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Irres Spiel bringt Amern fehlenden Punkt

Lokalsport: Irres Spiel bringt Amern fehlenden Punkt
Rainer Bruse lernt das Fliegen: Nach dem Unentschieden in Wuppertal werfen Amerns Spieler ihren scheidenden Trainer in die Luft.
Fussball. Die VSF Amern spielen auch in der kommenden Saison in der Fußball-Landesliga. Im zweiten Match der Abstiegsrele-gation holten sie gestern beim TUS GW Wuppertal nach einem verrückten Spielverlauf mit 4:4 das nötige Remis. Von David Beineke

In der vierten Minute der Nachspielzeit setzen die VSF Amern noch mal die Brechstange an. Schließlich liegen sie im zweiten Spiel der Abstiegsrelegation der Landesliga-Zehnten beim TuS GW Wuppertal mit 3:4 zurück und könnten sich mit einem Remis vorzeitig das Ticket für ein weiteres Jahr in der Landesliga sichern. Der kurz zuvor eingewechselte Christian Loers erläuft einen langen und hohen Ball in die Spitze, behauptet sich gegen einen Wuppertaler Abwehrspieler, spitzelt das Spielgerät zu René Jansen, der wiederum schnell auf den heranstürmenden Daniel Kawohl querlegt. Kawohl schiebt zum 4:4 ein und versetzt damit seine Mannschaftskameraden, Trainer, Betreuer und die über 100 aus Amern mitgereisten Anhänger in einen nicht enden wollenden Freudentaumel.

Nachdem dem Schlusspfiff verwandelten die Amerner das Stadion des TuS GW Wuppertal in einer Partymeile. FOTO: David Beineke

"Das war das i-Tüpfelchen auf neun Jahre als Trainer in Amern", sagte Rainer Bruse nach der emotionalen Achterbahnfahrt, die ihm seine Mannschaft im letzten Spiel unter seiner Verantwortung noch mal beschert hatte. Bruse führte die Mannschaft von der Kreisliga B in die Landesliga und darf jetzt für sich beanspruchen, sie aus einer fast schon aussichtslosen Situation zu Beginn der Rückrunde doch noch in der sechsthöchsten Spielklasse gehalten zu haben. Wobei es überhaupt nicht zu Bruses bescheidenem und realitätsbewusstem Auftreten passen würde, wenn er sich diesen neuerlichen Erfolg alleine auf die Fahne schreiben würde. "Welcher Geist und Charakter in dieser Mannschaft steckt, das haben wir heute wieder gesehen", rief er den Amerner Fans auf der Tribüne über das vom Stadionsprecher geliehene Mikrofon zu. Dass die Spieler wissen, was sie ihrem Coach zu verdanken haben, zeigten sie, indem sie ihn auf Händen trugen und dann mehrfach in die Luft warfen. Doch der größte Lohn kommt noch: Nächste Woche darf er zum ersten Mal überhaupt seine Jungs auf der Abschlussfahrt nach Mallorca begleiten. Fehlen wird als neuer Coach aber Dennis Sobisz, der gestern noch als Co-Trainer nach dem Remis die Tränen in den Augen hatte: "Ich habe meine ganze Zeit als Fußballer in Amern verbracht. So emotional wie heute war es aber noch nie", sagte er nach dem Unentschieden, das alle Restzweifel am Klassenverbleib beseitigte. Jetzt können Niederwenigern und Wuppertal am Mittwoch spielen, wie sie wollen.

Nach seinem Treffer zum 3:3 war René Jansen (l.) nur noch schwer einzufangen, Max Kapell ist ihm dicht auf den Fersen.

Amern ging nach dem Last-Minute-Sieg gegen Niederwenigern gestern mit Selbstvertrauen ins Spiel und zeigte von Beginn, dass es die Entscheidung zu seinen Gunsten herbeiführen wollte. Mit druckvollem Spiel und passsicheren Kombinationen setzten die VSF die Gastgeber unter Druck, Kosta Agathagelidis hätte sein Team in Front schießen können. Doch dann schlugen die Wuppertaler wie aus dem Nichts zu. Einen Fehlpass im Mittelfeld und einen kapitalen Bock von VSF-Keeper Dennis Metten nutzten sie durch Jean Louis Tavarez (13.) und Osman Öztürk (30.) zur 2:0-Führung. Zwar schaffte der gestern überragende René Jansen nur wenig später den Anschluss, doch kurz vor der Pause gab es durch das 3:1 von Jonas Slomka den nächsten Nackenschlag. Nach dem Seitenwechsel war den Gästen die Nervosität anzumerken, die Sicherheit im Spielaufbau war weg. Doch eiserne Wille und unbändiger Einsatz zahlten sich gegen kräftemäßig abbauende Wuppertaler aus. Kapitän Dominik Heythausen (63.) und erneut René Jansen mit einem Kunstschuss (77.) glichen aus. Als dann alles nach einem Unentschieden aussah, versetzte ein abgefälschter Schuss aus 19 Metern von Osman Özturk in der 86. Minute die Amerner in eine kurzzeitige Schockstarre. Doch auch jetzt steckten die Gäste nicht auf. In der wegen zahlreicher Unterbrechungen üppigen Nachspielzeit sicherte sich Daniel Kawohl einen festen Platz in der VSF-Historie - der Rest war Freudentaumel.

Quelle: RP
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