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Horst Riege
"Ich mache nicht mehr weiter beim KFC"

Horst Riege: "Ich mache nicht mehr weiter beim KFC"
FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Der Sportliche Leiter des KFC hat gestern bekannt gegeben, in der kommenden Saison nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Herr Riege, ist es richtig, dass Sie zum Saisonende beim KFC aufhören?

Riege Ja, das stimmt. Wir hatten uns vor der Saison zu Viert vorgenommen, dass wir den Aufstieg schaffen wollten, mit Herrn Lakis, Ponomarev und Michael Boris. Dieses Ziel haben wir nicht erreicht. Eine Teilschuld daran sehe ich auch bei mir, und darum ist es jetzt meine Konsequenz, dass ich nicht weiter mache.

Welche Fehler haben Sie gemacht?

Riege Sicherlich einige, da bin ich ehrlich, aber es waren auch sehr schwierige Umstände, unter denen ich angefangen habe. Im Mai vergangenen Jahres war ich eine Woche lang Trainer, anschließend dann so genannter Sportlicher Leiter, und wir hatten so gut wie nichts nach dem Abstieg. Keinen Trainer, keine Mannschaft. Also bin ich mit Herrn Lakis auf Trainersuche gegangen, parallel dazu mussten wir eine Mannschaft zusammen stellen. Dabei konnte ich nicht so vorgehen, wie ich es sonst mache, mich intensiver mit Spielern beschäftigen, und musste mich auf Berater oder andere Informanten verlassen. Die Vorgabe war, dass wir möglichst nur Hochkaräter holen sollten, also Spieler mit Erfahrung in der Regionalliga oder höher. Es war schwierig, diese Spieler zu verpflichten. Immer kam die Frage nach dem neuen Trainer, den wir aber noch nicht hatten. Ich wollte auch keine Spieler holen, ohne den neuen Trainer mit ins Boot zu holen.

Aber dann war der Trainer ja irgendwann da...

Riege Natürlich, aber dann war es doch im Grunde schon zu spät. Wir haben zwar sofort losgelegt, aber wir haben da nicht nur Leute geholt, die wir hätten holen müssen. Dennoch bin ich weiterhin überzeugt, dass wir mit dieser Mannschaft hätten Meister werden können, vielleicht sogar müssen. Das Potenzial dazu war da. Wuppertals Qualität war sicherlich nicht höher als unsere, aber dort ist es verstanden worden, diese Qualität auch entsprechend abzurufen.

Das klingt nach einem Vorwurf an Trainer Michael Boris.

Riege Ich will niemanden an den Pranger stellen, auch wenn das vielleicht so klingt. Das ist wirklich kein Vorwurf an Michael Boris, da beziehe ich alle mit ein. Wir als Team haben es nicht geschafft.

Aber unterm Strich waren viele Darbietungen der Mannschaft schlichtweg enttäuschend.

Riege Ja, da muss ich Ihnen Recht geben. Vielleicht war aber auch der Druck für einige Spieler zu groß. Im Nachhinein wäre es wahrscheinlich besser gewesen, mit einer Art Drei-Jahres-Plan den Druck von den Spieler zu nehmen. So hätten wir nach dem Abstieg in Ruhe eine junge Mannschaft aufbauen können, die in dieser Saison oben mitgespielt hätte und wären dann im nächsten Jahr soweit gewesen, dass wir den Aufstieg hätten anpeilen können. Aber im Nachhinein ist man immer klüger.

Es heißt, Sie seien zuletzt massiv mit Herrn Ponomarev aneinander geraten.

