerstag Silber bei der Ringer-Weltmeisterschaft in Paris. Mit etwas Abstand traf sie sich mit der RP, um über die Eindrücke und ihre Zukunft zu reden.

Frau Focken, Glückwunsch zur Silbermedaille. Was sind die Eindrücke mit etwas Abstand?

Focken Vielen Dank. Ich bin einfach nur glücklich über Silber. Im ersten Moment ist natürlich auch Enttäuschung dabei, aber jetzt ist es nur Freude und Stolz. Ich fühle mich jetzt auch wie vom Auto überfahren, und es ist auch deutlich im Gesicht zu sehen. [lacht]

Dennoch, woran hat es denn im Finale gelegen?

Focken Es war eine Aktion, ein Angriff von meiner Seite, der zu früh kam. Der Konter brachte Sarah Dosho zwei Punkte. Da war ich einfach zu intuitiv und habe die Taktik nicht genug umgesetzt. Aber es ist kein Beinbruch, wie gesagt, ich bin sehr glücklich.

Wie oft schießen solche Situationen dennoch durch den Kopf?

Focken Jetzt gerade geht mir fast nichts durch den Kopf, weil so viel anderes ansteht. In einem Monat wird das dann wohl kommen, wenn ich wieder in die Vorbereitung gehe. Aber ich denke, diesmal wird das Hadern schnell weg sein, denn ich bin stolz auf das Erreichte. Normal bin ich sehr selbstkritisch, aber nach meiner Verletzung in der Vorbereitung ist das ein Erfolg, den ich nicht erwartet hätte. Es steht ab kommender Saison auch eine Regel- und Gewichtsklassenänderung an, und das ist derzeit viel mehr im Fokus.

Inwiefern? Was verändert sich?

Focken Der Turniermodus läuft ab 2018 über zwei Tage. Da wird an beiden Tagen gewogen. Damit wird "Gewicht machen" faktisch ausgeschlossen. Das geht in so kurzer Zeit nicht mehr. Die 69 Kilo werden jetzt auch auf 68 reduziert. Das schaffe ich keinesfalls, denn ich muss mich jetzt schon immer auf die 69 runter drücken. 72 Kilo, was für mich optimal wäre, wird nicht olympisch, und damit muss ich bis 76 Kilo kämpfen. Da bin ich dann die Leichteste, und das verändert viel. Ich bin froh, dass das Gewicht machen mir erspart bleibt, aber es wird sehr herausfordernd. Ich bin aber optimistisch, dass ich auch da wieder meine Erfolge feiere.

Nochmal zurück zur WM: Die Weltmeisterin Sarah Dosho ist auch Olympiasiegerin. Ist sie derzeit die beste Ringerin dieser Klasse?

Focken Ich würde sagen ja. Wobei das schwer zu sagen ist, weil viel Tagesform eine Rolle spielt. In der Spitze kann Jeder Jeden schlagen. Aber sie war jetzt seit 2013 immer vorn dabei und ist in jedem Fall die Konstanteste. Trotzdem hätte sie am Donnerstag fast gegen eine 19-jährige Französin verloren, und gegen mich war es auch eng. Würden wir heute nochmal ringen, weiß niemand, ob wir beide wieder im Finale stünden und wer gewänne. Es ist einfach sehr eng.

Ist es im Nachhinein schade, dass es jetzt keine Olympia-Quali war?

Focken Nein, überhaupt nicht! Das Turnier wäre ja ganz anders gelaufen. Es ist gut wie es ist, und ich bin sicher: Ich kann in zwei Jahren wieder dahin kommen. Damit ist es überhaupt kein Problem. Im Gegenteil. Schade war es höchstens deswegen, weil es für mich die bestausgerichtete WM aller Zeiten war. Sogar besser als Las Vegas. Es war toll.

Hatten Sie denn Zeit, sich auch Paris noch anzuschauen?

Focken Nein, diesmal gar nicht. Sonst war ich immer am ersten Wettkampftag dran, da war das mal möglich. Aber diesmal war es nur Training, Gewicht machen und kämpfen. Aber ich war schon oft zum Trainingslager in Paris. Darum ist es nicht schlimm. Sonst hänge ich auch oft noch ein paar Tage dran. Aber diesmal ist Urlaub, das Sommerfest meines Vereins hier in Krefeld und so weiter, einfach wichtiger.

Sie haben es eben gesagt: Sie sehen im Gesicht recht angeschlagen aus. Wie oft werden Sie auf der Straße darauf angesprochen?

Focken Angesprochen werde ich selten, weil die meisten Leute wohl sprachlos sind. [lacht] Aber gerade in Krefeld und speziell in Hüls werde ich oft angesprochen, und je zerbeulter ich aussehe, desto öfter gratulieren mir die Leute, weil sie wissen: je mehr Schrammen, desto mehr Kämpfe. Und das ist meist ein gutes Ergebnis. Es denkt aber niemand, dass ich daheim verprügelt würde. Danach sieht es nicht aus. Aber von den Ringern kann ich mir etwas anhören. Die lachen sich kaputt. [lacht]

Jetzt steht noch Urlaub an, und dann geht es in die Vorbereitung?

Focken Ja, genau. Ich werde jetzt wohl etwa einen Monat von der Matte bleiben, viele Dinge erledigen und regenerieren. Ich muss auch viel Nacharbeiten, was ich verpasst habe und auch meine Schulter auskurieren, die in der Vorbereitung Probleme gemacht hat. Und danach geht es dann wieder los. Jetzt freue ich mich auf den Urlaub.

Quelle: RP
 
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