Riege Naja, grundsätzlich sind wir alle mit der aktuellen Situation nicht zufrieden. Mir ist unter anderem vorgeworfen worden, ich hätte bei der Ablösung von Herrn Boris keine Alternativen genannt. Das stimmt aber nicht. Ich habe an unseren Geschäftsstellenleiter 20 Namen weiter geleitet. Vielleicht hätte ich da direkt mit Herrn Ponomarev sprechen sollen, da Herr Lakis in dieser Phase krank und nicht anwesend war. Jedenfalls ist dann mit Herrn Großkopf gesprochen worden, und er kam dann mit der Hoffnung hierher, dass er noch aufsteigen könnte und bei Erfolg für anderthalb Jahre Vertrag bekommen sollte. Bei diesem Gespräch waren weder ich noch Her Lakis dabei, und das hätte ich ihm auch niemals so gesagt, weil ich zu diesem Zeitpunkt die sportliche Chance als sehr gering angesehen habe. Ich bin erst zu den Gesprächen gebeten worden, als es um die Gehaltsverhandlungen ging. Das habe ich als Vertrauensbruch angesehen. Und das zeigt auch, dass der Titel "Sportlicher Leiter" bei uns ab Februar ein Muster ohne Wert ist. Ich hätte auch keinen Trainer aus Hamburg geholt, sondern einen, der die Regionalliga West und unsere Oberliga kennt. Das haben Herr Lakis und ich auch gegenüber Herrn Ponomarev und Nico Weinhard zum Ausdruck gebracht.

Spielt die Mannschaft deshalb zurzeit so schlecht?

Riege Das wäre unfair, es jetzt auf Jörn Großkopf zu schieben. Ganz ehrlich, er ist die, mit Verlaub, ärmste Sau, die bei uns rumläuft. Man sieht einfach, dass die Luft raus ist. Vielleicht liegt das aber auch an der Gehaltsstruktur bei uns. Die Grundgehälter sind zu hoch, die Siegprämien zu niedrig. Dadurch fehlen zusätzliche Anreize. Das ist vielleicht ein Punkt, wo der KFC in der Zukunft ansetzen sollten.

...die ja dann ohne Sie ist. Wer plant denn zurzeit für die neue Saison?

Riege Die Vorbereitung darauf habe ich geplant, die Testspiele stehen schon alle fest. Bislang habe ich mit sieben Spieler gesprochen, die schon Erfahrung in der Oberliga, Regionalliga und Dritter Liga haben und bin mir mit ihnen auch schon über deren Gehalt einig. Aber wir haben noch keinen neuen Trainer, und da ist ja auch die Frage, ob er sie überhaupt haben möchte. Und nur, weil ich jemanden gut finde, heißt das ja noch lange nicht, dass auch Herr Ponomarev die gut findet.

Was wünschen Sie dem KFC für die Zukunft?

Riege Sich selbst Geduld zu verordnen, um kontinuierlich arbeiten zu können.

Und was machen Sie demnächst? Fußballtrainer Hans Meyer hat ja mal gesagt, er würde nach seiner Karriere Rosen züchten...

Riege Oh, ich hatte in diesem Jahr zum ersten Mal seit 36 Jahren einen Gartenbaubetrieb bei mir. Ich habe Anfragen von anderen Vereinen, aber ich weiß noch nicht, was ich künftig mache. Der KFC war für mich immer eine Herzensangelegenheit, ich werde dem Verein immer verbunden sein. Sicherlich werde ich mir weiterhin Spiele des KFC ansehen, aber ein Zurück zum KFC wird es für mich in dieser Konstellation nicht mehr geben. Und ich möchte betonen, dass ich mit Herrn Lakis immer sehr gut und gerne zusammen gearbeitet habe. Leid tut es mir auch für die vielen ehrenamtlichen Helfer und tollen und treuen Fans, dass wir so eine enttäuschende Leistung abgerufen haben. Ich hoffe, dass der KFC in der kommenden Saison einen Weg finden wird, eine Mannschaft zu haben, bei der auch der unbedingte Wille erkennbar ist. Dann kannst du auch mal verlieren, dann das habe ich in dieser Saison einfach zu oft vermisst. Bedanken möchte ich mich bei allen, die mich in der vergangenen Zeit so toll beim KFC unterstützt haben.

Quelle: RP
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